Livestream zum Abend: Manchmal verletzen dich andere Menschen und manchmal wirst du andere Menschen verletzen. Jesus heilt dein Herz.

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Was ist truestory? truestory ist eine Jugendevangelisation von proChrist: An mehreren Abenden, den truestory Nights, erzählen Evangelistinnen und Evangelisten von Jesus und laden Jugendliche ein, ihn kennenzulernen. Was ist dieser Beitrag? Einer der fertigen Abendentwürfe aus dem truestory-Evangelistenheft, das die Evangelisten zur Vorbereitung nutzen. Du findest darin alles für einen kompletten Abend zu einem Thema und Bibeltext: die Lebenswelt der Jugendlichen, den Hintergrund zum Text, mögliche Fragen, einen ausgearbeiteten Predigtaufbau für die beiden Formate »Dialog« und »Bühne« sowie konkrete Reaktionsideen. So kannst du ihn nutzen: als sofort einsetzbare Vorlage für einen eigenen evangelistischen Abend oder Jugendabend, die du frei an deine Gruppe anpasst. Das Video oben ist der Livestream-Mitschnitt dieses Abends.

truestory Abend 04 · Johannes 8,1-11

Hörerperspektive zum Thema

Noch nie war es so einfach, andere zu verletzen – und selbst verletzt zu werden. Ein kurzer Kommentar auf Social Media, ein Bild im falschen Chat, ein gemeiner Spruch im Klassenchat – und schon sitzt der Stich tief. Was früher im Gespräch ausdiskutiert wurde, ist heute öffentlich, dauerhaft sichtbar und für viele mitlesbar. Hatespeech, Ausgrenzung, Bloßstellung und Mobbing, gehören für viele Jugendliche zum Alltag. Jugendliche spüren den Druck, stark zu wirken. Freude ist okay. Aber Wut? Traurigkeit? Angst? Scham? Für viele scheinen solche Gefühle keinen Platz zu haben – weder im Netz noch im echten Leben. Also wird geschwiegen, verdrängt, überspielt.

Doch die Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit und Authentizität ist groß. Viele wollen ehrlich zeigen, was sie denken und fühlen. Doch wenn es um die eigenen Verletzungen geht, wird es kompliziert. Darf ich sagen, dass ich verletzt bin? Oder macht mich das schwach, uncool – oder sogar lächerlich? Dabei verletzt jeder mal – nicht nur andere, sondern auch sich selbst. Manche tun es absichtlich, andere merken es gar nicht. Am Ende bleiben Wunden beim Verletzten zurück und Schuldgefühle beim Verletzenden. Dazu kommt oft Scham – über das, was passiert ist, oder darüber, wie man selbst damit umgeht.

In der Öffentlichkeit des Alltags begegnen uns selten offen zur Sprache gebrachte Verletzungen, sondern vielmehr die Bewältigungsstrategien. Es gibt ein breites Spektrum von Verdrängung, Isolation, Essstörung, Selbstverletzung, Coolness. Alles Versuche, mit dem Schmerz klarzukommen. Deshalb braucht es Schutzräume. Orte, wo man ehrlich sein darf. Wo echte Gefühle gezeigt werden können – ohne Filter, ohne Bewertung. Orte, an denen Heilung beginnen kann. Und es braucht Menschen, die zuhören. Die nicht alles besser wissen wollen. Sondern einfach da sind. Verlässlich. Ehrlich. Echt. Denn: Niemand muss allein mit seinen Verletzungen bleiben.

Marie: Als ich während Corona eine depressive Episode hatte, habe ich mich schwach gefühlt. Ich habe mich gefragt: Wer versteht mich wirklich? Wer kann mir helfen? Jetzt geht’s zum Glück wieder ganz gut. Ich denke lieber nicht zu viel daran.
Finn: Ich hasse die anderen dafür, dass sie mich mobben. Wenn ich es ihnen nur endlich heimzahlen könnte! Zum Glück kann ich zu Hause zocken. Das bringt mich wieder runter.

Evangelium zum Thema

Alles wird gut! – Was sich aus dem Mund von Menschen wie ein schwacher Trost anhört, ist bei Gott Möglichkeit und Wirklichkeit! Denn seine Auferstehungskraft macht neu und heilt was zerbrochen ist.

Das gilt für Verletzungen, auch die, die tiefe unsichtbare Spuren hinterlassen haben. Er stellt sich auf deine Seite, um Gerechtigkeit zu fordern. Gott sieht den Schmerz und das Leid. Er schenkt Trost durch seine Nähe, hat keine Berührungsangst und schenkt Hoffnung, weil er über den Moment hinaussieht, auf das, was sein wird.

Es gilt für Schuld: Schuld isoliert. Sie macht uns einsam. – Doch Gott lässt uns nicht allein. Er tritt an unsere Seite, hilft uns ehrlich zu sein, Verantwortung zu übernehmen und umzukehren. Gott bringt in Ordnung, was wir kaputt gemacht haben. Gott durchbricht die Einsamkeit der Schuld und führt uns zurück in Verbindung mit ihm, anderen Menschen und unserer Umwelt. Weil Gott uns vergibt, können wir wieder frei und versöhnt leben.

Es gilt für Scham: Scham lässt uns uns klein und wertlos fühlen. Scham fühlt sich an wie für alle sichtbar am Pranger zu stehen. Allein. Verachtet. Doch Jesus stellt sich zu uns, lenkt die Blicke ab. Seine Nähe und Gegenwart, seine Liebe holen uns zurück ins Hier und Jetzt. Die Anklage muss schweigen, weil seine Liebe die Lüge der Wertlosigkeit zerbricht.

Es gilt für Angst: »Fürchte dich nicht – denn ich bin bei dir!« - Angst vor der Zukunft, dem Scheitern, vor der Welt, vor sich selbst. In Jesus wird Angst nicht geleugnet, sondern überwunden – Durch seine Gegenwart, seinen Frieden und seine Auferstehungs-Hoffnungs-Kraft.

Hintergrund zum Text

Ehebruch

Für heutige Ohren klingt es völlig überzogen, jemanden wegen Ehebruchs zu steinigen. Doch die Gesetzestexte (3. Mose 20,10; 5. Mose 22,22-24) machen deutlich, wie ernst der Schutz der Ehe genommen wurde. Zur Zeit Jesu wurde die Todesstrafe aber kaum noch vollzogen – die römische Besatzung verbot es den Juden, eigenständig Todesurteile zu verhängen. Der Text in Johannes 8 ist daher keine Gerichtsverhandlung, sondern eine theologische Falle, auf Kosten der Frau: Die Schriftgelehrten wollen testen, wie Jesus mit der Spannung zwischen mosaischem Gesetz und gelebter Praxis umgeht. Auch wenn die Frau nicht wirklich in Lebensgefahr war, zeigt Jesu Reaktion sein Herz voller Gerechtigkeit und Gnade.

Männer und Frauen – gleiches Recht für alle?

Die Schriftgelehrten handeln selektiv: Wo ist der Mann? Wenn sie die Frau beim Ehebruch erwischen konnten, war er sicherlich nicht weit. Doch nur die Frau wird bloßgestellt. In einer patriarchalen Gesellschaft war diese Benachteiligung der Frau leider üblich. Jesus hingegen setzt sich, wie z. B. in Lukas 7,36-50, bei der Salbung durch die Sünderin, konsequent für Frauen ein. Auch hier handelt er fair, klar und barmherzig.

Jesu Reaktion auf die Fangfrage

Wenn Jesus die Steinigung ablehnt, gilt er als Gesetzesbrecher und das obwohl er doch behauptet Gottes Sohn zu sein. Wenn er sie bejaht, widerspricht er seiner eigenen Botschaft (vgl. Lukas 4,18). Statt auf ihre Frage einzugehen und sofort zu antworten, schreibt Jesus in den Sand. Als er endlich antwortet, geht es gar nicht um die Schuld der Frau. Er eröffnet einen Moment der Wahrheit. Er bringt die Ankläger dazu, sich selbst ehrlich anzuschauen und sich mit eigener Schuld auseinandersetzen. Jesus entlarvt die Haltung, ohne zu beschämen.

Konkrete Bedeutung

Gottes Gnade und Gerechtigkeit machen Veränderung möglich. Wenn Gott vergibt, heilt und sich zu uns stellt, dann macht er keine halben Sachen. Seine radikale Annahme schenkt Sicherheit – und das verändert unsere Haltung zum Leben, unsere Beziehungen zu anderen, zu Gott und zu uns selbst. Vergebung bedeutet: Schuld schwebt nicht mehr wie ein Schatten über uns. Gottes Freispruch löst ihre Macht. Das ist wie Sonnenstrahlen auf der Haut – wir richten uns innerlich auf, und das strahlt nach außen. Weil Gottes Liebe so groß ist und er uns nicht aufgibt, wird es leichter ehrlich zu sein und Fehler einzugestehen, weil sie nicht länger unser Leben definieren. Es bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Gottes Gegenwart und Liebe bewirken, dass unser Herz mitwächst und wir barmherziger auf andere reagieren können. Das kann bedeuten anderen vergeben zu können, aber auch gegen Unrecht aufzustehen.

Jesus durchbricht den Kreislauf, dass wir als Verletzte andere verletzen. Wir leben nicht mehr aus einer Vergangenheit, die die Zukunft festschreibt, sondern wir leben aus beflügelnder Hoffnung und Vertrauen. Wir sind, wer wir in Gottes Augen sind: geliebt, angenommen, frei – ein neuer Mensch. Das befreit. Es nimmt den Druck, sich selbst retten oder ständig optimieren zu müssen. Wir können anders handeln. Neu vertrauen. Hoffnungsvoll leben. Und durch den neuen Menschen kann Heilung weiterfließen – in Freundschaften, Beziehungen, Gemeinschaft.

Marie: Dass Gott mich liebt, kann ich nicht so richtig glauben. Und dass er Menschen vergibt, die andere verletzen, finde ich unfair. Aber ich bin froh, dass ich ihm sagen kann, wo ich Mist gebaut hab.
Finn: Dass Gott sieht, wie ich gemobbt werde, finde ich irgendwie gruselig. Wieso hilft er mir dann nicht? Aber immerhin interessiert es jemanden. Ob das wirklich stimmt?

Zielgedanke

Am Kreuz heilt Jesus unsere Verletzungen und nimmt unsere Schuld. Er schenkt uns einen Neuanfang!

Dialog + Bühne Entwürfe

Dialog

Einleitung in den Text

(Erzähl ein Erlebnis, bei dem du am liebsten im Boden versunken wärst.)

Kennst du auch solche Situationen? Wo dir irgendwas passiert ist, und du hoffst, dass das gerade keiner gefilmt hat und ins Netz stellt, damit es nicht in der Öffentlichkeit landet? Wir werden heute eine Frau kennenlernen, der ist es passiert. Sie hat einen Fehler gemacht und der wurde in der Öffentlichkeit breitgetreten. Dabei ging es eigentlich gar nicht um sie. Sondern darum, dass Menschen Jesus eine Falle stellen wollten, weil sie wissen wollte, wie er darauf reagiert. Sie war Mittel zum Zweck. Wird Jesus sie auch verurteilen, so wie alle anderen es tun?

Mögliche Fragen

  • Was hat Jesus in den Sand gemalt?
  • Wo war der Mann?
  • Ist Steinigung nicht eine ungerechte Strafe für Ehebruch? Was ist denn so schlimm daran?
  • Wieso gibt es solche komischen Gesetze bei Christen?
  • Warum ist das eine Falle?
  • Was hat die Frau hinterher gemacht?
  • Haben die Pharisäer gecheckt, was Jesus ihnen sagen wollte?
  • Was für ein Problem hatten denn die Pharisäer mit Jesus?
  • Ist es möglich, gar nicht mehr zu sündigen?
  • Wusste Jesus, dass keiner einen Stein wirft? Spielt er mit dem Leben der Frau?

Ideen für den Schlussimpuls

Die Frau steht bloßgestellt da. Alle Augen auf ihr. Ja, sie hat etwas falsch gemacht. Aber ist das der richtige Umgang damit? Sie fühlt sich ohnehin schon schuldig – die öffentliche Demütigung bricht sie innerlich. Und dabei geht es den Anklägern gar nicht wirklich um sie. Sie ist Mittel zum Zweck. Jesus soll Farbe bekennen: Steht er für Gnade oder Gerechtigkeit? – Besteht Jesus den Praxistest für das, was die Schriftgelehrten hier so theoretisch erörtern wollen?

Ich kenn das gut aus meinem Leben, die Stiche ins Herz, wenn Worte oder Taten von anderen mich treffen. Ich kenne das Gefühl von Scham gut, dass mir sagt, ich wär’s nicht wert. Ich wünsche mir dann jemanden, der sich zu mir stellt. Der mich ernst nimmt, sich für mich stark macht und die, die mich verletzt haben zur Rechenschaft zieht. Gerechtigkeit wiederherstellt. Und ich kenne gut, dass ich Menschen nicht gerecht behandle. Dass ich andere verletze. Dass ich Worte sage, die ich nicht zurücknehmen kann. Dass ich Menschen enttäusche. Ich wünsche mir dann jemanden, der mir hilft die Last wieder loszuwerden. Jemand, der mir hilft die Verantwortung zu übernehmen und mich zu entschuldigen. Jemand, der mir sagt, wie die Welt wieder in Ordnung kommt.

Die Wahrheit ist, wir sind beides – Verletzte und Verletzende. Wir tragen Wunden mit uns herum. Und wir fügen anderen Wunden zu. Manchmal aus Absicht. Manchmal ohne, dass wir es selbst merken.

Vielleicht kennst du das auch, dass in Freundschaften plötzlich Distanz entsteht. Dass Eltern sich trennen, weil die Beziehung nicht repariert werden kann oder du dich zurückziehst, weil Menschen einfach grundlos gemein waren. So ist es auch in der Geschichte: Alle gegen eine. Und doch sind alle Teil des Problems. Und dann sagt Jesus: »Wer von euch ohne Schuld ist, soll den ersten Stein werfen.« Mit diesem Satz deckt er auf, was sie vorher nicht sehen konnten: »Ich könnte da genauso stehen.« »Ich bin nicht besser. Bin nicht ohne Schuld.« Sie könnten die Steine genauso gut nach ihrem eigenen Herz werfen. Sie verschwinden. Nur noch Jesus und die Frau bleiben zurück.

»Hat dich keiner verurteilt?« – »Nein.« – »Dann verurteile ich dich auch nicht.« Jesus hätte das Recht zu verurteilen. Doch er entscheidet sich für Gnade. Nicht, weil ihr Treuebruch nicht schlimm war. Sondern weil er einen anderen Weg kennt: Vergebung. Das Kreuz, an dem Jesus eine Zeit später stirbt, ist dieser Ort, wo das passiert. Dort stirbt Jesus für die Schuld der Welt – auch für unsere. Für das, was wir getan haben. Und er stirbt dort am Schmerz, der uns angetan wurde. Ja, die Wunden, die uns zugefügt werden, sind real. Sie sind nicht harmlos. Manche verletzen uns lebensgefährlich. Am Kreuz schaut Jesus nicht weg, sondern hin. Wahrheit deckt auf! Und Jesu Liebe, mit der er sich um uns kümmert, heilt. Das gilt auch für die Verletzungen, die wir zugefügt haben. Jesus sagt: Ich nehme das auf mich. Damit du frei wirst.

Am Kreuz dürfen wir ehrlich sein. Über unseren Schmerz. Und über unsere Schuld. Dort verschwinden die Stimmen der Anklage. Und Jesus bleibt. Er sagt: »Ich verurteile dich nicht. Ich heile dich. Ich gebe dir einen neuen Anfang.« Denn du bist nicht, was du getan hast. Und auch nicht, was dir angetan wurde. Du bist geliebt. Von ihm. Und das zählt.

Bühne

Ideen zur Veranschaulichung

  • Geschichte lebendig nacherzählen. Vergleich für eine Schuld, die heute die gleiche Brisanz hat, wie damals der Ehebruch.
  • Für die Steinigungsszene Stein in die Hand nehmen. Macht die Bedrohlichkeit deutlich.
  • Vergleich für Beziehungsnetz: Modell mit Figuren oder echten Menschen: Was passiert mit unserem Netz, wenn wir verletzt sind oder verletzen? Beziehungsabbrüche oder Unterbrechungen, Verbindungen sind nicht mehr ganz so stabil. Jesus kann diese Verbindungen erneuern.
  • Mimose: Bei Berührung rollen sich die Blätter ein. Bei Verletzung oder Schuld zeigen Menschen ähnliches Verhalten: Rückzug. DIe Pflanze braucht Zeit, bis sie sich wieder öffnet.
  • Filmausschnitt aus The Chosen, vgl. https://youtu.be/yrrhYaBf7t8 (aufgerufen am 15.01.2025)

Möglicher Predigtaufbau

1. Anknüpfen im Leben

(Beispiele aus dem eigenen Leben. Je alltäglicher, desto besser, aber auch keine Lappalie.)

Entweder:
Kennst du Situationen, in denen du gehofft hast, dass das, was du gemacht hast, nicht rauskommt, sondern unentdeckt bleibt? Was ist passiert, als es doch entdeckt wurde? Wie haben die Menschen reagiert?

Oder:
Hast du schon mal erlebt, dass du durch das Verhalten von anderen verletzt wurdest? Wie hat sich das angefühlt? Was hast du unternommen? Was hättest du dir in der Situation gewünscht?

2. Geschichte erzählen

Geschichte nacherzählen z. B. aus Sicht der Frau. Gefühle, Gedanken, Ängste aufnehmen. Alternativ: Filmausschnitt aus The Chosen, s. o.

Erklärungen sollten einfließen, wie z. B.:

  • Wieso gab es die strengen Gesetze z. B. zum Ehebruch?
  • Worin bestand die Falle?
  • Was sind Pharisäer?

3. Auslegung und Übertagung

Die Frau steht im Staub. Bloßgestellt. Öffentlich beschämt. Um sie herum: Ankläger. Sie hatten vermutlich keine Steine in den Händen, aber ihr Herz war ähnlich hart, so wie sie sie in die Öffentlichkeit gezerrt hatten – erbarmungslos. Es geht ihnen nicht um Gerechtigkeit. Es geht darum Jesus eine Falle zu stellen. (Erkläre hier, worin die Falle bestand.) Die Frau ist nur Mittel zum Zweck.

Doch Jesus ignoriert die Falle. Er sagt einen Satz: »Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.« Und plötzlich geht es nicht mehr um die Frau. Plötzlich geht es um das, was bei den Menschen selbst im Herzen ist: Die Wunden von Verletzungen. Und die eigene Schuld, wo sie Menschen verletzt haben. Was für ein Urteil würden sie sich wünschen? – Eins, das gerecht ist? – Ja. Eins, das heilsam ist? – Ja. Eins, das ihnen eine zweite Chance gibt? – Ja. Wir kennen beides: Dass wir verletzt werden – und dass wir selbst andere verletzen. Jesus bleibt. Und mit ihm die Frau. Die Schuld ist real. Und trotzdem: keine Anklage. Kein Urteil. Nur diese Frage: »Hat dich niemand verurteilt?« – »Niemand, Herr.« – »Ich verurteile dich auch nicht. Geh – und sündige von jetzt an nicht mehr.« Was hier geschieht, ist nicht das Ausblenden von Schuld. Es ist eine Begegnung mit einer Gnade und Liebe, die tiefer geht als alles, was wir kennen: Eine Gnade, die nicht beschönigt, aber die die Folgen der Schuld selbst trägt.

Und was Jesus hier tut, erkennt an: Wir sind nicht nur Opfer oder Täter. Wir sind beides. Verletzte, die verletzen. Schuldige, die selbst verletzt wurden.

Was macht Jesus? Er schafft einen Raum, in dem Gnade und Gerechtigkeit sich nicht ausschließen, sondern zusammenkommen. Er blendet nichts aus, aber er bricht den Kreislauf aus Verletzung und Verurteilung. Nicht die ganze Welt spricht länger ein Urteil. Sondern Jesus selbst. Er lädt uns ein zu einem Gespräch unter vier Augen. Nicht, um uns bloßzustellen, sondern um unser Herz zu heilen. Jesus sieht das, was wir nicht zeigen wollen: Scham, Schuld, Angst.

Und er spricht uns zu: »Ich verurteile dich nicht.« »Bei mir bist du sicher.« »Ich stehe zu dir.« Aber Jesus redet nicht nur. Er handelt auch. Er stellt sich an unseren Platz. Er stellt sich zu uns und trägt mit. Schützt und heilt. Am Kreuz rechnet Jesus ab, mit aller Ungerechtigkeit, mit Fehlern, mit Verletzungen. Aber nicht mit Rache, sondern mit Liebe.

Jesus ist nicht gekommen, um mit dem Finger auf dich zu zeigen. Er ist gekommen, um dich aufzurichten. Um deine Last zu tragen. Um dir einen Neuanfang zu schenken.

Was Jesus der Frau zuspricht, gilt auch dir: Du bist nicht, was du getan hast. Du bist nicht, was dir angetan wurde. Du bist, geliebt und frei. Vielleicht spürst du: Ich will das auch. Ich will, dass jemand meine Geschichte kennt – und mich trotzdem liebt. Jesus tut genau das.

Jesus lädt auch dich zu dieser Begegnung unter vier Augen ein. Du brauchst dich nicht verstecken – nicht vor deiner Schuld und auch nicht vor deinem Schmerz. Du kannst einfach deine Augen schließen und Jesus von dem erzählen, was dir auf dem Herzen liegt. Jesus hört dich. Und seine Antwort ist dieselbe wie damals: »Ich verurteile dich nicht. Geh – und lebe neu.«

Manchmal hilft es auch, das, was man mit Worten sagt, mit einer Handlung zu verknüpfen. Hier kannst du eine Tonscherbe zum Kreuz bringen. Als Zeichen dafür, dass du eine Verletzung/Schuld zu Jesus bringst und ihn darum bittest, dass er dir vergibt/dich heilt. Du kannst etwas ganz Spezifisches darauf schreiben oder ganz allgemein: Schuld/Verletzung. Und ich lade dich ein, einfach einen Moment innezuhalten und still zu sein und mutig zu fragen: »Jesus, was sagst du dazu?« Wir glauben, dass Jesus lebt und auch heute noch zu uns spricht. Vielleicht möchte er dir, wenn du ihm Schuld/Verletzungen bringst, ja auch etwas sagen.

Reaktionsmöglichkeiten

  • Tonscherben, die man als Bild für die Bruchstücke unseres Lebens zum Kreuz bringen kann. Möglichkeit, sie zu beschriften, wenn man das möchte.
  • Ein alt aussehendes Holzkreuz ist aufgestellt. Die Jugendlichen sind eingeladen, während einiger Lieder, still ans Kreuz zu gehen. Sie können das Kreuz berühren, sich z. B. daran festhalten. Sie können kurz davor knien. Sie können es einfach nur anschauen.
  • Herumliegende Steine im Zimmer, die man zum Kreuz bringen kann: Wo verurteile ich andere oder mich selbst? Welchen Stein möchte ich ablegen und es Jesus überlassen, sich um die Situation zu kümmern?