Wie die »Friendflation« das Sozialleben Jugendlicher verteuert, warum OpenClaw das Internet erobert und weshalb aus Chicken Banana ein globaler Hype wurde. Aber zuerst:
Bad Bunny
Bad Bunny dominiert derzeit die deutschen Spotify-Charts (5 Songs in den Top 50) und war im letzten Jahr der weltweit meistgestreamte Künstler. Seine rein spanischsprachige Super-Bowl-Halbzeitshow feierte zwar seine puerto-ricanische Herkunft, löste jedoch wegen eines hypersexualisierten Auftretens heftige Kontroversen aus. Die zentrale Botschaft der Show, dass Liebe stärker als Hass sei, steht laut dem Pastor Carlos Erazo im krassen Widerspruch zu einem Lifestyle, der Promiskuität und Vulgarität zelebriert. Für Jugendliche bleibt der 31-Jährige dennoch eine Schlüsselfigur, da er den »amerikanischen Traum« neu definiert: Er ist global erfolgreich, ohne seine Wurzeln oder seine Sprache anzupassen.
1. Friendflation
Worum es geht: Wir hören immer wieder von Teenagern, die die Eltern anpumpen, um auf dem hohen Standard ihrer Freunde mithalten zu können. »Friendflation« beschreibt die Kostenexplosion rund um Freundschaften. Eine von zehn Personen hat bereits den Kontakt zu Freunden abgebrochen, weil sie finanziell nicht mehr mithalten konnte.
Mama, alle gehen essen – ich kann doch nicht schon wieder absagen: In den Niederlanden fühlen sich 20 % der jungen Erwachsenen unter Druck, mehr für Freundschaften auszugeben, als sie möchten. Im Interview sagt ein Jugendlicher: »Früher hat die Dönerpizza 2,50 Euro gekostet, dann 5 Euro.« »Jetzt 8 Euro«, fügen andere in den Kommentaren hinzu. Das deckt sich: Bei uns in Deutschland ist die Gastronomie seit 2022 um über 26 % teurer geworden. Wer nicht mithalten kann, riskiert. Eine Studie aus den USA zeigt, dass junge Menschen dort sogar im Schnitt 335 € im Monat für soziale Aktivitäten ausgeben. Experten raten deshalb offen über Geld zu sprechen. Der Freund oder die Freundin mit dem niedrigsten Budget sollte vorgeben, was gemacht wird. Kochen zu Hause statt Restaurant, Filmabend statt Kino. Am Ende zählt die gemeinsame Zeit – nicht der Preis des Erlebnisses.
Frag Jugendliche: Was würdest du mit Freunden machen, die kein Geld haben? Welche Freundschaft kostet dich am meisten?
Jesus löst den »Friends Wealth Gap« indem er sich bei reicheren Freunden selbst einlädt. Nach dem Motto, ich bring den Wein, du den Rest. Hast du schon mal bei etwas mitgemacht, das eigentlich zu teuer war? Was würdest du heute anders machen?
Auch wenn Budgets oft knapp sind: In Gemeinschaft zu investieren (z. B. durch gesponserte Pizza), ist gerade für Jugendliche aus finanziell schwächeren Milieus unbezahlbar.
💬 Eure Ideen sind gefragt!
Welche kostenlosen oder »Low-Budget«-Aktionen funktionieren bei euch richtig gut? Schreib es uns in die Kommentare!
2. OpenClaw
Worum es geht: OpenClaw (auch bekannt als Moltbot oder ClawdBot) ist ein neuer, kostenloser »agentischer« KI-Assistent, der direkt auf deinem Computer lebt. Sein Entwickler Peter Steinberger wurde jetzt von OpenAI in den USA angestellt.
Warum es anders ist: Im Gegensatz zu anderen KI-Tools liefert OpenClaw nicht nur Informationen. Es trifft Entscheidungen. Wenn du es bittest, dir einen Flug nach Paris zu buchen, erledigt es das tatsächlich (inklusive Hotel, Museum und Co.). Damit das funktioniert, benötigt es jedoch Zugriff auf absolut alles auf deinem Rechner: Passwörter, Zahlungsmethoden, Kalender, Kontoinformationen usw. Der potenzielle Vorteil: OpenClaw könnte als voll funktionsfähiger Assistent dienen. Der potenzielle Nachteil: Die Forderung nach so vielen privaten Daten könnte im Falle eines Hacks massive Sicherheitsrisiken für die Nutzer bedeuten. Zum Beispiel könnte deine AI beim Auslesen von Webseiten schadhafte Prompts aufnehmen und deine Daten online veröffentlichen.
Frag nach: Kennst du Leute, die sich einen MacMini mit OpenClaw eingerichtet haben? Welche Aufgaben würdest du von OpenClaw erledigen lassen? Wann ist es deiner Meinung nach sicher, persönliche Informationen preiszugeben? Wann ist es unsicher?
3. Chicken… Banana?
Worum es geht: Eine neue Form des typischen »Gen-Alpha-Slangs« (der komplett bedeutungslosen Art) ist auf einem schwedischen YouTube-Kanal aufgetaucht.
Warum das Thema ist: Wenn du es geschafft hast, die letzten 12 Monate zu überstehen, ohne »Chicken Banana« zu hören, schätze dich glücklich. Der »Crazy Music Channel«, ein schwedisches Produktionsteam, veröffentlichte »CHICKEN BANANA« im Februar 2025. Ein Jahr später kursiert es immer noch und steht aktuell bei über 174 Millionen Aufrufen. Was als viraler Tanz begann, hat sich zu festem Gen-Alpha-Slang entwickelt. Auch wenn es sich wie KI-generierter Müll (»AI Slop«) anhört, wurde es tatsächlich von Menschen erschaffen – und der Ursprung ist sympathischer, als man denkt. »Bei all den schlimmen Dingen, die weltweit passieren, wollten wir etwas Lustiges machen, über das die Leute lachen können«, erklärte der CEO des Labels gegenüber Vox. Wie bei so vielen neuen Slangbegriffen gilt auch hier: Die Abwesenheit von Bedeutung ist die Bedeutung.
Frag Jugendliche: Was bringt dich zum Lachen, wenn du dich überfordert fühlst?
Gemeinsam für die nächste Generation
Andy & Priscilla von MrJugendarbeit in Zusammenarbeit mit Axis
Zum Schluss noch ein Blick auf den Rest der Kulturlandschaft:
