Kannst du der Schokolade nicht widerstehen? Lechzt dein Körper nach einem Kaffee? Läuft dir das Wasser im Mund zusammen, wenn du an Chips denkst? Kannst du dein Handy nicht beiseitelegen?

Wir benutzen viele Worte, um unser Verlangen nach Dingen zu beschreiben, von denen wir wissen, dass sie uns wahrscheinlich nicht guttun. Aber ab wann wird aus einem Wunsch oder Bedürfnis eine Sucht? Warum sind Jugendliche so viel anfälliger für Suchtverhalten als Erwachsene? Und wie können wir einen jungen Menschen unterstützen, wenn wir Entwicklungen wahrnehmen, die uns Sorgen machen?

Zwei Arten von Sucht

Es gibt zwei Arten von Sucht, die es zu unterscheiden gilt:

1. Psychologische Abhängigkeit

Dabei gewöhnt sich unser Gehirn an eine Aktivität, ein Verhalten, ein Essen, ein Getränk oder eine Substanz. Dabei kann es sich um eine Gewohnheit handeln, um etwas, das ein fester Bestandteil unseres Tagesablaufs ist. Oder es ist eine Art, mit schwierigen Gefühlen umzugehen oder uns aufzumuntern. Unser Gehirn hat viele Tricks auf Lager, um uns dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu tun. Diese Gewohnheiten zu durchbrechen, kann besonders schwierig sein. Es wird oft angenommen, dass psychologische Abhängigkeiten weniger problematisch sind als physische, aber unser Gehirn ist enorm leistungsfähig. Einmal eingeschliffene Gewohnheiten zu ändern, scheint oft ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Tatsächlich können viele Verhaltensweisen zu einer psychischen oder verhaltensbedingten Abhängigkeit führen.

Wenn wir etwas tun, das uns Spaß macht, wird im Gehirn ein chemischer Stoff namens Dopamin ausgeschüttet, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass wir das gleiche Verhalten wiederholen.

Dieser Effekt zeigt sich bei einer Vielzahl von Dingen: von unserer Vorliebe für Schokolade bis hin zu unserem ständigen Drang, unsere sozialen Medien auf neue Nachrichten zu überprüfen!

2. Körperliche Abhängigkeit

Eine körperliche Abhängigkeit entsteht, wenn eine Substanz eine physikalische oder biologische Veränderung in unserem Körper bewirkt und dadurch unsere körperlichen Aktionen oder Reaktionen beeinflusst. Wir können abhängig werden, weil unser Körper oder unser Gehirn die Substanz braucht, um normal zu funktionieren. Sobald sich der Körper an die Substanz gewöhnt hat, ist oft eine immer höhere Dosis nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Wenn du keinen Zugang mehr zu der Substanz hast, können Entzugserscheinungen auftreten. Diese zeigen, dass sich dein Körper an die Substanz gewöhnt hat. Entzugserscheinungen können mild sein, aber bei stärker wirkenden Substanzen können sie unter Umständen sehr schwerwiegend sein.

Natürlich gibt es viele Überschneidungen zwischen diesen beiden Arten von Sucht – und Sucht bezieht sich nicht nur auf die schwerwiegenderen Arten von Substanzen und Drogen, von denen du vielleicht schon gehört hast. Psychologische Abhängigkeiten werden zum Beispiel bei der Nutzung von sozialen Medien vermutet. Bei der Pornografiesucht handelt es sich um eine komplexe Mischung aus emotionalen und verhaltensbedingten Bedürfnissen nach bestimmten Reizen, die mit körperlichen Wünschen und Reaktionen einhergehen.

Und eine der am weitesten verbreiteten körperlichen Abhängigkeiten ist die von Koffein.

Vielleicht genießt du gerade eine Tasse Kaffee, während du diesen Artikel liest!

Koffein führt zur körperlicher Abhängigkeit. Foto Sincerely Media

Wir machen uns vor allem dann Sorgen um Suchtverhalten, wenn sie negative Auswirkungen hat. Das können körperliche Folgen sein, wenn wir etwas tun, das uns schadet, oder wenn wir etwas in größeren Mengen konsumieren, als es gesund ist. Oft sind es aber auch die sekundären Auswirkungen, auf

  • das Verhalten
  • die Dinge, die Menschen tun, um an die Substanz zu kommen, 
  • das, was sie nicht mehr tun, weil der Drang, die Substanz zu konsumieren oder zu missbrauchen, so stark geworden ist, oder 
  • die Dinge, die sie unter dem Einfluss einer Substanz tun, die ihr Urteilsvermögen oder ihre Wahrnehmung beeinträchtigt. 

Wie entsteht eine Sucht? 

Es gibt zahlreiche Wege, auf denen Menschen in eine Sucht geraten können. Häufig beginnt ein Suchtverhalten als Reaktion auf

  • eine schwierige Lebensphase, auf
  • starke Emotionen oder auf
  • ein traumatisches Erlebnis.

Anfangs mag das Verhalten oder die Substanz den Eindruck erwecken, dass es der Person hilft, ihren Alltag zu bewältigen oder sich mit Freunden, der Familie und den Anforderungen von Arbeit oder Studium zu befassen. Aber es liegt in der Natur einer Sucht, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen, sodass sich das Gleichgewicht der Kontrolle allmählich verschiebt. Obwohl die betroffene Person weiß, dass sie es nicht tun sollte, fällt es ihr immer schwerer, damit aufzuhören.

Wie sieht es bei Jugendlichen aus?

Die Pubertät ist eine Zeit des Experimentierens. Viele Jugendliche probieren Verhaltensweisen aus, die von den Erwachsenen in ihrer Umgebung als potenziell suchtgefährdend eingestuft werden. Außerdem haben Jugendliche ein höheres Risiko, eine Sucht zu entwickeln. Ihr Gehirn entwickelt sich in einem rasanten Tempo, was sich auf ihre Wahrnehmung der Welt und ihre Fähigkeit auswirkt, Impulse und Motivation zu steuern, um gute Entscheidungen zu treffen.

Die Emotionen von Jugendlichen sind oft sehr stark, entflammen scheinbar ohne Vorwarnung und wirken sehr überwältigend. Hinzu kommt, dass Teenager erst dabei sind, die emotionale Reife zu entwickeln, die notwendig ist, um mit schwierigen Gefühlen umzugehen.

Diese Faktoren führen dazu, dass sie sich oft zu Verhaltensweisen oder Substanzen hingezogen fühlen, die ihnen kurzfristig dabei helfen könnten, mit diesen intensiven Gefühlen umzugehen.
Foto unsplasj+

Wenn sie in dieser Lernphase vorwiegend ungesunde oder wenig hilfreiche Verhaltensweisen ausprobieren und sich aneignen, können sie in eine Sackgasse geraten. Sie wissen einfach nicht, wie sie damit aufhören sollen, weil sie keine anderen gesunden Bewältigungsstrategien kennen. Darüber hinaus kann die Beschaffenheit des jugendlichen Gehirns dazu führen, dass die Wirkung einiger neuroaktiver Substanzen (d. h. Substanzen, die das Gehirn und die Art und Weise, wie Jugendliche denken und fühlen, beeinflussen) intensiver, positiver und wichtiger empfunden wird. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit eines regelmäßigen Konsums.

Wie du helfen kannst

Wie kann ich jemandem helfen, wenn ich mir sorgen über eine mögliche Sucht mache? Als pädagogisch verantwortliche Person oder Elternteil, gibt es drei wichtige Dinge, die du tun kannst:

1. Schaffe einen sicheren Raum, in dem sie reden und sich mitteilen können

Jugendliche fühlen sich oft von Leuten unter Druck gesetzt, die ihre eigenen Ziele verfolgen. Es ist nicht einfach, unvoreingenommen zu bleiben, besonders wenn es um potenziell süchtiges oder schädliches Verhalten geht. Eine Herausforderung im Umgang mit Sucht besteht darin, dass die meisten Menschen zunächst gemischte Gefühle haben. Sie fühlen sich zu etwas hingezogen, obwohl sie tief in ihrem Inneren wissen, dass es keine gute Idee ist. Sie erleben vielleicht Vorteile oder positive Auswirkungen durch das Verhalten. Sie erkennen vielleicht, dass sie irgendwann aufhören oder etwas ändern müssen, wollen aber vorerst weitermachen wie bisher.

Das ist das Wesen der Sucht: Kurzfristig erscheint es immer einfacher, in den gewohnten Kreislauf zurückzukehren.

Um eine Unterstützung zu sein, müssen wir den Jugendlichen helfen, langfristig zu denken, ohne dass sie sich von uns entfremdet oder unter Druck gesetzt oder angegriffen fühlen – vor allem, wenn sie bereits mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Du kannst einen Raum schaffen, in dem sie über die Vor- und Nachteile ihres Verhaltens nachdenken können. Wenn du daran arbeiten möchtest, besser zu verstehen, wie sie sich fühlen, kannst du sie dazu anregen, in die Zukunft zu blicken, z.B. ein Jahr voraus oder auf ein bevorstehendes wichtiges Ereignis wie Prüfungen.

  • Was wären die Vor- und Nachteile, wenn sich nichts ändert und sie so weitermachen wie bisher?
  • Gibt es Risiken, die sie unbedingt vermeiden wollen?
  • Gibt es einen Punkt, an dem sich etwas ändern muss?

Denk daran, dass es sich hier um ein reines Informationsgespräch handelt. Du versuchst nicht, sie zu einer Veränderung zu drängen. Du hilfst ihnen nur, ihre Situation gut zu überdenken.

Du kannst einen Raum schaffen, in dem sie über die Vor- und Nachteile ihres Verhaltens nachdenken können. Foto Priscilla Du Preez

2. Unterstütze sie dabei, bessere Entscheidungen zu treffen

Entscheidungen sind knifflig, wenn es um Verhaltensweisen geht, die aus deiner Sicht eindeutig schädlich sind. Es ist leicht, frustriert zu sein und sich zu fragen, was sie sich dabei gedacht haben!

Stattdessen müssen wir einen sicheren Raum schaffen, in dem junge Menschen

  • über Ereignisse nachdenken können, die passiert sind,
  • über getroffene Entscheidungen nachdenken können und was sie stattdessen hätten tun können und
  • sich Gedanken darüber machen können, was sie für die Zukunft vielleicht ändern müssen.

Sei geduldig. Du willst sie vor potenziellen Risiken und Schäden schützen, aber im Idealfall gelingt das, indem du sie in die Lage versetzt, gute Entscheidungen zu treffen, anstatt ihnen Vorschriften zu machen (obwohl dies manchmal unvermeidlich ist).

Hilf ihnen, über Ereignisse nachzudenken, insbesondere über solche, bei denen sie möglicherweise eine weniger positive Entscheidung getroffen haben. Hilf ihnen, zu verstehen, was passiert ist. Teenager erinnern sich oft nur vage an die Vergangenheit, vor allem bei impulsiven Entscheidungen. Kannst du ihnen dabei helfen, nicht nur den Moment der Entscheidung zu verstehen, sondern auch die Gefühle, die dazu geführt haben? Ermutige sie, an einen früheren Zeitpunkt des Tages zurückzudenken, und hilf ihnen dabei, die größeren Zusammenhänge zu erkennen, die damit verbunden sein könnten. Gab es Momente, in denen sie etwas anders hätten machen können?

  • Einen Freund anrufen?
  • Jemandem von ihrem schwierigen Tag erzählen?
  • Eine Party verlassen?
  • Eine Einladung ablehnen?
Sei geduldig. Foto unsplash+

Jugendliche haben oft Fragen, die sie klären möchten, fühlen sich aber kritisiert oder unter Druck gesetzt. Dabei kann es sich zum Beispiel um die Frage handeln, wie riskant eine Substanz oder ein Verhalten wirklich ist oder wie man zuverlässige Informationen darüber bekommt. Kannst du ihnen helfen, sachkundig und fundiert zu recherchieren, um sicherzustellen, dass sie korrekte und verlässliche Informationen erhalten?

Die größte Entscheidung ist natürlich die Anerkennung, dass sich etwas ändern muss. Diese Entscheidung wird oft als eine absolute »Ich gebe auf«-Entscheidung dargestellt. Aber tatsächlich ist sie viel komplexer. Zuzugeben, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass man Hilfe braucht, und zu entscheiden, dass sich etwas ändern muss, ist ein guter Anfang. Obwohl jemand wirklich den Wunsch hat, etwas aufzugeben und nicht wieder zu tun, kann es sein, dass er scheitert oder sich heimlich zurückzieht, wenn trotz guter Absichten die Ausdauer fehlt. Es ist ein wichtiger Schritt, zuzugeben, dass man Hilfe braucht, um herauszufinden, wie eine Veränderung aussehen könnte. Zögere nicht, diesen Schritt zu feiern und dann gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen soll.

Sprich in der Zwischenzeit darüber, was du tun musst, um sie zu schützen.

Vor allem, wenn es ein Muster von riskantem Verhalten gegeben hat und es unter dem Einfluss von Substanzen passiert ist, kann die Situation in den Bereich der Jugendschutzrichtlinien fallen.

Hol dir Rat und stelle sicher, dass du alle erforderlichen Verfahren oder Richtlinien befolgst. Dies gilt auch, wenn im Zusammenhang mit der Situation illegale Aktivitäten aufgedeckt werden, wie z. B. der Verkauf oder die Abgabe illegaler Substanzen an Minderjährige.

3. Unterstütze sie dabei, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen

Das ist äußerst wichtig. Suchterkrankungen sind ernsthafte psychische Probleme und erfordern fast immer professionelle Unterstützung auf dem Weg zur Genesung. Vielleicht erscheint dir die Situation nicht ernst genug, um fachliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, aber genau diese Art von Entscheidung sollte von einer Fachkraft getroffen werden. Denn in vielen Fällen muss das Absetzen einer regelmäßig konsumierten Substanz unter Aufsicht und sorgfältiger Anleitung erfolgen.

Wenn man schon so viel zu bewältigen hat, kann sich die Suche nach geeigneten Angeboten überwältigend anfühlen. Foto Iluha Zavaley

Die erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt oder die Hausärztin, aber die meisten Menschen brauchen Unterstützung, um den ersten Schritt zur Hilfe zu machen. Sei praktisch:

  • Kannst du ihnen helfen zu überlegen, wem sie sich anvertrauen sollten und wie und wann?
  • Kannst du ihnen helfen, einen Arzttermin zu vereinbaren, wenn sie das nicht selbst können?
  • Könntest du sie dabei begleiten, ein Gespräch mit einem Elternteil oder Erziehungsberechtigten zu suchen, wenn dies ein erster Schritt sein soll?

Ein weiterer hilfreicher Schritt ist oft, einen Raum zum Nachdenken, Reden und Verarbeiten der Situation zu finden. Therapeutische Räume sind nicht immer leicht zu finden, aber viele Schulen, Hochschulen oder lokale Behörden bieten kostenlose oder kostengünstige Unterstützung für diejenigen an, die noch in der Ausbildung sind. Wenn man schon so viel zu bewältigen hat, kann sich die Suche nach geeigneten Angeboten überwältigend anfühlen. Vielleicht kannst du mit ein paar Vorschlägen helfen, die Suche einzugrenzen.

Was sagt die Bibel?

Wenn es um biblische Weisheiten zum Thema Sucht geht, werden oft Verse zitiert, die sehr hart oder einschüchternd wirken. Manchmal werden Verse wie 1. Thessalonicher 5,6 zitiert (»Darum lasst uns nicht schlafen wie die anderen! Wir wollen hellwach und nüchtern bleiben!«) – und die Notwendigkeit zu betonen, einen Verstand zu bewahren, bereit für Gott und aufmerksam für das, was er sagen oder tun könnte. In 1. Korinther 6,12 heißt es, dass wir zwar im Prinzip alles tun oder rechtfertigen können, es aber problematisch ist, wenn wir von etwas »beherrscht« werden, da dies Auswirkungen auf unseren Körper und unseren Geist hat. Es ist wichtig, darüber nachzudenken, wer die Kontrolle hat – wir selbst oder eine Sucht oder ein Verhalten, in das wir verstrickt sind.

Wir müssen jedoch vorsichtig sein, Süchte nicht einfach als Sünde zu bezeichnen und zu erkennen, dass sie Krankheiten sind, in die Menschen hineingeraten.

Verurteilung kommt niemals von Gott (Römer 8,1). Die Bibel ist sich sehr wohl bewusst, dass wir alle Gefahr laufen, »Sklaven der Sünde« zu sein. Wir verstricken uns in Dinge, die geistig, emotional oder körperlich nicht gut für uns sind und kämpfen darum, Wege zur Freiheit zu finden (Römer 6,6). Aber durch Gottes Gnade und Liebe haben wir die Chance, einen Weg zu einem besseren Leben zu finden (V. 14). Die Bibel betont deutlich, dass wir Menschen, die mit einer Sucht zu kämpfen haben, mit Trost und Mitgefühl begegnen und ihnen helfen sollen, einen Weg durch ihre Schwierigkeiten zu finden (2. Korinther 1,4; Epheser 4,32).

Jemanden zu begleiten, der mit einer Sucht kämpft, kann viel Geduld, Weisheit und Liebe erfordern. Es ist ein Balanceakt zwischen Herausforderung und Fürsorge, Empathie und sorgfältiger Abgrenzung. Wenn wir uns dieser Aufgabe stellen, sollten wir uns stets bewusst sein, dass wir Gottes Weisheit und Kraft mehr benötigen als unsere eigene (1. Korinther 1,25)

Dieser Artikel wurde von Dr. Kate Middleton verfasst und zuerst von Youthscape veröffentlicht. Deutsche Version von Olivia Felber.

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