Als ich vor 20 Jahren Coram Deo in Omaha gründete, war unser Ansatz für die Kinderarbeit zugegebenermaßen eher planlos und zusammengewürfelt. Mit einer kleinen Gemeinde, die überwiegend aus Menschen in ihren 20ern bestand, und nur etwa zehn Kindern unter 5 Jahren, konzentrierten wir uns auf unmittelbare Bedürfnisse wie die Einrichtung einer einfachen Kinderbetreuung, damit die Eltern der Predigt zuhören konnten. Unsere Bemühungen waren reaktiv und ohne ein tragfähiges Gesamtkonzept.

Als die Gemeinde wuchs, fügten wir Programme für verschiedene Altersgruppen hinzu. Diese wurden jedoch Stück für Stück aufgebaut und gingen auf unmittelbare Engpässe ein, ohne dass es einen klaren Plan gab. Vor etwa fünf Jahren haben wir uns bewusst mit der Frage auseinandergesetzt: Wie können wir die Jüngerschaft von 0 bis 18 Jahren systematisch angehen? Diese Frage führte dazu, dass wir eine theologische Vision entwickelten, die unsere Kinder- und Jugendarbeit prägt und einen einheitlichen Ansatz für die geistliche Entwicklung der nächsten Generation gewährleistet.

Grundlegende theologische Prinzipien

Unsere theologische Vision basiert auf der zentralen Überzeugung, dass Eltern die wichtigsten Begleiter in der Jüngerschaft ihrer Kinder sind (5. Mose 6). In Omaha, wo ich tätig bin, stehen wir vor einer kulturellen Herausforderung. Viele Kirchen in unserer Region sind aus der Kirchenwachstumsbewegung der 1980er- und 1990er-Jahre hervorgegangen und stehen unter starkem lutherischen und katholischen Einfluss.

Diese Kirchen übernehmen oft Modelle, die Eltern dazu ermutigen, ihre Kinder »abzugeben« und die Verantwortung für deren geistliches Wachstum der Kirche zu überlassen.

Dieser Ansatz kann Passivität fördern und die entscheidende Rolle, die Gott den Eltern zugewiesen hat, in den Hintergrund drängen. Bei Coram Deo wirken wir dem entgegen, indem wir betonen, dass Eltern der wichtigste geistliche Einfluss im Leben ihrer Kinder sind. Jeder Aspekt unserer Arbeit – von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr – ist darauf ausgerichtet, diese Wahrheit zu bekräftigen und Eltern zu befähigen, ihre Rolle ernst zu nehmen, während wir sie als Kirche dabei unterstützen und ihnen ihre Bemühungen erleichtern.

Eine zweite Überzeugung ist, dass die Berufung der Eltern darin besteht, Gott zu vertrauen und Gott zu gehorchen. Eltern (und Kirchen) sind oft in dem einen hervorragend, während sie das andere vernachlässigen. Einige betonen das Vertrauen und stützen sich stark auf Gottes Gnade, spielen aber den Gehorsam herunter, was zu geistlicher Bequemlichkeit führt. Andere wiederum hämmern auf den Gehorsam ein, was Ängste und Befürchtungen schüren kann. Wir sollten beides anstreben und Eltern ermutigen, sich auf Gottes Verheißungen zu stützen und gleichzeitig seiner Führung bei der Erziehung ihrer Kinder treu zu folgen. Dieser doppelte Fokus prägt die Art und Weise, wie wir Eltern und auch ihre Kinder zu Jüngern machen.

Um Eltern und Freiwilligen zu helfen, diese Vision zu verinnerlichen, stützen wir unseren Ansatz auf vier Grundprinzipien.

1. Gottes Versprechen: Vertraue darauf, dass Gott seinen Bund hält

Als eine Kirche, deren Zentrum das Evangelium ist, beginnen wir mit den Grundlagen – dem, was Gott seinem Volk versprochen hat. Unser Lehrplan und unsere Inhalte betonen Gottes Verheißungen und ermutigen Eltern und Kinder gleichermaßen, auf diese Versprechen zu vertrauen und sich darauf zu verlassen. Für Eltern bedeutet dies, ihre Bemühungen auf die Gewissheit der Treue Gottes zu gründen. Für Kinder und Jugendliche bedeutet dies, zu lernen, an Gottes unveränderliche Verheißungen zu glauben und sich auf sie zu verlassen. Indem wir mit der Verheißung beginnen, verankern wir die Jüngerschaft in der guten Nachricht des Evangeliums und stellen sicher, dass das Vertrauen in Gottes Wort die Grundlage für geistliches Wachstum ist.

2. Gottes Vorsehung: Das ganze Leben ist mit Gott verbunden

Wir glauben, wie David Powlison es ausgedrückt hat, dass das gesamte Leben mit Gott verbunden ist. Jeder Moment, ob alltäglich oder herausfordernd, ist eine Gelegenheit zur Jüngerschaft. Diese in 5. Mose 6 verwurzelte Perspektive ruft Eltern dazu auf, jede Facette des Lebens – seien es Schwierigkeiten in der Schule, Freundschaften, Geschwisterrivalität oder medizinische Probleme – als Übungsfeld zu betrachten, auf dem Kinder lernen, Gott in ihrem Alltag zu entdecken, ihm zu vertrauen und ihn anzubeten.

Jüngerschaft beschränkt sich nicht auf Gottesdienste oder Familienandachten. Vielmehr bietet das Wirken Gottes in allen Lebensbereichen Gelegenheiten, Kindern zu helfen, ihn und seine Wege zu verstehen. Indem wir die Lebensumstände als Teil von Gottes souveränem Plan betrachten, befähigen wir Eltern, diese Momente für die geistliche Bildung zu nutzen und einen ganzheitlichen Ansatz für die Jüngerschaft zu fördern.

3. Gottes Gegenwart: Vertraue auf Gottes Nähe

Wir möchten, dass Eltern, Freiwillige und Kinder wissen, dass Gott mit uns ist. Auch wenn Kompetenz im Unterrichten oder Leiten wertvoll ist, hängt die Hoffnung, dass unsere Kinder an das Evangelium glauben, nicht von menschlichen Leistungen ab.

Am wichtigsten ist nicht die Fähigkeit des Geschichtenerzählers am Sonntagmorgen oder der Mitarbeiter in der Jugendarbeit, sondern die Tatsache, dass Gott bei uns ist.

Wir verlassen uns auf seine Nähe und vertrauen darauf, dass er in den Herzen derer wirkt, denen wir dienen. Diese Wahrheit nimmt den Druck von Eltern und Freiwilligen und erinnert uns daran, dass Gottes Gegenwart die ultimative Quelle der Verwandlung in der Jüngerschaft ist.

4. Wachstum: Prozess vor Perfektion

Kinder zu erziehen und zu Jüngern zu machen, ist harte Arbeit. Der Weg kann entmutigend sein, wenn das Wachstum langsam scheint oder man sich mit anderen Familien vergleicht. Wir ermutigen Eltern, sich auf das Wachstum zu konzentrieren, anstatt auf unerreichbare Standards der Perfektion. Wachsen wir als Eltern und als Gemeinde im Vertrauen auf Jesus und im Gehorsam ihm gegenüber? Lernen unsere Kinder ihn kennen und wachsen sie darin, ihm nachzufolgen?

Diese Betonung des Fortschritts schützt vor Perfektionismus und Legalismus, die zu Niederlagen oder einer leistungsorientierten Denkweise führen können. Stattdessen ruhen wir in Gottes Liebe zu seinem Volk und verlassen uns auf seine Verheißungen. Wir vertrauen darauf, dass er sowohl in Erwachsenen als auch in Kindern wirkt, während wir gemeinsam in Jesus wachsen.

Dieser theologische Rahmen gilt nicht nur für Eltern, sondern prägt alle, die an unserer Arbeit beteiligt sind. Die Lehre Jesu, dass wir wie kleine Kinder werden müssen, um in das Reich Gottes zu kommen (Mt 18,3), erinnert uns daran, dass es bei der Jüngerschaft nicht nur darum geht, Kinder zu formen, sondern um Gottes Wirken in uns. Wenn wir die nächste Generation zu Jüngern machen, sind wir gezwungen, uns mit unserer eigenen Sünde auseinanderzusetzen, Buße zu tun und Gott tiefer zu vertrauen. Dieses gegenseitige Wachstum schafft eine Kultur der Jüngerschaft, in der Erwachsene und Kinder gemeinsam im Evangelium wachsen.

Unser systematischer Ansatz zur Jüngerschaft   

Angesichts der uneinheitlichen Natur unserer frühen Bemühungen haben wir versucht, eine einheitliche Strategie für die Jüngerschaft von Kindern vom Säuglingsalter bis zum 18. Lebensjahr zu entwickeln. Einen entscheidenden Einfluss hatte dabei Dorothy Sayers’ Essay The Lost Tools of Learning aus dem Jahr 1948. Sayers konzentrierte sich zwar auf das Thema Bildung, doch ihre Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung bieten einen wertvollen Rahmen für die Jüngerschaft. Sie unterscheidet drei Phasen der Kindheit, die sie »Papagei«, »Frechdachs« und »Poet« nennt. Diese Phasen weisen jeweils unterschiedliche Merkmale auf, die Einfluss darauf haben, wie wir Kinder geistlich ansprechen.

Um uns an diesen Phasen zu orientieren, haben wir unsere Arbeit in vier Altersgruppen unterteilt: Vorschule (0–5), Grundschule (5–9), Katechismus (10–12) und Jugendarbeit (13–18). Jede Phase baut auf der vorherigen auf und schafft so einen nahtlosen Weg der Jüngerschaft. Im Folgenden skizziere ich,, wie wir jede Phase angehen und einen Übergang sicherstellen, der die Kinder auf die nächste Phase ihres geistlichen Wachstums vorbereitet.

Die Aneignungsphase (Papagei-Phase nach Sayers)

»Die Papagei-Phase ist die Phase, in der … man gerne Autokennzeichen aufsagt, sich am Singen von Reimen erfreut … und einfach nur Spaß daran hat, Wissen anzuhäufen.« – Dorothy Sayers

Meine eigenen Kinder waren ein Beispiel für dieses Stadium, als sie Autokennzeichen oder die Aufstellung der NFL-Teams auswendig lernten. In dieser Zeit sind Kinder wissensbegierig, was perfekt ist, um ihnen die Bibelgeschichten und Wahrheiten der Bibel beizubringen.

In unserer Arbeit mit Vorschul- und Grundschulkindern konzentrieren wir uns auf das Erzählen von Geschichten und das Auswendiglernen, um eine solide biblische Grundlage zu bauen. Die Kinder lernen wichtige Bibelgeschichten, lernen Verse auswendig und beginnen, den umfassenden Erlösungsplan Gottes zu verstehen. Wir gestalten Aktivitäten, die ihre natürliche Neugier wecken, wie interaktive Bibelstunden und Lieder, die Gottes Verheißungen bekräftigen.

Zu Hause werden die Eltern ermutigt, tägliche Gewohnheiten der Anbetung zu entwickeln, indem sie die Mahlzeiten, die Schlafenszeit und sogar Autofahrten nutzen, um gemeinsam die Bibel oder christliche Geschichten zu lesen. Die Kirche fördert auch, dass Kinder in ihren Familien mithelfen, um ihnen beizubringen, dass sie anderen im Namen Jesu Gutes tun können und sollen. Am Ende dieser Phase verfügen die Kinder über einen Schatz an biblischem Wissen und ein wachsendes Vertrauen in Gott, wodurch sie auf die nächste Phase vorbereitet sind.

Die Ablösungsphase (Frechdachs-Phase nach Sayers)

Die Frechdachs-Phase, wie Sayers sie nennt,

»... ist gekennzeichnet durch das Widersprechen, Widerreden und die Freude daran, andere — besonders Erwachsene — bei Widersprüchen zu ertappen… .«

Dieses Alter kann anstrengend sein. In dieser Phase lieben es Kinder, zu diskutieren und Autoritäten infragezustellen. Ich erinnere mich, dass meine eigenen Kinder in diesem Alter jede Woche auf Unstimmigkeiten in meinen Antworten hingewiesen haben. In dieser Phase, etwa im Alter von 10 bis 12 Jahren, beginnen Kinder, logischer und kritischer zu denken, was sie zu einer wichtigen Phase für die Vertiefung des Verständnisses im Glauben macht.

Im Alter von etwa 10 oder 11 Jahren wechseln die Kinder in unserer Gemeinde aus der Kinderarbeit heraus und werden stärker in den Hauptgottesdienst eingebunden. In dieser Phase führen wir sie in den Katechismus (Biblischen Unterricht/BU) ein, an dem sie alle zwei Wochen teilnehmen. Der Höhepunkt dabei ist eine Freizeit, bei der die Eltern öffentlich das geistliche Wachstum ihres Kindes bestätigen und die Gemeinde es offiziell in die Jugendarbeit aufnimmt. Dieser Abschluss dient sowohl als Meilenstein im Glaubensweg als auch als Feier des sich entwickelnden Glaubens und der wachsenden Verantwortung des Kindes innerhalb der Kirchengemeinde.

Die Identitätsphase (Poeten-Phase nach Sayers)

»Die Poeten-Phase ist das ›schwierige‹ Alter. Das Kind ist ichbezogen, es sehnt sich danach, sich auszudrücken, es ist geradezu darauf spezialisiert, missverstanden zu werden, es ist unruhig und strebt nach Unabhängigkeit.« – Dorothy Sayers

Teenager fühlen sich oft missverstanden und unruhig, sind aber auch zu immenser Kreativität und Leidenschaft fähig. Musiker von den Beatles bis Olivia Rodrigo begannen ihre bahnbrechende Arbeit als Teenager.

In unserer Kirche möchten wir Teenagern helfen, tiefe theologische Wurzeln zu schlagen, Jesus ähnlicher zu werden und in ihrem Glauben zur Reife zu gelangen. Wir sind uns bewusst, dass diese Jugendjahre voller großer Fragen nach Identität, Sinn und Glauben sind. Die Jugendlichen beginnen, sich von ihren Eltern abzugrenzen und ihr eigenes Verständnis des Evangeliums zu entwickeln, und wir möchten diesen Prozess bewusst und mit Gnade unterstützen.

In dieser Phase ist es wichtig, sich intensiv darum zu bemühen, bedeutungsvolle Freundschaften und Gemeinschaft über Schul- und Sozialgruppen hinweg zu fördern. Und wenn Jugendliche mit kulturellen und persönlichen Herausforderungen konfrontiert sind, möchten wir ihnen helfen, eine eindeutig christliche Weltanschauung zu entwickeln. Einer meiner Lieblingsmomente ist unser jährliches Abschlussessen, bei dem wir feiern, was Gott in unseren Jugendlichen bewirkt hat, ihr Wachstum würdigen und eine Vision für das Leben nach der Schulzeit entwerfen.

Zu Hause habe ich gelernt, dass die Erziehung meiner Teenager damit beginnt, dass ich selbst in der Gnade Gottes lebe. Sie müssen sehen, dass ich mich genauso auf Jesus verlasse wie sie. Da ihr Terminkalender immer voller und ihr Leben immer komplexer wird, entstehen die besten Gespräche über den Glauben oft unerwartet – spät in der Nacht, nach einem anstrengenden Tag oder im Auto. Wir ermutigen die Eltern in unserer Gemeinde, für solche Momente bereit zu sein und ihnen mit Weisheit, Bibelstellen und Perspektiven zur Seite zu stehen, wenn sich ihnen eine Gelegenheit bietet. Die Erziehung von Teenagern ist eine Herausforderung, aber auch eine unglaubliche Chance, sie auf ihrem Weg zu begleiten, während sie lernen, ihr ganzes Leben Jesus anzuvertrauen.

Dies ist auch eine Phase, in der wir beginnen, immer mehr Jugendliche aus glaubensfernen Familien zu Jüngern zu machen. Vielleicht hat ein Freund aus der Schule sie in die Kirche eingeladen, oder ein Leiter der Studentenarbeit hat sie zu einer Kleingruppe mitgenommen, oder ein Großelternteil spielt eine prägende Rolle in ihrer Geschichte. Unsere Vision, dass Eltern die wichtigsten Begleiter in der Jüngerschaft ihrer Kinder sind, bricht natürlich zusammen, wenn die Eltern keine Christen sind. Deshalb versuchen wir, unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter darin zu schulen, das Evangelium lebensnah zu kommunizieren. Ebenso schaffen wir sichere, informelle Umgebungen (Bibelentdeckergruppen, Buch-Klubs, gemeinsames Essen, soziale Projekte), in denen glaubensferne Jugendliche die christliche Gemeinschaft erleben können.

Eine Kultur der Jüngerschaft bauen

Bei der Jüngerschaft der nächsten Generation geht es nicht nur um die Kinder, sondern darum, wie Gott sie nutzt, um uns zu formen. Wenn wir Kindern beibringen, zu vertrauen und zu gehorchen, sind wir herausgefordert, dasselbe zu tun, unsere Ungläubigkeit zu bereuen und uns auf Gottes Gnade zu verlassen. Dieses gegenseitige Wachstum schafft eine lebendige Kultur der Jüngerschaft, in der alle gemeinsam im Evangelium wachsen.

Wir hoffen, dass diese Vision andere Gemeinden dazu inspiriert, systematisch über Jüngerschaft nachzudenken und sicherzustellen, dass jedes Kind, von der Geburt bis zum Erwachsenenalter, zu einem tragfähigen Glauben geführt wird.
Dieser Artikel wurde von Bob Thune verfasst und zuerst von The Gospel Coalition (TGC) veröffentlicht. Deutsche Version von Ruth Delahaie. Verwendet mit Genehmigung von The Gospel Coalition.