Der Fall Noelia Castillo Ramos und was auf uns in der Jugendarbeit zukommt, der neue Duckface-Trend, mit dem Mädchen auf Instagram posen heißt »Gen-Z-Pout«, und BTS veröffentlicht ihr erstes Album seit 2020. Aber zuerst:

Slang der Woche

»Rage Bait« ist Inhalt im Netz, der absichtlich wütend macht, damit Leute kommentieren, teilen und klicken. Das Kalkül dahinter: Algorithmen belohnen hohes Engagement, egal ob positiv oder negativ. Oxford hat es zum Wort des Jahres 2025 gekürt. Beispiele: Steak mit Plastikmesser essen, oder Dinge sagen wie »Homeoffice-Mütter arbeiten nicht wirklich« und »Worship-Musik ist keine echte Anbetung«. Tipp: Nicht kommentieren, sondern ignorieren, um dem Algorithmus kein Futter zu geben.

1. Wenn der Staat sagt: »Geh sterben«

Worum es geht: 2022 wird Noelia Castillo Ramos vergewaltigt. Danach versucht sie, sich das Leben zu nehmen, und springt aus einem Fenster im fünften Stock. Sie überlebt, aber bricht sich dabei das Rückgrat. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl. Am 26. März 2026 stirbt sie mit 25 Jahren durch staatlich genehmigte Sterbehilfe in Barcelona. Ihr Vater kämpfte zwei Jahre vor Gericht dagegen. Er scheiterte.

Es ist ein globaler Trend: Fast jeder 20. Todesfall in Kanada ist heute ein Fall von MAID (Medical Assistance in Dying), medizinischer Sterbehilfe. Wohin das führt, zeigt Miriam Lancaster: Die 84-Jährige kam mit Schmerzen in die Notaufnahme. Ein Arzt fragte sie, ob sie sterben wolle. Dabei wusste sie noch nicht, was mit ihr nicht stimmte. Die Diagnose: ein gebrochenes Kreuzbein. Vier Wochen Bettruhe. Vollständige Heilung.

Das Gefühl, nicht mehr weiterzukönnen: Das reicht inzwischen aus.

Was mir hängen bleibt: Wenn der Staat Aufgeben als Option darstellt, schwächt das den Schutzraum für junge Menschen in Krisen. Gerade dann brauchen sie jemanden, der bleibt. Unsere Aufgabe ist klar: das Schwache stärken und Räume schaffen, in denen Leben wieder Hoffnung bekommt. Heute ist Karfreitag. Während der Staat den Schwachen heute oft nur noch die Tür hinaus zeigt, ist Jesus selbst die Tür hinein in ein Leben, das niemals aufhört, wertvoll zu sein. Er starb nicht, weil ein Leben keine Mühe mehr wert war, sondern weil jeder Mensch ihm alles wert ist.

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Sprich mit deinem Teenager: Was hilft dir, wenn sich alles zu schwer anfühlt? Und was würdest du jemandem sagen, der nicht mehr weiterweiß?

2. Duckface 2.0 heißt »Pout«

Worum es geht: Der sogenannte »Gen-Z-Pout« begann auf roten Teppichen und ist jetzt in Alltags-Selfies angekommen. Gesenkte Lider, leicht aufgeworfene Lippen, ein Blick, der sagt: »Na gut, mach dein Foto.« Auf TikTok diskutiert Gen Z ausführlich darüber.

Warum du es bald überall sehen wirst: Duck Lips waren mal die bevorzugte Selfie-Pose für Teenager-Mädchen. Jetzt nicht mehr. Millennials haben das Internet mitgeprägt, aber für Gen Z sind sie vor allem eines: cringe, weil sie sich zu sehr anstrengen. Zu begeistert. Zu offensichtlich bemüht. Für Teenager heute ist überschwängliche Freude fast schon gefährlich. Wer zu viel zeigt, macht sich angreifbar. Der Pout löst das elegant. Unbeeindruckter Blick. Kaum Emotion. Eine Aura von: »Mir egal.« Stars wie Lily-Rose Depp und Maddie Ziegler tragen ihn auf roten Teppichen. Teens übernehmen ihn vor dem Badezimmerspiegel. Dahinter steckt mehr als ein Trend. Es ist eine Schutzstrategie. Wer unbeeindruckt wirkt, kann nicht enttäuscht werden. Wer nicht lächelt, riskiert kein schlechtes Foto. Das Gefühl, ständig beobachtet und bewertet zu werden, klebt an ihnen. Sogar in den Mundwinkeln. Jesus dagegen war jemand, der sich vollständig gezeigt hat. Der geweint hat. Keine Detachment-Pose. Das ist radikal anders als alles, was Kontrolle über das eigene Image verspricht.

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Sprich mit deinem Teenager: Magst du, wie du auf Fotos aussiehst? Postest du lieber bestimmte Seiten von dir? Warum? Wann hast du zuletzt wirklich gelacht auf einem Foto?

Glaubst du, dass die Zunahme von »Detachment-Posen« (wie dem Pout) ein Zeichen für eine emotional erschöpfte Generation ist?

3. Ohne das K gibt es keinen K-Pop

Worum es geht: BTS ist zurück. »ARIRANG« ist das erste Album der Gruppe seit 2020. Zur Feier kamen alle sieben Mitglieder auf dem Gwanghwamun-Platz in Seoul zusammen, einem der bedeutendsten Orte der koreanischen Geschichte. Der Live-Auftritt lief auf Netflix. Über 18 Millionen Menschen schauten zu.

BTS dominiert den deutschen Musikmarkt wie keine Band zuvor: Mit Album »ARIRANG« und Single »SWIM« belegen sie gleichzeitig Platz 1 der offiziellen Charts. Acht Titel in den Spotify Daily Top 100 und über eine Million Ticketanfragen für die Münchener Allianz Arena belegen: BTS ist längst kein Nischenphänomen mehr.

Was dahinter steckt: Der Albumtitel verweist auf ein klassisches koreanisches Volkslied. Nach ihrer Pause und dem Militärdienst kehren BTS bewusst mit etwas zurück, das echt ist und aus ihrer Heimat kommt. Gleichzeitig soll ihr Label laut Vulture auf mehr englische Texte gedrängt haben, für mehr Reichweite. Doch genau das war nie ihr Erfolgsgeheimnis. BTS wurden groß, weil sie nicht versuchten, überall dazuzugehören, sondern klar zeigten: Das sind wir. Wer für alle spielt, berührt am Ende niemanden. Eigenart ist keine Schwäche, sondern der Kern echter Kunst. Und für Jugendliche gilt das genauso. Der Druck, sich anzupassen, ist real, besonders im Glauben. Doch der Hebräerbrief erinnert: Wir gehören zu einer anderen Stadt, die noch kommt (Hebräer 13,14). Diese Zugehörigkeit ist kein Zusatz, sondern unser Kern. Wenn wir sie verstecken, verlieren wir das Beste von uns.

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Sprich mit deinem Teenager: Glaubst du, BTS wird wieder so erfolgreich wie früher? Welche Kultur fasziniert dich gerade? Und gibt es einen Teil von dir, den du eher versteckst?

Gemeinsam für die nächste Generation
Priscilla & Andy von MrJugendarbeit in Zusammenarbeit mit Axis

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