Uns wurden Leiden versprochen. Sie gehörten zum Programm. Man hatte uns sogar gesagt: »Selig sind, die da Leid tragen«, und ich nehme das an. Ich habe nichts bekommen, womit ich nicht gerechnet hätte. Natürlich ist es etwas anderes, wenn es einen selbst trifft und nicht die anderen und wenn es Wirklichkeit ist und nicht bloß Vorstellung. – C. S. Lewis (Über die Trauer)

Unerwartet

Das Leben kann sich von einem Augenblick auf den anderen verändern. Es kann mit einem Anruf beginnen, der eine Diagnose bestätigt, oder mit dem Verlust eines Familienmitglieds. In diesem Moment weißt du, dass dein Leben nie wieder dasselbe sein wird. Wenn du schon einige Jahre auf dem Rücken hast, weißt du, dass in den Tagen, Wochen und Monaten nach dem Unerwarteten eine Leere entsteht. In dieser Leere trauern wir.

Trauer ist in diesem Leben unausweichlich. Es spielt keine Rolle, wer wir sind, woher wir kommen, wie viel Geld wir haben oder welchen sozialen Status wir haben – niemand von uns ist dagegen immun.

Die Frage ist nicht, ob wir trauern werden, sondern wann und wie.

Selbst für Erwachsene kann Trauer enorm schwierig sein und es kann eine echte Herausforderung darstellen, auf gesunde Weise mit ihr umzugehen. Trauer wirkt jedoch besonders beängstigend, wenn wir versuchen, unsere Teenager durch das komplexe Geflecht von Gefühlen und Erfahrungen zu führen, die Trauer mit sich bringt.

In diesem Leitfaden betrachten wir Trauer aus vielen Blickwinkeln, beantworten einige der häufigsten Fragen dazu und teilen bewährte Ansätze aus der Praxis, ein trauernden Teenager zu begleiten.

Was ist Trauer eigentlich?

Trauer lässt sich nur schwer genau definieren, da jeder Mensch Trauer anders empfindet. Je tiefer wir uns mit dem Thema Trauer beschäftigen, desto schwieriger scheint es zu werden, sie wirklich zu begreifen. Aber irgendwo müssen wir anfangen. Eine der prägendsten Definitionen stammt aus The Grief Recovery Method:

Trauer ist das Gefühl, nach jemandem zu greifen, der immer da war, nur um festzustellen, dass er nicht mehr da ist, wenn man ihn wieder einmal braucht.

Diese Definition betont, dass Trauer entsteht, wenn wir etwas verlieren. Das kann der Verlust ganz unterschiedlicher Dinge sein, sowohl materieller als auch immaterieller Art: der Verlust eines geliebten Menschen, eines Zuhauses, eines Jobs, einer Beziehung oder der Gesundheit. Für unsere Teenager kann es der Verlust …

  • eines Lehrers,
  • von Freunden,
  • einer stabilen sozialen Gruppe,
  • eines Stipendiums,
  • eines Haustiers,
  • der Fähigkeit, Sport zu treiben,
  • eines Fahrzeugs,
  • ihres Handys oder
  • des Zugangs zu Videospielen sein.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Der Verlust von etwas kann dazu führen, dass wir gleichzeitig eine andere Art von Verlust empfinden. Wir könnten beispielsweise um den Verlust eines Arbeitsplatzes trauern, was auch zum Verlust von Stabilität und Routine führt und damit weitere Trauer auslöst. Der Verlust der Gesundheit ist an sich schon verheerend, kann aber auch den Verlust von Freiheit und Unabhängigkeit mit sich bringen und dadurch die Trauer noch vertiefen.

Es gibt noch eine andere Art von Trauer, die oft schwer zu erkennen, aber ebenso bedeutsam ist: die Trauer um das, was hätte sein können oder sein sollen. Diese Form der Trauer wird durch folgende Aussage veranschaulicht:

Trauer ist das Gefühl, nach jemandem zu greifen, der nie für mich da war, nur um festzustellen, dass er auch dann, wenn ich ihn wieder einmal bräuchte, immer noch nicht für mich da ist.

Bei Teenagern trifft diese Definition auf vielfältige Weise zu. Eines der deutlichsten und zugleich greifbarsten Beispiele dafür ist der Moment, in dem ein Teenager erkennt, dass ein entfremdeter Elternteil nicht für ihn da war. Dies wird besonders deutlich, wenn Teenager sich immer wieder an den abwesenden Elternteil wenden und an der Hoffnung festhalten, dass Mama oder Papa ihre Gefühle vielleicht erwidern, nur um jedes Mal enttäuscht zu werden. Wenn sie erkennen, dass ihr Elternteil nie für sie da war und auch nie da sein wird, beginnen sie, tiefgreifend um die Beziehung zu trauern, die hätte sein sollen, und um das, was sie aufgrund dieses Mangels verpasst haben.

Auch soziale Medien verstärken diese Form der »Was-wäre-wenn«-Trauer, weil sie Teenager mit Bildern und Vorstellungen davon überschwemmen, wie das »gute Leben« aussieht. Wenn Teenager erkennen, dass ihr Leben nicht mit dem übereinstimmt, was sie dort sehen, oder wenn sie das Gefühl haben, nicht so hübsch oder cool zu sein wie die Influencer, die in ihrem Feed auftauchen, trauern sie möglicherweise darüber, dass ihr Leben nicht so glamourös, aufregend, abenteuerlich, lustig oder perfekt ist, wie die gefilterten Bilder es ihnen vorgaukeln.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Trauer keine einzelne Emotion ist, sondern ein fortlaufender Prozess. Stell dir Trauer wie eine Kiste vor, die mit vielen Gefühlen gefüllt ist, die nach und nach ausgepackt werden müssen. Wenn du glaubst, dass dein Teenager gerade einen Trauerprozess durchläuft, kann es hilfreich sein, zu fragen: »Welches Gefühl ist gerade am lautesten in dir?« Je nach Entwicklungsstand deines Teenagers kann die Antwort alles Mögliche sein – von einem leeren Blick bis zu einem missmutigen Achselzucken. Tatsächlich ist es völlig normal, dass wir während der Trauer oft gar nicht wissen, was wir fühlen.

In der Trauer wissen wir oft gar nicht, wo wir anfangen sollen, weil all unsere Gefühle auf ein absolutes Maximum verstärkt werden. Der Versuch, darin nur eine einzige Emotion zu erkennen, ist, als wollten wir die Melodie eines Lobpreisliedes heraushören, während Gitarre, Bass und Schlagzeug auf voller Lautstärke dröhnen. Wir sehen den Text auf dem Beamer und erkennen, dass der Sänger singt, aber seine Worte gehen in dieser Geräuschwand völlig unter. Um die Melodie zu hören, müssen wir die Balance finden, damit die Hauptstimme wieder durchklingt.

Um die Melodie im inneren Gefühlschaos wieder hörbar zu machen, gibt es hervorragende, praxiserprobte Werkzeuge:

  • Für jüngere Kinder bietet sich die App »Moka Mera Emotions« an. Sie ist ein spielerisches Werkzeug, bei dem Kinder durch die Handykamera verschiedene Emotionen entdecken und nachahmen können, um ganz ohne Druck ein erstes Gespür für Gesichtsausdrücke und die dazugehörigen Gefühle zu entwickeln.
  • Für ältere Kinder und Teenager, leistet die »Wie geht’s dir?«-App hervorragende Dienste. Sie funktioniert wie ein modernes, digitales Gefühlstagebuch und vermittelt Jugendlichen nicht nur den Wortschatz, um ihre Emotionen differenziert zu benennen, sondern ermutigt sie auch, kurz aufzuschreiben, warum sie so empfinden. Anschließend liefert die App konkrete Impulse, wie sie auf gesunde Weise mit der aktuellen Emotion umgehen können. Eine weitere Alternative für diese Altersgruppe ist der digitale »Stimmungsflip« von Pro Juventute. Er bietet Teenagern eine extrem niederschwellige Möglichkeit, den eigenen Gemütszustand per Smartphone einfach mal nach außen zu kommunizieren, selbst dann, wenn im Moment noch die Worte fehlen, um tiefgründig darüber zu sprechen.

Mit der Zeit können Kinder und Teenager durch solche Werkzeuge erkennen, welche Gefühle am häufigsten auftreten, und lernen, diese klarer zu identifizieren.

Warum fällt es uns so schwer, mit Trauer umzugehen?

Ist dir schon einmal aufgefallen, wie sehr Trauer unser inneres Gleichgewicht aus den Angeln hebt? Das Leben läuft in seinen gewohnten Bahnen – aufstehen, zur Arbeit gehen, nach Hause kommen, Abendessen kochen, Zeit mit der Familie verbringen, die Kinder ins Bett bringen und auf genug Schlaf für den nächsten Tag hoffen. Doch sobald Trauer ins Spiel kommt, gerät der gesamte Alltag völlig durcheinander.

Wir werden von Wut, Schock, Frustration und Empörung überwältigt – völlig normale Trauerreaktionen, aber Gefühle, die wir im Alltag selten aushalten müssen. Warum? Weil die meisten von uns den Luxus haben, ihr Leben mit unzähligen Ablenkungen vollzupacken, um den Schmerz einfach zu betäuben. Diese ständige Möglichkeit zur Ablenkung prägt unseren Umgang mit Trauer massiv.

Die Logik lautet oft »Wenn ich nur lange genug nicht darüber nachdenke, verschwindet es vielleicht von selbst.« Und da die fünf Phasen der Trauer (mehr dazu weiter unten) schwer und schmerzhaft sind, warum sollten wir uns ihnen aussetzen? Warum nicht hoffen, dass der Schmerz an uns vorüberzieht? Wenn Trauer aufkommt, füllen wir unsere Arbeitstage mit Terminen, Telefonaten, Besprechungen und langen Nächten. Wir überladen unsere Kalender mit Kaffeeverabredungen, Friseurterminen, Fußballtraining und Restaurantbesuchen. Wir laden die neuesten Apps, Fotos, Videos, Spiele und Social-Media-Plattformen herunter. Wir schauen die neuesten Serien auf Netflix und Amazon. Natürlich sind diese Aktivitäten an sich nicht schädlich, aber wenn wir oder unsere Kinder sie nutzen, um uns von der Trauer abzulenken, fügen wir uns selbst Schaden zu, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.

Fairerweise muss man sagen: Ja, es gibt Situationen, in denen es hilft, die Trauer kurz auszublenden. In den Tagen nach einem Todesfall beispielsweise, wenn Betroffene mit den logistischen Herausforderungen der Organisation einer Beerdigung beschäftigt sind, bleibt schlicht kein Raum für tiefe Gefühle, zumindest, bis die Trauerfeier vorbei ist und das Chaos sich legt. Eine bewusste Pause von der Trauer kann auch eine nötige Atempause für eine Person sein, die sich intensiv mit ihrer Trauer auseinandergesetzt hat. Es gibt ihr die Kraft, sich auszuruhen, bevor sie weitergeht. Manchmal brauchen wir einfach nur eine lustige Folge unserer Lieblingsserie, um ein wenig zu lachen, oder ein leichtes, entspannendes Buch, das uns für eine Weile in eine andere Welt entführt.

Auf lange Sicht funktioniert dieses Ausweichen jedoch nicht. Der einzige Weg durch die Trauer führt mitten hinein: Wir müssen uns ihr stellen und jede Emotion zulassen, so schmerzhaft sie auch sein mag. Selbst wenn wir glauben, uns erfolgreich abgelenkt zu haben, täuschen wir uns. Trauer löst sich nicht in Luft auf. Irgendwann holt uns der Schmerz unweigerlich ein.

Was passiert, wenn wir unserer Trauer ausweichen?

In vielerlei Hinsicht haben wir im 21. Jahrhundert Vorteile beim Trauern, die frühere Generationen nicht kannten. Wir leben in einer Gesellschaft, die zunehmend erkennt, wie wichtig psychische Gesundheit ist und dass es langfristig schadet, sie zu vernachlässigen. Weil es heute völlig in Ordnung ist, zuzugeben, dass es einem nicht gut geht, schaffen wir ein Klima, in dem Teenager offener als zuvor über ihre Probleme sprechen können. Das hilft ihnen, einen natürlichen, gesunden Trauerprozess zu erleben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass unsere Gesellschaft ein vollkommen gesundes Verhältnis zur Trauer hat. In vielen Kreisen wird ehrliches Trauern immer noch erschwert. Und da wir alle nur Menschen sind, bleibt die Versuchung groß, vor dem Schmerz davonzulaufen. Das Problem dabei ist, dass wir der Trauer niemals vollständig entkommen können.

Sie ist kein Kleidungsstück, das wir nach Belieben an- und ausziehen können. Sie ist wie eine Tätowierung, die uns ein Leben lang begleitet.

Der Grund dafür liegt in der Art und Weise, wie unser Körper Trauer verarbeitet. Jeder Verlust bedeutet puren Stress. Dieser Stress löst im Gehirn neurochemische Reaktionen aus, die oft extrem unangenehm sind und uns dazu verleiten, uns selbst zu betäuben, um sie zu verdrängen. Wenn wir unserem Körper jedoch nicht erlauben, diesen Prozess auf natürliche Weise zu durchlaufen – wenn wir uns also verbieten, auch über einen längeren Zeitraum wütend, niedergeschlagen, einsam, traurig oder frustriert zu sein –, geraten unsere Neurochemie und unser Gehirn dauerhaft aus dem Gleichgewicht.

Genau deshalb können wir der Trauer nicht entkommen, egal wohin wir fliehen oder wie hart wir versuchen, den Schmerz zu verdrängen. Die einzige tragische Ausnahme bildet der Tod – eine traurige Realität, an der viele zerbrechen, die durch Suizid oder ihre Sucht sterben. Unsere Unfähigkeit, der Trauer zu entkommen, ist aber nichts Schlechtes. Sie kann sogar eine Gnade sein, wenn wir sie zulassen. Wir müssen uns ihr jedoch stellen, wenn sie kommt. Wenn wir das tun, machen wir uns selbst das größte Geschenk: langfristige emotionale Gesundheit.

Wenn wir nicht lernen, unsere Trauer aktiv zu verarbeiten, kann das eine ganze Reihe emotionaler und körperlicher Probleme nach sich ziehen. Menschen, die sich nicht vollständig mit ihrem Schmerz auseinandersetzen, bleiben oft in verborgenen Mustern von Wut und ständiger Reizbarkeit stecken. Äußerlich wirken sie vielleicht völlig normal, doch im Hintergrund läuft die Trauer wie ein stilles, zerstörerisches Programm weiter. Eines Tages könnten sie dann in einem plötzlichen Ausbruch von Wut explodieren oder wiederkehrende Panikattacken erleben.

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Tipp aus der Praxis: Wenn du dich fragst, ob du oder deine Kinder mit unverarbeiteter Trauer zu kämpfen haben, bietet der Fachartikel »Trauer bei Kindern: Besonderheiten und Unterstützung« wertvolle Einblicke, um alterstypische Reaktionen und Warnzeichen frühzeitig zu erkennen.

Wie lange dauert Trauer?

Es gibt dafür keinen festgelegten Zeitraum. Je nach Verlust und Persönlichkeit kann Trauer Tage, Monate, Jahre oder sogar ein ganzes Leben lang dauern. Sie ist eine zutiefst persönliche Erfahrung ohne festes Ablaufdatum. Trauer verläuft in Wellen, weshalb jeder Mensch einen Verlust auf seine ganz eigene Weise erlebt. Sie kann saisonal oder zyklisch auftreten und selbst viele Jahre später völlig unerwartet durch Erinnerungen, bestimmte Ereignisse, Gerüche, Aktivitäten oder Bilder wieder ausgelöst werden.

Wenn wir unseren Teenagern helfen wollen, gut zu trauern, ist es äußerst wichtig, sich diese Tatsache vor Augen zu halten. Es ist leicht, anzunehmen, dass ein Kind, nur weil es glücklich, selbstbewusst und zuversichtlich wirkt, auch tatsächlich glücklich, selbstbewusst und zuversichtlich ist. Aber wir alle wissen, wie trügerisch der Schein sein kann und wie sehr unsere Kultur uns dazu drängt, nach außen hin immer eine fröhliche Maske aufzusetzen. Sei nicht überrascht, wenn es deinem Kind an einem Tag richtig gut geht und es den Verlust scheinbar überwunden hat, am nächsten Tag ein Lied im Radio eine Erinnerung auslöst und es wieder tief in die Trauer zurückfällt. Das ist völlig normal. Umso wichtiger ist es, dass du sensibel bleibst und aufmerksam beobachtest, wann dein Teenager erneut von einer Trauerwelle erfasst werden könnte.

Welches Bild von Trauer vermittelt unsere Kultur?

Ob sie es bewusst wahrnehmen oder nicht: Kinder werden mit Bildern und Beispielen überschwemmt, wie sie laut unserer Kultur trauern sollten. Allerdings sind nicht alle Beispiele, die sie sehen, negativ. Nach einer Tragödie ist eine der häufigsten Reaktionen, die unsere Kinder miterleben, eine Kerzenmahnwache, wie sie beispielsweise in Magdeburg nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt abgehalten wurde. Diese schönen und eindrucksvollen Gedenkfeiern sind in der westlichen Welt zu einer gängigen Form des Gedenkens geworden, um Menschen zu betrauern und zu ehren, die bei schrecklichen Ereignissen, insbesondere bei Amokläufen oder Terroranschlägen, ums Leben gekommen sind.

In den letzten Jahren erleben wir zudem, dass immer mehr Prominente offen über die harte Realität ihres Lebens sprechen, insbesondere über die Trauer und den Verlust, mit denen sie nach einer Tragödie ringen. Ein gutes Beispiel dafür ist Instagram-Star und »Dancing with the Stars«-Kandidatin Alexis Ren. Ihre Geschichte ist von einem enormen Verlust geprägt: Ihre Mutter starb kurz nach einer Krebsdiagnose. In ihrer Trauer entwickelte Alexis eine Essstörung. Doch irgendwann erkannte sie, dass die Art und Weise, wie sie diesen Verlust zu bewältigen versuchte, sie auf Dauer zerstörte. Schließlich fand sie bessere, gesündere Wege, um das Andenken an ihre Mutter zu ehren.

Weil Trauer so wehtut, fragen wir uns instinktiv: Was kann ich tun, um mich besser zu fühlen? Wie kann ich diesen Schmerz lindern? Im Grunde genommen fragen wir uns: Wie werde ich wieder glücklich? Das ist eine unglaublich wichtige Frage. Wenn uns jedoch nicht bewusst ist, dass wir sie stellen, kann genau diese Sehnsucht in unserem Bewältigungsprozess zu einem destruktiven Vermeidungsverhalten führen.

Der Grund, warum diese Frage in unserem Leben so viel Gewicht hat, liegt darin, dass unsere gesamte Kultur auf dem Konzept basiert, unbedingt glücklich sein zu müssen. Marketingkampagnen leben von dieser Sehnsucht. Unternehmen tun alles, um dir und deinen Kindern einzureden, dass der Kauf ihres Produkts zu wahrem Glück führt. Wir alle kennen diese Gedanken: Wenn ich nur so aussehen könnte wie sie, dann wäre ich glücklich. Wenn ich nur einen solchen Vater hätte, dann wäre ich glücklich. Wenn ich nur dieses Auto hätte, dann wäre ich glücklich. Wenn doch nur … Die Werbung funktioniert, auch wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind.

Als Gesellschaft sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass wir immer glücklich sein müssen und vor allen anderen Emotionen so schnell wie möglich fliehen sollten. Wenn wir dann Trauer, Schmerz und Verlust erleben, werden wir weiterhin mit Bildern von glücklichen Menschen und Produkten bombardiert, die uns Glück versprechen. Das bestärkt uns in der fatalen Annahme, dass unsere Trauer etwas Schlechtes ist.

In unserer Verzweiflung, endlich wieder glücklich zu werden, wenden wir uns allem zu, was uns ein gutes Gefühl gibt – oder zumindest ein besseres als die Leere, die wir gerade empfinden. Einkaufen, Drogen, Pornos, Essattacken, Appetitlosigkeit, Serienmarathons, endloses Scrollen auf Social Media, Alkohol … was auch immer gerade hilft. Die traurige Realität ist, dass gerade unsere Kinder extrem anfällig dafür sind, in solche Bewältigungsstrategien zu verfallen, die zu lebenslangen Abhängigkeiten und Problemen führen können.

Letztlich läuft es darauf hinaus, dass die Kultur deinen Kindern vermittelt, dass sie nicht trauern müssen, sondern einfach dem nachgehen sollen, was sie im Moment glücklich macht. So verlockend das auch klingen mag, die Realität sieht leider anders aus. Egal, was Serien, Filme, Werbung und Bilder uns weismachen wollen – das Leben ist voller Menschen, die wissen, wie es sich am nächsten Morgen anfühlt, wenn die Trauer noch härter zuschlägt als zuvor und sie immer tiefer in einen Kreislauf der Zerstörung hineinzieht.

Was sind typische Trauerreaktionen?

Weil Trauer ein derart komplexes Geflecht aus Gefühlen, Erfahrungen und vielleicht sogar Traumata ist, kann sie sich bei Kindern und Teenagern in einem enorm breiten Spektrum an Verhaltensweisen äußern. Nimm zum Beispiel drei Teenager, die exakt denselben Verlust erleben – etwa einen familiären Umzug quer durchs Land: Alle drei können völlig unterschiedliche Anzeichen von Trauer zeigen. Während der eine wegen jeder Kleinigkeit in Tränen ausbricht, zeigt ein anderer je nach Alter und Persönlichkeit äußerlich fast gar keine Regung.

Trauergruppen für Kinder & Jugendliche. YOUTUBE

Genau deshalb ist es für uns so wichtig, die häufigsten Anzeichen von Trauer zu kennen. Selbst die feinsten, subtilsten Veränderungen im Verhalten sind wichtig, und wir müssen lernen, sie aufmerksam wahrzunehmen und ernst zu nehmen.

Nimm dir bewusst einen Moment Zeit, um dich mit den typischen Trauerreaktionen vertraut zu machen. Sobald du weißt, worauf du achten musst, fällt es dir wesentlich leichter, entscheidende Veränderungen im Verhalten, in der inneren Haltung oder in den Alltagsgewohnheiten deines Kindes zu erkennen. Wenn du also das ungute Bauchgefühl hast: »Mein Kind verhält sich in letzter Zeit irgendwie seltsam«, ignoriere dieses Gefühl nicht. Geh der Sache auf den Grund. Beobachte das Verhalten deines Kindes genau und stelle ein paar behutsame, aber gezielte Fragen, um zu sehen, wie es reagiert, wenn du seine verborgene Trauer liebevoll ansprichst.

Warum ist es wichtig, Kinder im Trauern zu begleiten?

Jedes Kind geht anders mit Trauer um. Manchen fällt es nicht schwer, über ihre inneren Gefühle zu sprechen. Sie haben von Natur aus ein gutes Gespür für ihre Emotionen und können relativ leicht benennen, was sie fühlen und warum. Viele andere hingegen neigen instinktiv dazu, vor dem Trauerprozess zu fliehen, um ihren Schmerz zu vergessen. Diese Flucht kann ganz unterschiedliche Formen annehmen:

  • Ein trauernder Teenager, der Videospiele liebt, verliert sich vielleicht stundenlang vor dem Bildschirm.
  • Leseratten ziehen sich in Bücherwelten zurück und versuchen so, den Schmerz zu betäuben.
  • Sportliche Jugendliche stürzen sich oft doppelt so hart ins Training, nur um den Kopf freizubekommen.

Diese reine Vermeidung rächt sich auf lange Sicht.

Wer einem Kind schon einmal das Schwimmen beigebracht hat, weiß, wie wichtig die richtigen Grundlagen sind, damit es sich später sicher im Wasser bewegen kann. Am Anfang steht man meist noch am Beckenrand oder im flachen Wasser. Das Kind gewöhnt sich daran, wie sich das Wasser anfühlt, lernt, die Arme zu bewegen und mit den Beinen zu strampeln. Vielleicht hält man es noch fest, während es versucht, über Wasser zu bleiben, und zeigt ihm, wie es richtig atmet. Nach und nach lässt man mehr los. Das Kind übt, ein paar Züge allein zu schwimmen, lernt zu tauchen oder sich auf dem Rücken treiben zu lassen. All diese Übungen haben letztlich ein Ziel: dass es sich auch im tieferen Wasser sicher fühlt – dort, wo es nicht mehr einfach stehen kann. Vielleicht steht man noch am Beckenrand und beobachtet mit angehaltenem Atem, während das Kind seine ersten Bahnen allein schwimmt, in der Hoffnung, dass das Gelernte trägt.

Wenn wir unseren Kindern nicht beibringen, wie man richtig trauert, ist das, als würden wir sie völlig unvorbereitet ins tiefe Wasser werfen, ohne dass sie zuvor üben oder Vertrauen ins Schwimmen entwickeln konnten. Wir lassen sie kläglich im Stich, weil wir ihnen nicht gezeigt haben, wie sie sich in den heftigen Wellen der Trauer über Wasser halten können.

Natürlich ist die Versuchung riesig, unsere Kinder vor jedem Schmerz zu bewahren. Am liebsten würden wir für sie trauern, damit sie selbst nicht durch diese Dunkelheit müssen, und ihnen jeden Verlust so leicht wie möglich machen, weil wir sie nicht leiden sehen wollen. Aber genau das ist fatal. Es ist überlebenswichtig, dass wir ihnen die nötigen Werkzeuge an die Hand geben, um gesund trauern zu können. Und das bedeutet eben auch, dass wir nicht versuchen dürfen, ihren Schmerz für sie zu tragen.

Trauerbegleitung: Wie junge Menschen nach einem Verlust Hilfe finden. YOUTUBE

Die Zeit, die du jetzt in die Trauerbegleitung deiner Kinder investierst, bereitet sie nicht nur auf spätere Herausforderungen im Leben vor, wenn Verlust kommt und du nicht da bist, um sie durch jeden Schritt des Prozesses zu begleiten, sondern gibt dir zugleich die Chance, deine Kinder in diesem Bereich bewusst und positiv zu prägen. Die ungeschminkte Wahrheit lautet nämlich: Wenn du deinen Kindern nicht beibringst, wie man mit Trauer umgeht, dann wird unsere Kultur diese Lücke füllen. Und das führt mit Sicherheit nicht zu dem erfüllten, widerstandsfähigen Leben, das Gott sich für jeden von uns gedacht hat.

Was sagt die Bibel über Trauer?

Eines der schönen Dinge an der Bibel ist, dass sie die gesamte Bandbreite menschlicher Erfahrungen anspricht. Ihre Seiten sind voller Geschichten über Freude und Schmerz, Frieden und Trauer, Angst und Vorfreude – alles steht dort nebeneinander. In der Bibel finden wir einen schmerzlich ehrlichen Kommentar zu den Realitäten dieses Lebens, und eine Lektion ist schmerzlich klar: Trauer ist eine Realität.

Fast alles, was zwischen den ersten beiden Kapiteln von 1. Mose und den letzten beiden Kapiteln der Offenbarung steht, handelt in irgendeiner Form von Menschen, die trauern. Tatsächlich zieht sich das Thema Trauer wie ein roter Faden durch das gesamte Alte und Neue Testament. Es ist schwer, eine wichtige Figur in der Bibel zu finden, die nicht irgendwann einmal zusammenbricht und uns ein wunderschönes und zugleich herzzerreißendes Beispiel dafür gibt, was es bedeutet, in tiefstem Verlust zu Gott zu rufen.

Um nur einige zu nennen: Adam und Eva werden aus dem Garten Eden vertrieben (Genesis 3,22–24); sie verlieren ihren Sohn Abel durch Mord (Genesis 4,1–16); Esau verliert sein Erstgeburtsrecht (Genesis 25,29–34); Naomi verliert ihren Mann und ihre Söhne (Ruth 1,1–5); Hannah trauert und weint vor dem Herrn, weil sie unfruchtbar ist (1. Samuel 1,1–16); Hiob verliert alles, was er hat, verflucht den Tag seiner Geburt und fragt sich, warum er nicht schon vor seiner Geburt gestorben ist (Hiob 3); der mächtige König David wird von tiefer Reue gepackt, als er seine schreckliche Sünde mit Batseba beweint (Psalm 51); und fast alle großen und kleinen Propheten trauern über die Verfehlungen Israels, leiden um ihres prophetischen Auftrags willen und beklagen die bevorstehende Zerstörung ihres Volkes.

Eines der demütigendsten und eindrucksvollsten Beispiele für Trauer findet sich in Johannes 11,35. Es ist der kürzeste Vers in der Bibel und lautet einfach:

»Jesus weinte.«

Dieser Satz geht unter die Haut. Jesus hat gerade die Nachricht erhalten, dass sein Freund Lazarus gestorben ist. Diejenigen unter uns, die mit dieser Passage vertraut sind, wissen, dass Jesus nur wenige Sätze später Lazarus wieder zum Leben erwecken und dieser als geheilter und erneuerter Mensch aus dem Grab kommen wird. Mit diesem Vorwissen wirkt es fast schon irritierend, dass Jesus über den Tod von Lazarus weint. Doch es offenbart das grenzenlose Mitgefühl und die tiefe Trauer, die Jesus für die Menschen empfindet, die er liebt. Es zeigt, dass Gott unseren Schmerz so intensiv spürt, dass er buchstäblich mit uns weint.

Gott versteht unsere Trauer, weil er unseren Schmerz noch intensiver empfunden hat als wir selbst. Jesus, der fleischgewordene Gott, hat Schmerz, Verlust und Trennung in einem Ausmaß erlitten, das unsere Vorstellungskraft übersteigt. Wir haben keinen stoischen, gleichgültigen Gott, sondern einen Gott, der in jeder Hinsicht mit unseren Schwächen mitfühlt (Hebräer 4,15).

So wird unsere Trauer zu einem Wegweiser, der unseren Blick auf etwas Größeres lenkt. Sie erinnert uns daran, dass Schmerz und Verlust nicht zum ursprünglichen Design dieser Welt gehören. Unsere Trauer führt uns unsere völlige Unfähigkeit vor Augen, die Zerbrochenheit dieser Welt aus eigener Kraft zu heilen. Gleichzeitig lenkt sie unsere Aufmerksamkeit auch auf den Gott, der bereits daran arbeitet, alles, was um uns herum falsch ist, wieder in Ordnung zu bringen. Genau das ist die Kernbotschaft des Evangeliums. Mitten in unserem tiefsten Schmerz bricht das Evangelium durch und erinnert uns daran, dass Gott gut ist. Erinnere deine Kinder in ihrer Trauer daran, dass das Evangelium groß genug ist, um ihren Schmerz zu tragen, und unser Gott haargenau versteht, was sie gerade durchmachen. Wenn sie leiden, sind sie niemals allein. Gott ist mit ihnen.

Wie sieht gesunde Trauer aus?

Es gibt keine exakte Wissenschaft, die uns sagt, was »gut trauern« für jeden Einzelnen bedeutet. Psychologen haben jedoch fünf Phasen der Trauer identifiziert, die universell und kulturübergreifend sind und von vielen Menschen in unterschiedlichster Form durchlaufen werden. Diese Phasen sind Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass es weder eine festgelegte Reihenfolge dieser Phasen noch einen festen Zeitrahmen gibt. Es gibt nicht einmal eine Garantie, dass wir die letzte Phase – die Akzeptanz – jemals vollständig erreichen. Anstatt also in Panik zu geraten, wenn ein Kind depressiv oder wütend wirkt, können wir mit ihm über seine Gefühle sprechen und gemeinsam herausfinden, was es im Moment am dringendsten braucht (Zeit? Therapie? Raum? Gemeinschaft? Liebe?).

Die 5 Stufen der Trauer. YOUTUBE

Um an den Punkt der Akzeptanz zu gelangen, braucht es den Willen, Ausdauer, Geduld und die Zeit, die eigenen Gefühle zu verarbeiten. Ohne diese Bereitschaft, sich dem eigenen Schmerz zu stellen, kommt der Trauerprozess kaum in Gang. In der Trauer sind wir im Alltag viel schneller überfordert und möchten uns am liebsten vor allen Verpflichtungen zurückziehen. Arbeit oder Pflichten zu Hause treten möglicherweise in den Hintergrund, und wir verbringen vielleicht mehr Zeit im Bett, fern von anderen Menschen. Zu einem gesunden Trauerprozess gehört es absolut dazu, sich vorübergehend aus dem normalen Alltag auszuklinken. Gleichzeitig braucht es aber die Entschlossenheit, irgendwann wieder aufzustehen und zumindest die grundlegende Selbstfürsorge aufrechtzuerhalten. Ausdauer bedeutet auch, konsequent an der eigenen Trauer zu arbeiten – ob im persönlichen Umfeld oder mit professioneller Begleitung. Wir können nicht nach einer einzigen Beratungsstunde oder beim ersten Rückschlag das Handtuch werfen und den Schluss ziehen, dass wir diese Trauer niemals bewältigen werden.

Genauso entscheidend ist Geduld. Heilung braucht Zeit. Zu einem gesunden Trauerprozess gehört es, realistische Erwartungen an die Dauer zu haben. Die Veränderung unseres Herzens und unseres Denkens ist echte Schwerstarbeit. Genau das müssen wir unseren Teenagern vermitteln, die in einer »Instant-Kultur« der sofortigen Wunscherfüllung aufwachsen. In ihrer Welt passiert alles rasend schnell und auf Knopfdruck. Deshalb sind sie oft massiv frustriert, wenn die Trauerbewältigung länger dauert, als sie es für »angemessen« halten. Erinnere sie immer wieder daran, dass Heilung Zeit braucht – und dieser Prozess zwar mühsam und schmerzhaft ist, die bewusste Aufarbeitung eines Verlusts sie aber für ihr restliches Leben emotional stark macht.

Ein weiterer zentraler Aspekt gesunder Trauerarbeit ist Balance. Wir dürfen die Trauer weder komplett verdrängen noch dauerhaft in ihr ertrinken. Wie bereits erwähnt, wird sich Trauer, wenn wir sie verleugnen, irgendwann aufstauen und später Probleme verursachen. Wenn wir uns jedoch völlig von ihr überwältigen lassen und keine hilfreichen Bewältigungsstrategien entwickeln, geraten wir in eine Art Gefängnis und sind kaum noch in der Lage, unseren Alltag zu bewältigen.

Wenn dein Teenager tief in der Trauer steckt, aber für eine Klausur lernen oder zum Training gehen muss, kannst du ihm eine Methode aus der Trauma-Pädagogik zeigen: die sogenannte Tresor-Übung. Sie hilft, sich vorübergehend von der Trauer zu distanzieren, um handlungsfähig zu bleiben. Dabei fragst du: »Wenn deine Trauer gerade ein Gegenstand wäre, was wäre das?« Ermutige deinen Teenager dann, sich diesen Gegenstand vorzustellen und einen mentalen Tresor zu bauen, in den er diesen Gegenstand einschließt. Achte darauf, dass der Tresor stark genug ist, um alle schweren Emotionen sicher zu verwahren, bis dein Teenager wieder Zeit und Ruhe hat, sich bewusst damit auseinanderzusetzen. Es braucht vielleicht ein paar Versuche, bis der imaginäre Tresor »sicher« genug wirkt. Doch wenn es klappt, spüren viele Jugendliche eine echte körperliche Erleichterung, die es ihnen erlaubt, im Alltag kurzzeitig wieder durchzuatmen.

Wie in den meisten Bereichen unseres christlichen Lebens ist Gnade ein zentrales Prinzip im Trauerprozess. Beginne damit, dir selbst Gnade zu gewähren, während du trauerst. Erkenne, dass es lange dauern kann, bis du das, was du durchmachst, überwunden hast, und dass es keine Abkürzungen gibt. Achte besonders auf das Wörtchen »müsste« oder »sollte«. Wenn dir Gedanken kommen wie, »Ich müsste doch längst darüber hinweg sein« oder »Das sollte mich wirklich nicht mehr beschäftigen; ich sollte mich einfach zusammenreißen«, dann drück innerlich auf Stopp. Erinnere dich in diesem Moment ganz bewusst daran, dir selbst Gnade und Nachsicht zuzusprechen.

Trauernde Teenager müssen diese Gnade immer und immer wieder von uns hören. Wir Menschen neigen fast automatisch dazu, zu glauben, wir müssten schon viel weiter sein, als wir es eigentlich sind. Deshalb brauchen wir Gnade. Erinnere deinen Teenager daran, dass es keinen festen Zeitpunkt gibt, an dem die Trauer auf magische Weise verschwindet. Trefft als Familie die bewusste Entscheidung, einander mit Gnade zu begegnen. Nutze diese Zeit als Gelegenheit, deinem Teenager ganz praktisch vorzuleben, was es heißt, liebevoll und geduldig mit sich selbst umzugehen. Und erinnere deine Familie daran, dass genau das der Kern des Evangeliums ist: Gottes grenzenlose Liebe und Gnade für uns, besonders dann, wenn wir schwach sind.

Wie begleitest du deinen Teenager durch die Trauer? 

Auch wenn jeder Trauerprozess völlig einzigartig ist, gibt es drei konkrete, praktische Schritte, mit denen du deine Teenager dabei unterstützen kannst, auf gesunde Weise zu trauern.

1. Leb Trauer authentisch vor.
Für viele von uns Eltern ist das sehr schwer. Wir glauben oft, wir müssten für unsere Kinder immer stark sein und alles perfekt im Griff haben. Natürlich ist es wichtig, deinen Kindern ein ruhiges, stabiles Umfeld für ihre eigene Trauer zu bieten. Das bedeutet aber nicht, dass du die Realität deines eigenen Schmerzes vor ihnen verbergen musst. Gute Trauer vorzuleben, erfordert Verletzlichkeit. Es bedeutet, sich intensiv mit der eigenen Trauer auseinanderzusetzen, sich bei Bedarf Hilfe zu holen und die Mauer der Lüge einzureißen, die besagt, dass wir als gute Eltern immer alles im Griff haben müssen.

2. Stelle und beantworte schwierige Fragen.
Trauernde Teenager neigen instinktiv dazu, sich vor ihrem Schmerz zu verschließen und innerlich dichtzumachen. Wenn du lernst, Fragen zu stellen, die weit über das typische »Wie war dein Tag?« hinausgehen, öffnest du ihnen eine Tür, sich eben nicht völlig zurückzuziehen. Das bedeutet nicht, dass du dein Kind ab sofort mit endlosen, bohrenden Fragen löchern sollst. Vielmehr geht es darum, ihm vorzuleben, wie du dir selbst unbequeme Fragen stellst. Fragen wie: »Woher kommt dieses Gefühl gerade eigentlich?« oder »Wie geht es mir heute tief drinnen wirklich?«.

3. Lerne, was du nicht sagen solltest, und hole dir professionelle christliche Hilfe.
Eine der größten Herausforderungen für Eltern eines trauernden Kindes ist es, zu wissen, was sie sagen sollten und was nicht. Dennoch wird es Momente geben, in denen dir schlicht die Worte fehlen, oder in denen du das Gefühl hast, dein Teenager empfindet alles, was du sagst, als direkten Angriff. Da die wenigsten von uns ausgebildete Therapeuten oder Seelsorger sind, ist es absolut legitim und oft sogar überlebenswichtig, sich externe Hilfe zu holen. Ein professioneller Berater, der deine Überzeugungen teilt, kann für deine Kinder eine sichere, vertrauenswürdige Person sein, um ihre Trauer zu verarbeiten. Das Netzwerk C-STAB (Christliche Seelsorge, Therapie und Beratung) ist eine hervorragende Anlaufstelle im deutschsprachigen Raum, um professionelle Unterstützung für jede Phase dieses Weges zu finden.

Fazit

Unabhängig von unserem Hintergrund werden wir alle mit der Realität des Verlusts konfrontiert, und unsere Kinder bilden da keine Ausnahme. Sie werden mit Trauer konfrontiert sein und Schmerz ertragen müssen. Wenn das passiert, haben wir als Eltern das heilige Privileg, unseren Kindern dort zu begegnen, wo sie gerade stehen. Wir dürfen ihnen Fähigkeiten an die Hand geben, die sie durch ihr ganzes weiteres Leben begleiten werden, und ihnen inmitten der Dunkelheit die unerschütterliche Liebe Gottes zeigen.

Es ist keine leichte Aufgabe, unsere Kinder durch Trauer zu begleiten. Aber es ist ein Weg, den wir gemeinsam in dem Wissen gehen, dass es gute Tage, extrem dunkle Tage und alles dazwischen geben wird. Durch all das hindurch haben wir einen Gott, der unsere Trauer tragen kann, unseren tiefsten Schmerz aus eigener Erfahrung kennt. Lasst uns gemeinsam in dieser Wahrheit ruhen, während wir Schritt für Schritt mit unseren Kindern durch die Trauer gehen.

Die wichtigsten Punkte im Schnelldurchlauf

  • Trauer kann immer dann auftreten, wenn wir einen Verlust erleben.
  • Trauer ist nicht nur eine Emotion, sondern eine Mischung aus vielen Gefühlen.
  • Es gibt keine feste Reihenfolge oder einen festen Zeitrahmen für Trauer, doch Experten gehen davon aus, dass der Trauerprozess aus fünf Phasen besteht.
  • Es kann Jahre dauern, bis wir unsere Trauer vollständig verarbeitet haben. Beharrlichkeit und Geduld sind hier der Schlüssel.
  • Die Bibel ist voller ehrlicher Geschichten von Menschen, die intensiv trauerten. Unser Gott sieht uns in unserem Schmerz, er kennt ihn und geht jeden Schritt dieses Weges mit uns.
Dieser Ratgeber wurde zuerst vom Axis-Creator-Team veröffentlicht. Das Team von Mr Jugendarbeit hat die Inhalte übersetzt, kulturell angepasst, kontextualisiert und ergänzt, um sie für ein deutschsprachiges Publikum zugänglich zu machen.