Anmerkung der Redaktion: Dieser Text belegte den zweiten Platz beim TGC-Artikelwettbewerb 2025 für junge Erwachsene.

Wenn du mich fragst, mit wem ich außerhalb meiner Familie am meisten Kontakt habe, wird dich meine Antwort vielleicht überraschen: Es ist keine Gleichaltrige und auch keine coole Frau in ihren Zwanzigern, sondern eine Frau aus meiner Kirche, etwa 40 Jahre älter als ich – eine Oma. Warum? Weil Beziehungen keine Altersgrenzen kennen und Verbindungen zwischen den Generationen nicht nur schön, sondern unglaublich wichtig sind.

Unsere Kirche bringt jeden Studenten bewusst mit einer reiferen Gläubigen in einer Jüngerschaftsbeziehung zusammen, damit Weisheit von älteren an jüngere Christen weitergegeben wird, und so treffen wir uns zweimal im Monat, um alles Mögliche miteinander zu teilen – vom Kuchendekorieren bis zu Gesprächen über biblische Weiblichkeit, vom Kinobesuch bis zu einem Vortrag von Christopher Yuan, vom Entdecken neuer Cafés bis zum gemeinsamen Weinen bei einer Tasse Chai-Tee – eine echte Lebensbegleitung, in der wir unser Leben miteinander leben, für Jesus.

Ungewöhnlich? Ja. Schwierig? Auf jeden Fall. Aber lohnt es sich? Mehr, als du dir jemals vorstellen kannst.

Eine Hand reicht einer anderen Person eine rote Rose – Symbol für Wertschätzung und Mentoring zwischen den Generationen.
Geistliches Mentoring ist ein Geschenk, das beide Seiten bereichert. Jake Thacker / Unsplash

Besser als Pizza und Spiele

Generationsübergreifende Beziehungen sind in der Jugendarbeit irgendwie aus der Mode gekommen und wurden durch coole Events und altersspezifische Kleingruppen ersetzt – klar, kostenlose Pizza, lustige Spiele und tolle Freunde klingen verlockender, als mit jemandem aus einer anderen Generation über die Bibel zu sprechen, aber ich kann nur für mich reden: Jesus bin ich nicht wegen der Pizza nähergekommen, lebensverändernde Beziehungen sind nicht bei Mafia-Abenden entstanden, und bewährte biblische Weisheit habe ich nicht gelernt, indem ich nur mit Menschen in meinem Alter unterwegs war.

Ich kritisiere keine dieser Dinge und genieße sie alle, aber mir wird immer klarer, dass ich auch bewusste Beziehungen zu Menschen brauche, die älter und weiser sind als ich. Wie kann eine Beziehung zwischen so verschiedenen Menschen – fast wie aus unterschiedlichen Welten – so tiefgehend und heilend sein?

Ich habe zwei Antworten darauf. Die erste ist: Die Bibel macht deutlich, dass wir sie brauchen. Sie helfen, Weisheit weiterzugeben, die sonst verloren ginge, und sie öffnen Türen zu Facetten der Herrlichkeit Gottes, die wir alleine nie entdecken würden. Christus ruft die Gemeinde dazu auf, wie ein Körper zu leben: Wir sind alle Glieder, und jedes Glied hat eine Rolle, eine, die niemand sonst übernehmen kann. Paulus schreibt es so:

Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus… Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn? Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach. (1. Korinther 12;12, 17-18 EU 2016)

Die Kirche ist durch die radikal unerwartete Gnade von Jesus Christus zu seiner Braut geworden, freigekauft durch sein Blut. Und er bringt Menschen zusammen, die völlig unterschiedlich sind – jung und alt, laut und still, erfahren und unerfahren – damit wir Gott gemeinsam besser verherrlichen, als wir es je allein könnten. Und damit wir Gott an erster Stelle lieben und einander danach so lieben können, wie er uns selbst bedingungslos geliebt hat. Das bedeutet: Wir brauchen generationenübergreifende Beziehungen – sie sind kein Bonus, sondern ein zentraler Bestandteil dessen, was Kirche wirklich ausmacht.

Wenn Menschen unterschiedlichen Alters bewusst Zeit miteinander verbringen, wachsen sie daran. Sie lernen, miteinander zu leben, einander zu lieben, voneinander zu lernen und Gottes Güte in ihrem Alltag widerzuspiegeln. Die Bibel sagt es klar:»Diese älteren Frauen sollen die jüngeren Frauen anleiten, …« (Titus 2,4 NLB). – und gleichzeitig »Niemand soll dich gering schätzen, nur weil du jung bist. Sei allen Gläubigen ein Vorbild in dem, was du lehrst, wie du lebst, in der Liebe, im Glauben und in der Reinheit.« (1. Tim. 4,12).

Ungewöhnlich? Ja. Herausfordernd? Auf jeden Fall. Aber unendlich wertvoll. Weil echte Lebensbegleitung, das gemeinsame Wachsen im Glauben und das Weitergeben von Weisheit durch Beziehungen, die Generationen überbrücken, etwas ist, das keine Pizza, kein Kinoabend und kein cooles Event ersetzen kann.

Jüngere Christen brauchen die Weisheit erfahrener Gläubiger, während ältere Christen das Vorbild und die frische Perspektive jüngerer Gläubiger brauchen. Es ist gegen den Strom der Zeit, aber beide Seiten brauchen einander – und die Kirche braucht beide.

Zweitens kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Ich habe das gebraucht. Zu Beginn war ich skeptisch, unsicher, ob das wirklich nötig war. Doch es hat sich schnell gezeigt: Meine Mentorin weiß so viel mehr, als ich jemals allein hätte erfassen können. Sie hat mich nicht nur gelehrt, sondern mich durch ihr bewusstes, gläubiges Leben geprägt.

Als ich durch Zeiten der Trauer ging, stand sie an meiner Seite und erinnerte mich an unsere unerschütterliche Hoffnung. Wenn ich über die nächsten Schritte meines Lebens nachdenke, schenkt sie mir biblische Weisheit. Wenn ich mit Sünde kämpfe, ermutigt sie mich als Pilgerin, die ein Stück vorausgeht, sodass ich sehen kann, wie der Weg aussieht.

Wir alle werden von jemandem geprägt; wir alle suchen Menschen, denen wir folgen können. Normalerweise orientiert man sich an Gleichaltrigen oder an dem, was die Kultur vorgibt. Und doch bin ich Gott unendlich dankbar, dass er sie in mein Leben gebracht hat – sodass ich ihr folgen kann, so wie sie Christus folgt.

Personen unterschiedlichen Alters arbeiten gemeinsam im Garten – Sinnbild für gemeinsames geistliches Wachstum.
Gemeinsam wachsen: Glaube wird im Alltag und im Tun geteilt. Shane Rounce / Unsplash

Von Generation zu Generation

Da meine Kirche möchte, dass diese generationenübergreifende Arbeit weitergeht, habe ich durch Gottes Gnade auch die Freude, ein Mädchen aus der vierten Klasse zu begleiten. Seit einem Jahr treffen wir uns regelmäßig – nicht nur, um die Zeit totzuschlagen, sondern um eine Beziehung aufzubauen, die bewusst gegen den Strom der Kultur geht. Wir essen Eis, führen lange Gespräche und studieren die Bibel miteinander. Es ist eine Beziehung, von der wir hoffen, dass sie ihr in den prägenden Teenagerjahren Halt, Orientierung und Freude an Christus schenkt. Und während ich selbst noch auf meinem eigenen Weg des Jüngerschaftswachstums bin, lerne ich zugleich, wie man andere zu Jüngern macht und die Weisheit weitergibt, die mir anvertraut wurde (2. Tim. 2,2).

Viele Formen von Jüngerschaft sind wirksam, aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Generationenübergreifende Beziehungen lehren uns in besonderer Weise, wie man Christus in einer skeptischen, lauten Welt nachfolgt – weise, liebevoll, konsequent. Sie sind von unschätzbarem Wert für das Entstehen einer Gemeinde, die Gott verherrlicht und Christus in den Mittelpunkt stellt. In einer Zeit, die vom Individualismus, von Isolation und Stammesdenken geprägt ist, richten solche Beziehungen unsere Sichtweise radikal neu aus. Sie erinnern uns daran, dass Gottes Güte alles übersteigt und über uns hinausgeht.

Es ist verlockend einfach, sich von der Kultur treiben zu lassen, Beziehungen zu pflegen, die nur Menschen umfassen, die gleich aussehen, gleich reden und im gleichen Alter sind. Aber das ist nicht das, wozu Christus uns ruft. Christuszentrierte Beziehungen zwischen den Generationen werden vielleicht heruntergespielt, kritisiert oder gar aufgegeben. Aber wenn wir diesen Weg bewusst gehen, miteinander lernen und einander begleiten, bereiten wir uns auf den Tag vor, an dem wir Christus von Angesicht zu Angesicht sehen werden.

Dieser Artikel wurde von Charis Cooper verfasst und zuerst von The Gospel Coalition (TGC) veröffentlicht. Deutsche Version von Ruth Delahaie. Verwendet mit Genehmigung von The Gospel Coalition.