In einer bemerkenswerten Kolumne in Christianity Today gibt Tish Harrison Warren zu bedenken, dass Christenmenschen eine gewisse moralische Verpflichtung haben, in den sozialen Medien präsent zu bleiben – sofern sie es seelisch verkraften können.

Warum ziehen sich so viele Menschen aus den sozialen Medien zurück?

Nach der Pandemie scheint es aktuell einen großen Rückzug aus dem öffentlichen Online-Leben zu geben. Bedingt ist dies offenbar durch den Wunsch, uns wieder stärker auf unsere unmittelbare Umgebung einzulassen und die verlorene Zeit mit lieben Menschen nachzuholen. Und für manche Menschen ist es sicher auch eine tiefe geistliche Überzeugung, dass Gott sie ruft, den sozialen Medien, die so oft demoralisierend und kräftezehrend wirken, den Rücken zu kehren.

Harrison verdeutlicht, dass die großen sozialen Netzwerke trotz all ihrer »toxischen« Aspekte eine gesellschaftliche Relevanz haben, die wir nicht ignorieren können. Die sozialen Medien sind nicht der einzige Ort, an dem große Diskussionen über Politik, Moral und Kultur geführt werden, aber sie sind der wohl lauteste und einflussreichste Ort. Social Media komplett zu ignorieren würde bedeuten, unser Licht in gewisser Weise unter einen Scheffel zu stellen.

Wie gut wäre es, wenn Menschen in der Kirche lernen würden, wie man online zivilisiert diskutiert?

Harrison legt nahe, dass die Kirche eine Verpflichtung hat, ihre Mitglieder darauf vorzubereiten, sich auf ethische Weise am digitalen Diskurs zu beteiligen. »Digitale Räume werden uns unvermeidlich Praktiken, Systemen und Einflüssen aussetzen, die schädlich für unsere Seele sind. Aber wir haben eine moralische Verpflichtung, und zwar nicht einfach zu perfekter Reinheit und persönlicher Gesundheit, sondern gegenüber der Welt um uns herum – einer deformierten Welt, die zwangsläufig auch uns deformiert. Wir können und sollten Wege finden, um diese Schäden zu begrenzen. Aber wir können sie womöglich nicht ganz vermeiden.« Manche Menschen beruft Gott in die Öffentlichkeit. Und diese Menschen brauchen Unterstützung und Courage, um standhaft für den Glauben und für ihre Mitmenschen einzustehen.

Beziehungsfragen

  • Frag deine Teens, wie sie über die Social-Media-Regeln in ihrer Familie denken? Wird darüber offen diskutiert?
  • Wie können wir Menschen darauf vorbereiten, mündige und ethische »digitale Bürger« zu sein?
  • Haben Menschen, die Jesus nachfolgen wollen, eine Pflicht, in den sozialen Medien präsent zu sein, da dies eine Möglichkeit ist, das Evangelium weiterzugeben? Warum oder warum nicht?

Verfasst von Daniel Oesterle mit freundlicher Unterstützung von Axis.

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