
Mädchen werden zur Marke GIRLS®, Jungs zur Zielgruppe der Manosphere, und eine App verdient daran, dass Jungs aussteigen wollen. Aber zuerst:

Helfen dir unsere Beiträge?
Nur deine Unterstützung macht es möglich, dass das weitergeht.
❤️ Einmalig unterstützen1. GIRLS® – Wenn Mädchen zur Ware werden
Worum es geht: Die britische Autorin und Gen-Z-Stimme Freya India hat ihr Debütbuch veröffentlicht: GIRLS®: Generation Z and the Commodification of Everything. Das ® im Titel ist kein Zufall: Es steht für »Registered Trademark«, eingetragenes Markenzeichen. Denn genau das, so Indias These, sind Mädchen geworden: ein Markenprodukt.
Warum das Buch so wichtig ist: India zeigt Kapitel für Kapitel, wie Tech-Konzerne und andere Branchen die ganz normalen Unsicherheiten der Mädchenzeit aufgegriffen, verstärkt und zu Geld gemacht haben: Fragen nach dem eigenen Körper, der sozialen Stellung, der Zugehörigkeit. Gesichtsfilter, die anfangs Spielerei waren und heute auf vielen Plattformen standardmäßig aktiv sind. Dating-Apps, die Begehrenswürdigsein gamifizieren. Eine Mental-Health-Industrie, die Therapie als Lifestyle-Produkt vermarktet. Was sich als Ermächtigung verkleidet – »Zeig dich! Sei du selbst!« – dient am Ende der Ausbeutung von Frauen. Das Buch ist kein akademisches Werk, sondern ein persönlicher, ehrlicher Blick von innen, und genau deshalb so wirkungsvoll. Jonathan Haidt, Autor von The Anxious Generation, nennt India »die stärkste Stimme der Gen Z, die bisher aufgetaucht ist«.
Sprich mit deinen Jugendlichen: Wenn du an dein Profilbild oder deine letzte Story denkst – wie lange hast du überlegt, bis du sie so gepostet hast und was waren deine Gedanken dahinter?
In diesem Interview erklärt Freya India ihre Kernthesen selbst.
2. Zuhälter 2.0 – Inside the Manosphere
Worum es geht: Der Dokumentarfilmer Louis Theroux hat für Netflix eine 91-minütige Reise in die sogenannte Manosphere unternommen: jenes Netzwerk aus Influencern, Podcasts und Telegram-Gruppen, das Millionen junger Männer mit einer ganz bestimmten Idee von Männlichkeit versorgt. Sein Film Inside the Manosphere ist seit dem 11. März auf Netflix und bereits ein weltweiter Streaming-Hit.
Warum das jeden betrifft, der Jungs kennt: Männer wie Sneako, Myron Gaines und Justin Waller verkaufen Kurse, Supplements und Finanzratschläge. Aber das eigentliche Produkt sind sie selbst: das Auto, die Uhr, die Attitüde. Was im Dokumentarfilm kaum jemand erwartet: Einige dieser Männer besitzen Anteile an Medienfirmen, die OnlyFans-Models managen. Dieselben Models tauchen halbnackt in ihren Social-Media-Posts auf – getaggt und verlinkt. Die Ware wird präsentiert, die Jungs klicken, und auf OnlyFans fließt das Geld. An dem die Influencer mitverdienen. Männer, die »Stärke« und »Freiheit« predigen – und nebenbei Zuhälter sind. Der eigentliche Rohstoff, mit dem sie arbeiten, ist Einsamkeit: echte Orientierungslosigkeit junger Männer, echte Fragen nach Männlichkeit, die nicht beantwortet, sondern profitabel gehegt und gepflegt werden.
Wir haben unsere Trend Scouts gefragt, ob ihnen Manosphere-Inhalte begegnen. Was sie zurückgeschickt haben: vor allem Satire und Reaktionsvideos – ein Zeichen, dass Jugendliche diesen Content durchaus kritisch einordnen.
Sprich mit deinen Jugendlichen: Wenn du online einem Typen folgst, der dir erklärt, wie du erfolgreich oder stark sein sollst – was genau verspricht er dir eigentlich, und was will er dafür von dir?
3. Mit einer Anti-P0rn-App Geld verdienen
Worum es geht: Zwei junge Männer, 20 und 23 Jahre alt, haben in 10 Tagen und für 3.000 Dollar eine App gebaut: Quittr – eine Anti-P*rnografie-App, die mittlerweile 1,5 Millionen Mal heruntergeladen wurde und über 500.000 Dollar pro Monat einbringt.
Warum das mehr als eine Erfolgsgeschichte ist: Das Kernmerkmal von Quittr ist ein Panikknopf: Wer ihn drückt, schaut plötzlich in seine eigene Frontkamera und liest Sätze wie »Was ist diesmal deine Ausrede?«. Frühere Versionen der App bezeichneten P0rnokonsum als »gay« und Nutzer als »Loser«, inzwischen setzt man auf Tagebuchprompts und KI-Therapie. Was diese App so bemerkenswert macht: Laut Umfragen glauben fast zwei Drittel der Männer unter 25, dass P0rnografie schwerer zugänglich sein sollte. 2013 war es noch die Hälfte. Das Bedürfnis, aus P0rn auszusteigen, ist real und wächst. Und es kommt, so Soziologe Samuel Perry, längst nicht mehr nur aus religiösen Kreisen: »Selbstoptimierung hat die Moral als Motiv abgelöst. Man hört nicht auf, weil es falsch ist, sondern weil es einen schwach macht«. Das ist ein kultureller Wandel, der zeigt: Die Gegenbewegung zur Manosphere kommt manchmal aus denselben Kreisen, nur mit einem anderen Produkt.
Sprich mit deinen Jugendlichen: Wenn eine App dich durch Scham zu etwas bringen will – glaubst du, das funktioniert wirklich? Oder braucht echter Wandel etwas ganz anderes?
Gemeinsam für die nächste Generation
Priscilla & Andy von MrJugendarbeit in Zusammenarbeit mit Axis
PS: Wurde diese Mail weitergeleitet? Über 7.000 Leiter bekommen MRJ jede Woche kostenlos. Hier anmelden →
Zum Schluss ein Blick auf den Rest der Kulturlandschaft:
