Hier bekommen wir sozusagen einen exklusiven Einblick in die Gedankenwelt einer jungen Erwachsenen – und was uns da erwartet, mag den einen oder die andere schockieren!

Tamara ist eine Teenagerin auf der Schwelle zum Erwachsensein. Doch statt Verantwortungsbewusstsein und einem geregelten Leben herrscht in ihrem Leben Gewalt, Chaos und Lieblosigkeit. Tamaras Leben wird bestimmt von dem, was sie »das Monster in ihr« nennt. Dieses Monster kommt zu den ungünstigsten Momenten zum Vorschein und zeigt eine Seite an Tamara, die lieber verborgen bleiben sollte. Denn das Monster in ihr bringt Gewalt und Leid mit sich. Doch auch die äußeren Umstände in Tamaras Leben sind voller Verzweiflung und Hass. Ihre Mutter ist mit ihr und ihrem kleinen Bruder völlig überfordert. Tamaras Schulkameraden meiden sie, denn neben ihrer aggressiven und zerstörerischen Art sieht Tamara auch nicht so aus, wie die anderen Teenager in ihrem Alter: Sie trägt nur schwarz, hat ihre Haare knallblau gefärbt und hat meistens eine Zigarette in der einen, und ein Dosenbier in der anderen Hand. Ihr Gesicht ist aufgedunsen und von ihr geht ein übler, abgestandener Geruch aus.

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Doch all das ist Tamara egal. Die anderen können sie mal. Sie haben sie schon seit ihrer Geburt abgestempelt, und Tamara würde ihnen den Gefallen tun, sich genau so zu verhalten, wie die anderen es eh von ihr erwarten. Asozial. Aggressiv. Wie ein Monster eben.

Einmal allerdings, da geht Tamara zu weit. Sie lässt dem Monster in ihr zu viel Freiraum und hat Blut an den Händen. Sie hat auf Anfeindungen und beleidigende Worte Taten folgen lassen – mit fatalen Folgen für sie. Eigentlich müsste Tamara nach einer schweren Straftat in den Jugendknast. Doch wie durch ein Wunder lässt sich der Richter darauf ein, dass sie für ihre »Resozialisierung« einen anderen Weg einschlagen darf – einen Weg, den Tamara allerdings um einiges schlimmer findet als die Aussicht auf Zeit im Knast!

Tamara wird aufs Land geschickt, um dort in hoffentlich anderer Umgebung auch auf andere Gedanken zu kommen und ihr Leben neu auszurichten. Und nicht nur das: Sie muss ihre Zeit auf der Pferdefarm ihres Onkels und seiner ach-so-perfekten Musterfamilie verbringen. Inmitten von verhaltensgestörten Pferden, um die ihr Onkel sich kümmert, soll jetzt auch Tamaras gestörtes Verhalten zum Besseren verändert werden. Natürlich hat Tamara darauf null Bock und stellt sich komplett quer. Diese Möchtegern-Heiligen (so denkt Tamara über den christlichen Glauben der Familie ihres Onkels) können ihr gestohlen bleiben. Die verstehen sie eh nicht, und Tamara wird keinen Finger krümmen, um zwischen Pferdemist und Fliegen auch noch die körperliche Arbeit zu verrichten, zu der sie auf dem Pferdehof verdonnert wurde. Doch da hat sie nicht mit ihrem Onkel, ihrer Cousine und ihrer Tante gerechnet. Auf eine einfühlsame und doch bestimmte Art zeigen sie Tamara einen alternativen Lebensweg auf. Tamara will sich von all dem nicht beeinflussen lassen, doch auch ihr kommen nach einiger Zeit Zweifel.

Ist ihre Art zu leben, die richtige? Sind Egoismus und Aggressivität wirklich die Prinzipien, nach denen sie leben will?

Gerade bei den Pflegepferden ihrer Familie fühlt sich Tamara verstanden und aufgehoben. Sie beginnt zu begreifen, was bedingungslose Liebe bedeutet. Und so verändert Tamara sich, Stück für Stück …

Sie beginnt zu begreifen, was bedingungslose Liebe bedeutet. Und so verändert Tamara sich, Stück für Stück … (Symbolbild) Foto Ilzar Syubaev, Unsplash.

Das Buch »Tamara« von Mirjam-Sophie Freigang ist ein Buch, das mich selbst beim Lesen sehr ergriffen hat. Es ist nicht einfach ein Jugendbuch zum Thema »schwieriger Teenager wird durch Gottes Liebe verändert.« Es ist wirklich viel mehr als das. Zum einen ist der Schreibstil des Buches einzigartig. Alles, was wir lesen, entstammt ausschließlich aus Tamaras Gedanken! Wir wissen und sehen nur das, was Tamara sieht und weiß. Und vor allem verstehen wir die Welt nur durch ihren »Filter«. Das gibt uns als Leser die einzigartige Möglichkeit, Tamara und ihr Handeln wirklich nachvollziehen zu können. Von außen gesehen verhält sie sich oft falsch, lieblos und irrational. Doch durch den Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt sehen wir auch eine andere Seite an ihr. Eine Seite, die zweifelt, die Angst hat, die unsicher ist und die immer noch zu oft vom Monster in ihr beherrscht wird. So können wir uns in Tamaras Gedankenwelt hineinversetzen und sie besser nachvollziehen, ja sogar Liebe und Fürsorge für sie empfinden.

Auch bei der Arbeit oder dem Kontakt mit Jugendlichen aus schwierigen Umständen ist man schnell, andere zu verurteilen und sich abzuwenden. Weil es einfacher ist. Weil alle es tun. Weil alles andere Liebe und Selbstlosigkeit erfordert, und das ist manchmal gar nicht so einfach.

Das Buch Tamara gibt uns auf eine unfassbar authentische und ehrliche Weise Einblicke in die Gedankenwelt von einer Teenagerin, die »vom System« bereits verurteilt und fallen gelassen wurde. Und zeigt uns auch die Menschlichkeit und Verletzlichkeit von scheinbar perfekten Personen, wie in diesem Fall Tamaras Onkel und seine Familie. Wir sehen Gnade am Werk. Wir verstehen, wieso Menschen so handeln, wie sie es tun. Und sehen auch unsere eigenen Fehler, wenn wir andere vorschnell verurteilen oder abstempeln.

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Ich kann dir das Buch sehr empfehlen, wenn du mit Teenagern arbeitest, die vielleicht aus ähnlichen Lebensumständen wie Tamara kommen. Aber auch, wenn du Teenagern klarmachen möchtest, dass andere verurteilen der einfachste, aber liebloseste Weg ist, Menschen zu begegnen, und wie man es anders machen kann. Und dass hinter Menschen immer viel mehr steckt, als der erste Anblick vermuten lässt. Das Buch Tamara zeigt einem die eigenen Vorurteile auf und bringt uns dazu, weiterzudenken. Durch die altersgemäße und manchmal auch sehr derbe Sprache gewinnt das Buch an Authentizität und Relevanz für die heutige Zeit.

Das Buch Tamara von Mirjam-Sophie Freigang gibt einen einzigartigen Einblick in die Gedankenwelt einer Teenagerin und wie Gottes Liebe und Geduld auch das größte Monster zum Schweigen bringen können.
Abschließend noch ein paar Triggerwarnings in Bezug auf das Buch:
Süchte (Alkohol, Zigaretten, Drogen), Blut, Gewalt, Mobbing, Beleidigung, Suizidgedanken, Sexuelle Belästigung, Diebstahl, Betrug, Verrat, Verlust, Diskriminierung
Tamara: Zwischen Knast und Pferdestall : Freigang, Mirjam-Sophie: Amazon.de: Books
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