
Nachts um drei »Fruit Love Island«, tagsüber alles »-maxxed« und zwischendurch die nostalgische Sehnsucht nach der Welt vor KI. Aber zuerst:

Slang der Woche: »Cooked«
Wenn jemand »erledigt«, »geliefert« oder völlig am Ende ist. Beispiel: »Ich hab die Mathearbeit total verhauen, ich bin absolut cooked.« Du kannst cooked sein nach einem Schularbeitstag, nach Doomscrolling oder weil die Veranstaltung länger ging als geplant. Nicht ganz kaputt, aber halt irgendwie... durch.
Drei Gespräche
1. Obst mit Gefühlen
Worum es geht: Fruit Love Island war eine KI-generierte Dating-Show auf TikTok: animierte Früchte in einer Neuauflage von Love Island. Billige Animation, komische Stimmen, trotzdem: über 300 Millionen Views in neun Tagen. Jugendliche suchteten nachts um 3 neue Folgen. Dann der Absturz: TikTok löschte 12 von 22 Episoden, der Creator stoppte die Produktion und schrieb: »No more Fruit Love Island.« Die Serie ist tot.
Warum es relevant ist: In den Videos kamen Handlungen vor, die frauenfeindlich, rassistisch und diskriminierend waren. Eine Erdbeerfrau geht fremd und gebärt vor ihrem Erdbeermann ein Bananenkind. Was verspielt aussieht, verharmlost Erzählungen, die schädliche Vorurteile vermitteln. Rose Tremlett schreibt in ihrer ZEIT-Kolumne »Künstlich befruchtet«: »Wechseln wir gerade von einer Manosphere in eine Bananosphere?« Und: »Misogyne Bananen könnten der Anfang einer neuen kulturellen Epoche sein.« Dass die Serie tot ist, ändert wenig: Zum ersten Mal wurde KI-Slop wie eine echte Serie verfolgt. Die nächste Version kommt bestimmt.
2. Allesmaxxing
Worum es geht: Jugendliche hängen »-maxxing« an alles: Chinamaxxing. Matchamaxxing. Friendshipmaxxing. Boyfriendmaxxing. Yogurtmaxxing. Du könntest einen halben Liter Latte trinken und es Coffeemaxxing nennen, niemand würde dich korrigieren. Ursprung: Looksmaxxing aus der Incel-Community, dabei geht es um Fitness- und Schönheitsmaßnahmen, um besser auszusehen und Erfolg zu haben.
Warum es relevant ist: David Sasaki vom American Institute for Boys and Men hat dazu etwas Entscheidendes gesagt: Looksmaxxing dient nicht dazu, bei Frauen gut anzukommen. Es geht darum, sich mit anderen Männern zu messen. Daraus folgt aber: Wenn dein Aussehen kein Ausdruck deiner selbst mehr ist, sondern ein Werkzeug im Wettkampf, dann ist das nicht Selbstliebe. Das ist Angst, abgehängt zu werden. Und wenn ein Suffix an alles gehängt wird, von Matcha bis Ostern, dann ist das nur eine neue Form von Angeberei.
3. Zurück auf Anfang
Worum es geht: Gen Z kauft wieder CDs, DVDs und Nintendo-Konsolen. Business Insider berichtet: Der Grund ist KI-Angst. Gen Z hat letztes Jahr mehr CDs gekauft als Millennials, Gen X und Boomer. Dazu rollt McDonald’s seit Herbst seine Friends-Kampagne quer durch Europa aus, mit Sammelfiguren und der ikonischen Couch im Restaurant, für eine Generation, die die Serie nie live gesehen hat. Man könnte es Ninetiesmaxxing nennen…
Warum es relevant ist: Gen Z entwickelt eine »visuelle Nostalgie für die Ästhetik der 90er, die sie selbst nie erlebt hat«. Das ist Sehnsucht nach einer Welt, die technologisch weniger komplex war. Eine CD kann dir durch ein Update nicht weggenommen werden. Du kannst ein Nintendo-Spiel von 1993 nicht durch ein KI-Update ruinieren. KI-Angst treibt Gen Z zurück zu CDs, DVDs und Nintendo. Nicht Nostalgie, sondern das Bedürfnis nach etwas, das sich echt anfühlt. Wenn Jugendliche nach Echtheit und Präsenz suchen, haben wir da nicht eigentlich genau das anzubieten?
Gemeinsam für die nächste Generation,
Andy von MrJugendarbeit in Zusammenarbeit mit Axis
