Fast 50 Jahre lang gab es in den USA eine bundesweite Regelung für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Nun hat der Supreme Court es gekippt – und es gelten wieder die Gesetze der einzelnen Bundesstaaten.

USA: Abtreibungs-Urteil — Promis als Protest-Sänger

Worum es geht: Auf dem Glastonbury Festival am Wochenende äußerten sich mehrere Musiker bestürzt über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, Roe v. Wade aufzuheben.

Warum es eine Echokammer ist: Olivia Rodrigo, Kendrick Lamar, Billie Eilish und Lorde gehörten zu den Künstlern, die den Obersten Gerichtshof der USA von der britischen Bühne aus kritisierten. Lamar baute religiöse Symbole in seine Performance ein, indem er sich eine Dornenkrone aufsetzte und sagte: »Sie richten dich, sie haben Christus gerichtet, viel Glück für die Rechte der Frauen«. Rodrigo trat zusammen mit Lily Allen auf, um Allens Hymne »F*** You« aus dem Jahr 2009 zu singen, die er den fünf konservativ eingestellten Richtern widmete und erklärte: »So viele Mädchen und Frauen werden deswegen sterben«. Solche Auftritte von lautstarken jungen Prominenten könnten Jugendliche davon überzeugen, dass jeder, der sich für eine Pro-Life-Politik (also für den Lebensschutz) einsetzt, mit einem Rechtssystem im Bunde ist, das die Wahlmöglichkeiten von Frauen einschränken und kontrollieren will.

Olivia Rodrigos Gen-Z-Evangelium
Was wäre, wenn die Kirche, wie Rodrigo, Wege finden würde, die emotionalen Erfahrungen von Jugendlichen zu verbalisieren und zu validieren?
Billie Eilish: Pornos haben ihr Gehirn zerstört
In einem Radiointerview mit Howard Stern verriet der Popstar Billie Eilish, dass ihr Pornokonsum in jungen Jahren ihre Sicht auf die Sexualität geschädigt, ihr Albträume beschert und sie traumatisiert hat.

Ein gefährliches Gemisch: TikTok Hausmittel für Abtreibungen

Auf TikTok entflammen »For You-Seiten« mit Empfehlungen, Plan B, Verhütungsmittel und pflanzliche Mittel für Hausabtreibungen zu horten (Symbolbild). Foto: Ivan Samkov.

Worum es geht: Auf TikTok entflammen »For You-Seiten« mit Empfehlungen, Plan B, Verhütungsmittel und pflanzliche Mittel für Hausabtreibungen zu horten. Google Trends belegt, dass die Suchanfragen nach pflanzlichen Abtreibungsmitteln in signifikant ansteigen.

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Warum es gefährlich ist: Schwangerschaftsabbrüche in Kliniken sind nicht die einzige Möglichkeit für Frauen, eine Schwangerschaft zu beenden, und die Menschen haben im Laufe der Menschheitsgeschichte verschiedene Methoden angewandt, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Aber ohne die Anleitung und Überwachung durch eine medizinische Fachkraft kann die Einnahme von rezeptfreien Medikamenten über die empfohlene Dosierung hinaus die inneren Organe schädigen. Und Hobby-Apotheker auf TikTok sind nicht qualifiziert, Ratschläge zu Abtreibungsmitteln wie Beifuß, Pfennigkraut, Kamille oder anderen Mischungen zu erteilen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass böswillige Accounts giftige Kräuter posten, die bei Verschlucken ernsthaften Schaden anrichten können. Jugendliche, die über den Zugang zu Abtreibungen besorgt sind, konsumieren diese Art von Informationen möglicherweise ohne einen sicheren Ort, um sie zu verarbeiten und darüber zu sprechen.

Religiös gespalten — Der Fall ist noch lange nicht abgeschlossen

Pew Research: 61 Prozent der Befragten sagen, dass Abtreibung in allen oder den meisten Fällen legal sein sollte. Foto: Derek French.

Worum es geht: Nach Angaben des Pew Data Research Center ist die öffentliche Meinung zur Abtreibung in den letzten Jahren relativ stabil geblieben. 61 Prozent der Befragten sagen, dass Abtreibung in allen oder den meisten Fällen legal sein sollte, während 37 Prozent sagen, dass sie in allen oder den meisten Fällen illegal sein sollte.

Warum es wichtig ist, das zu beachten: Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, Roe zu kippen, und die daraufhin erlassenen Gesetze, die den Zugang zu Abtreibungen in mehreren Bundesstaaten sofort einschränkten, haben eine Flut von Wut und Protest ausgelöst. Memes und reißerische Schlagzeilen vereinfachen ein Thema, zu dem die Menschen komplizierte und sehr persönliche Gefühle haben. Laut Pew ist das Thema religiös stark gespalten: 74 Prozent der weißen Evangelikalen sind überzeugt, dass Abtreibung illegal sein sollte, während 84 Prozent der nicht religiös gebundenen Menschen das Gegenteil glauben. Online mag es sich so anfühlen, als ob absolut jeder die Pro-Life-Position ablehnt, während es sich im »echten Leben« so anfühlt, als ob jeder in unseren Kirchen und Schulen mit der Entscheidung des Gerichts einverstanden ist. Wie sehr uns der Schutz des Lebens auch am Herzen liegt, wir müssen den Menschen Raum geben, ihre Gefühle und Reaktionen auf diese rechtliche Entwicklung zum Ausdruck zu bringen, sonst riskieren wir eine völlige Entfremdung von Menschen, die verletzt sind und Jesus brauchen.

Vertiefung: Abtreibungsurteil versetzt USA in den Ausnahmezustand

Im Frage- und Antwortteil einer seiner Vorlesungen wurde Jordan Peterson nach seinen Gedanken zur Abtreibung gefragt.

An einer Stelle sagte er: »Die Diskussion über die Legalität der Abtreibung ist eingebettet in eine größere Diskussion über die Moral der Abtreibung, und diese ist eingebettet in eine größere Diskussion über den richtigen Platz der Sexualität im menschlichen Verhalten. Und das ist für mich die Ebene, auf der das Problem angegangen werden muss.« Auch wenn er keine konkreten Vorschläge macht, wie das zu erreichen ist, ist das ein hilfreicher Ansatz, um das Gespräch zu führen. In den Augen vieler Menschen ist Sex immer dann angemessen, wenn die beteiligten Parteien dem zustimmen. In dieser Sichtweise ist sexuelle Aktivität außerhalb der Ehe eine Selbstverständlichkeit. Abtreibung wird dann als notwendige Anpassung an diese neue, unbestreitbare Sexualethik betrachtet. In der gleichen Fragerunde sagt Peterson: »Angenommen, du bist in einer Situation, in der du zu einer Abtreibung neigst. Die Frage ist: Wie bist du dorthin gekommen?« Die tatsächliche Antwort für 99 % der schwangeren Frauen ist der freiwillige Geschlechtsverkehr – aber wenn unsere Kultur den »sexuellen Ausdruck« als unausweichlich ansieht, kann es schwer sein, sich andere sichere Wege als die Abtreibung vorzustellen.

Für manche ist es zu spät, proaktiv zu denken. Eines der Hauptargumente der Abtreibungsbefürworter ist, dass zu frühes Kinderkriegen die Eltern in dauerhafte Armut stürzt. Aber wenn die Kirche in Bestform ist, hat sie sich für diejenigen eingesetzt, die nicht für sich selbst sorgen konnten.

Die heilige Elisabeth besucht ein Krankenhaus. Foto: Wellcome Library, London. Die Heilige Elisabeth bietet einem männlichen Patienten im Krankenhaus in Marburg, Deutschland, eine Schüssel mit Essen und einen Krug mit Getränk an. Öl 1598 Von: Adam Elsheimer Veröffentlicht: - Urheberrechtlich geschütztes Werk verfügbar unter der Creative Commons Attribution only-Lizenz CC BY 4.0. V0017201

In Apostelgeschichte 2,44-45 heißt es über die Urgemeinde: »Die Gläubigen lebten wie in einer großen Familie. […] Wenn es an irgendetwas fehlte, war jeder gerne bereit, ein Grundstück oder anderen Besitz zu verkaufen und mit dem Geld den Notleidenden in der Gemeinde zu helfen.« Andere antike Quellen berichten, dass die frühe Kirche dafür bekannt war, ungewollte Kinder zu retten und zu schützen, die manchmal zum Sterben draußen gelassen wurden. Auch wenn manche die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs und das Nachdenken darüber, wie wir uns ganzheitlich für das Leben einsetzen können, als Widerspruch betrachten, hat die frühe Kirche beides vorgelebt: die Fürsorge für Babys und ihre Mütter. Möge Gott uns die Gnade geben, das Gleiche zu tun.

5 Dinge, die christliche Gen Z-er frustrieren
Was sollten ältere Christen über die Gen Z wissen, um sie am besten in Jüngerschaft anzuleiten und sie mit dem Evangelium zu erreichen? Was stört christliche Gen-Zer an der heutigen evangelikalen Kultur? Das sind wichtige Fragen, dem sich ein Gen Z-er in diesem Artikel persönlich widmet.

Beziehungsfragen zum Thema Abtreibung

Fragen an Jugendliche und Reflexionsfragen, zum Thema »Roe v. Wade«, die Streichung des Paragrafen 219a, Lebensschutz und Abtreibungen, um dich selbst (und deine Teens) besser kennenzulernen. Hier sind einige Fragen, die ein Gespräch mit deinen Jugendlichen anregen können:

  • In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 100.000 Kinder durch Abtreibung. Johannes Hartl fragt in seinem Instagram Beitrag »Ist das eigentlich schon ein Mensch? Und wo beginnt das menschliche Leben
  • Das Strafgesetzbuch listet Abtreibung unter die »Delikte gegen das Leben«. Vor einer Woche strich der Deutsche Bundestag den § 219a, das Werbeverbot für Abtreibung. Wie geht es dir damit?
  • Was denkst du darüber, dass Roe v. Wade aufgehoben wurde?
  • Welcher Perspektive schenkst du bei diesem Thema Beachtung?
  • Was denkst du, wie es aussehen würde, wenn die Kirche wirklich und vollständig »pro-life« wäre?

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