Umfragen zum ersten Lockdown geben Einblick in das Wohlbefinden von Jugendlichen und wie diese die Pandemie wahrnehmen. Dieser kurze Artikel befasst sich mit einigen wichtigen Ergebnissen dieser Untersuchungen, wobei man vorsichtig bei deren Interpretation sein sollte, wenn man bedenkt, wie schnell sich die Bedingungen verändert haben und immer noch ändern. Hier ist eine Zusammenfassung der Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen.

Psychische Gesundheit mit Jugendlichen ansprechen
Der Leiter der obersten US-Gesundheitsbehörde hat diesen Monat einen Bericht veröffentlicht, in dem er vor einer massiven Krise der psychischen Gesundheit junger Menschen warnt, einschließlich einer Zunahme von Suizidgedanken, Depressionen und Angstzuständen.
STEPS leaders Magazin Mental Health
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Eine repräsentative Umfrage von 4000 8-24 Jährigen von Barnardo’s fand heraus, dass es bei mindestens einem Drittel der Befragten einen Anstieg psychischer Probleme gab. Foto cottonbro, Pexels

Die Mehrheit kann die Situation bewältigen

In den letzten Jahren wurde festgestellt, dass Jugendliche sich immer mehr Sorgen machen. Deswegen überrascht es auch nicht, dass der Einfluss von Covid-19 noch mehr Angst bei Jugendlichen ausgelöst hat. Viele leiden bereits unter Angststörungen, Depression und mangelnder Unterstützung für die Bewältigung ihrer Herausforderungen. In diesem Zusammenhang erscheinen die Ergebnisse einer repräsentative Umfrage der Children’s Society auf ersten Blick positiv. 84% der Kinder und Jugendlichen gaben an, sie könnten den Lockdown gut bewältigen. Als sie jedoch nach spezifischen Aspekten ihres Wohlbefindens befragt wurden, sagten 86%, dass sie mit dem häufigeren Händewaschen gut zurecht kämen, wenn es um Social Distancing ging, waren es nur noch 78%. Die Zahlen sanken drastisch, als es darum ging, wie gut sie damit zurecht kämen, ihre Freunde (49%) oder ihre Familie (54%) nicht sehen zu können.[1]

Allerdings gab es auch positive Seiten des Lockdowns für Jugendliche, zum Beispiel die Zeit mit der Familie, mehr Belastbarkeit, mehr Dankbarkeit und mehr Zeit für Hobbys. Aus einer Untersuchung im April 2020 geht hervor, dass die meisten Jugendlichen (im Alter von 13 bis 24 Jahren) die Zeit mit der Familie genauso oder mehr genossen haben als vorher.[2] Gleichzeitig haben sie sich im Vergleich zu vorher auch mehr Sorgen um ihre Eltern und ihre Familien gemacht. Mehr als ein Drittel (37%) der 16-24 Jährigen glauben, dass sie seit dem Ausbruch des Coronavirus[3] an Bewältigungsstrategien und Belastbarkeit dazugewonnen haben. Eine Befragung von 150 Kindern und Jugendlichen ergab, dass diese die Zeit zum Reflektieren und zum Erlernen neuer oder dem Wiederentdecken alter Hobbies wertgeschätzt und eine größere Dankbarkeit erlebt haben.[4]

Viele haben zu kämpfen

Obwohl die Mehrheit der Jugendlichen den Lockdown gut bewältigen konnten, gab es auch eine bemerkenswerte Minderheit, die um ihre psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden ringen musste. Eine repräsentative Umfrage von 4000 8-24 Jährigen von Barnardo’s fand heraus, dass es bei mindestens einem Drittel der Befragten einen Anstieg psychischer Probleme gab.[5]

  • 41% sagten, sie fühlten sich einsamer als vor dem Lockdown
  • 38% sagten, sie würden mehr Sorgen empfinden
  • 37% sagten, sie würden mehr Trauer empfinden
  • 34% sagten, sie würden mehr Stress empfinden
  • 33% sagten, sie hätten vermehrt Schlafprobleme

Bei Betrachtung der Zahl von Jugendlichen, die auf unterschiedliche Weise schon als gefährdet galten, ist dies zu erwarten gewesen. Laut National Youth Agency (NYA) sind die Nöte von über eine Million Jugendlichen durch die Pandemie verstärkt worden, darunter auch bei denjenigen, die vom ›toxischen Trio‹ aus Sucht, schlechter psychischer Gesundheit und häuslicher Gewalt betroffen sind. Davon erhalten 33600 formgerechte staatliche Unterstützung, 411000 erhalten etwas Unterstützung, deren Umfang jedoch nicht bekannt ist, und schätzungsweise 448000 leben in gefährdeten Familien, die Jugendämtern und anderen gesetzlichen Institutionen nicht bekannt sind. Die NYA geht sogar noch weiter und schätzt, dass weitere 2 Millionen Jugendliche durch COVID-19 in solch eine Notlage versetzt werden.[6]

Zu Personen mit sich verschlechternder Notlage, gehören auch Jugendliche, die unter psychischen Problemen leiden. Diese Gruppe wurde von Young Minds eine Woche nach Beginn des Lockdown befragt. In der Umfrage gaben 84% an, dass ihre mentale Gesundheit sich wegen der Schulschließungen verschlechtert hat und 26% sagten, sie hätten keinen Zugang mehr zu Unterstützungsangeboten bei psychischen Problemen. Young Minds wiederholte die Umfrage im Juni bei einer ähnlichen Gruppe und fand heraus, dass die Zahl der unter psychischen Problemen leidenden Jugendlichen, von 32% auf 41% gestiegen war (siehe Diagramm). Die Hälfte der Befragten (50%) traute sich nicht, mit jemandem über ihre mentalen Schwierigkeiten zu sprechen, wenn sie es nötig hätten. Mehr als ein Viertel der Befragten (29%) gab sogar an, dass es niemanden in ihrem Leben gab, mit dem sie hätten sprechen können.[7]

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Es gibt auch Gruppen von Jugendlichen, die mehr mit der neuen Situation zu kämpfen haben. Die bisher veröffentlichten Studien deuten darauf hin, dass ältere Jugendliche, Mädchen, Angehörige schwarzer und ethnischer Minderheiten, Menschen ohne Schul-, Berufs- oder Ausbildungsabschluss und Menschen, die bereits mit einer schlechteren psychischen Gesundheit zu kämpfen haben, in besonderem Maße von der Pandemie betroffen sind. Obwohl wir noch mehr verifizierte Daten brauchen, ist zu erwarten, dass sich soziale Ungleichheit auf verschiedenen Ebenen durch die aktuellen Umstände verschlechtert.

Eine repräsentative Umfrage von 4000 8-24 Jährigen von Barnardo’s fand heraus, dass es bei mindestens einem Drittel der Befragten einen Anstieg psychischer Probleme gab. Foto Edward Jenner, Pexels

Pädagogisch Verantwortliche ringen um Antworten

Organisationen, die sich für Jugendarbeit engagieren, spielen eine wichtige Rolle in der Unterstützung von Jugendlichen und deren psychischer Gesundheit. Sie sind aber auch abhängig von dem freiwilligen Engagement der Jugendlichen. Sie haben weniger Kontakt zu den Jugendlichen gehabt und viele wissen nicht, wie es weitergehen soll. UK Youth befragte Jugendmitarbeiter und Organisationen beim Start des Lockdowns, seit dem viele Jugendmitarbeiter beurlaubt wurden.

  • 88% der Befragten gaben an, dass sie ihr Dienstleistungsangebot für Jugendliche wahrscheinlich oder ganz sicher verringern müssten
  • 31% der Befragten sagten, dass sie vermutlich Mitarbeiter entlassen müssten
  • 18% sagten, das Schließungen wahrscheinlich seien, 1 von 5 sagte sogar, die Schließung könnte das Aus bedeuten
  • 71% sagten, sie müssten die Arbeitszeit der Angestellten minimieren
  • 72% gaben an, die Organisation müsse Notfallgelder beantragen[8]

63% der 290 von London Youth befragten Jugendarbeiter berichteten, dass ihre Jugendorganisation zu einem digitalen Angebot wechseln würde, statt ihr Angebot und ihre Unterstützungsmöglichkeiten komplett auszusetzen. Allerdings gaben 31% an, dass sie nicht die Infrastruktur hätten, um eine digitale Form ihrer Arbeit anzubieten und 65% sahen einen eindeutigen Bedarf dafür.[9] Viele Anbieter haben einen Weg gefunden, online weiterzumachen, aber für viele Jugendliche ersetzt das nicht das Maß an Unterstützung, das sie verloren haben.

Wie können wir helfen?

Einige Empfehlungen, die sich aus diesen Ergebnissen erschließen lassen, können von Gemeinden, Eltern und Jugendleitern umgesetzt werden.

  • Hochwertige Informationen weiterleiten
  • Jugendliche dazu befähigen, anderen zu helfen
  • Gezielte Unterstützung für die, bei denen psychische Probleme bekannt sind
  • Outdoor-Angebote bewerben
  • Neue Fähigkeiten und Bewältigungsstrategien wertschätzen und feiern
  • Jugendlichen dabei helfen, mit Unsicherheit umzugehen

Wenn du noch mehr Hilfe suchst, hat Youthscape eine neue Website mit vielen Ressourcen eingerichtet, um Jugendlichen, ihr Wohlbefinden und ihre psychische Gesundheit zu stärken. Die Seite heißt Headstrong und du findest sie hier.

Diese Zusammenfassung von The Story-Beiträgen wurde ursprünglich für »Future First« geschrieben. Vielen Dank an Dr. Peter Brierley für die Erlaubnis, sie hier zu veröffentlichen.


  1. The Children’s Society - Life on Hold: Children’s Well-being and COVID-19 July 2020. N=2000, weighted to be representative of the UK ↩︎

  2. Levita, L (2020) COVID-19 psychological research consortium (C19PRC). Initial research findings on the impact of COVID-19 on the well-being of young people aged 13 to 24 in the UK. N=2002 13-24 year olds, Survey ran 21-29thApril 2020 ↩︎

  3. Young People in Lockdown: A report by The Prince’s Trust and YouGov. N=1,022 16 to 25-year-olds ↩︎

  4. The Children’s Society - Life on Hold: Children’s Well-being and COVID-19 July 2020. N=2000, weighted to be representative of the UK ↩︎

  5. Barnardo’s Big Conversation Survey – YouGov. May 2020. N=4,283. weighted to be representative of the UK ↩︎

  6. Out of Sight – National Youth Agency ↩︎

  7. Young Minds (summer 2020) Coronavirus: Impact on young people with mental health needs. Survey 1: n= 2,111 13-25 year olds. Survey 2: n= 2036 13-25 year olds ↩︎

  8. The impact of COVID-19 on young people & the youth sector: UK Youth, April 2020 ↩︎

  9. UK Youth Survey results – Impact of COVID-19 on London Youth Members ↩︎

Psychische Gesundheit mit Jugendlichen ansprechen
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