Während junge Menschen immer noch an Mobilität interessiert sind, sind sie weniger an der Idee der Freiheit auf vier Rädern interessiert.

Der Zugang zum Auto hat sich ebenso verändert. Die Generation Z ist umweltbewusster und fragt nach dem CO2-Fußabdruck des Autos. Auf dem Land ist das Verlangen nach dem Führerschein stärker ausgeprägt als in städtischen Gebieten, wo öffentliche Verkehrsmittel, Mitfahrgelegenheiten und Fahrdienste wie Uber, MyTaxi & CO zur Verfügung stehen.

»Der Führerschein ist jungen Menschen nicht mehr so wichtig. Sie nutzen andere Formen der Mobilität.« — Siegfried Brockmann, Unfallforscher vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

Fahrlehrer Noll bemerkt, dass der Stellenwert des Selberfahrens gesunken ist, was sich auf den Führerscheinwerb auswirkt. So sind Fahrschüler tendenziell älter, wenn sie mit dem Führerschein beginnen und lassen auch mehr Zeit bis zur Fahrprüfung verstreichen.

»Allgemein ist festzustellen, dass Fahrerlaubnisse für die Klasse B immer häufiger an Menschen über 25 Jahren vergeben werden.« – Julia Fohmann, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)

Daneben gibt es noch den wirtschaftlichen Aspekt: Heutzutage ist es ziemlich schwierig, für den Kauf eines neuen oder zuverlässigen Autos zu sparen, und selbst die Raten für ein geleastes Fahrzeug können für den durchschnittlichen jungen Menschen fast unerschwinglich sein. Es ist möglich, dass die Generation Z irgendwann beschließt, dass sie Auto fahren will und ähnliche Gewohnheiten wie frühere Generationen annimmt, aber es ist auch möglich, dass sich die Art und Weise der Mobilität dauerhaft ändert.

Es ist möglich, dass die Generation Z irgendwann beschließt, dass sie Auto fahren will und ähnliche Gewohnheiten wie frühere Generationen annimmt, aber es ist auch möglich, dass sich die Art und Weise der Mobilität dauerhaft ändert. Foto MART PRODUCTION.

Insgesamt werden mittlerweile folgende Gründe aufgezählt, warum das Autofahren für die junge Generation weniger attraktiv wird:

  1. Der Führerschein ist kein Statussymbol mehr
  2. Jüngeren Deutschen sparen für verschiedene Dinge, nicht nur für den Führerschein
  3. Gut ausgebautes öffentliches Nahverkehrsnetz in den Städten macht den Autobesitz überflüssig
  4. Umweltbedenken
  5. Hohe Kosten des Autobesitzes
  6. Technologie und Sharing Economy
  7. Eine alternde Bevölkerung

Für viele Erwachsene im Jahr 2023 mag die Vorstellung, ohne Auto auszukommen, absurd erscheinen. Aber für den größten Teil der Menschheitsgeschichte gab es keine Autos. Die Skepsis vieler Eltern und fürsorglicher Erwachsener gegenüber der Generation Z, die keinen Führerschein machen will, lässt diese wichtige historische Tatsache manchmal in den Hintergrund treten.

Aber heute hat die Generation Z ein neues Symbol für Autonomie und Unabhängigkeit: das Smartphone. Foto Karolina Grabowska.

Das erste »Automobil« wurde 1886 von Carl Benz erfunden. Mehr als ein Jahrhundert lang war das Auto das wichtigste Symbol für Autonomie und Unabhängigkeit. Sie ermöglichten es uns, dorthin zu fahren, wohin wir wollten, zu sehen, wen und was wir wollten, wann wir wollten. In vielerlei Hinsicht ermöglichen sie das immer noch.

Aber heute hat die Generation Z ein neues Symbol für Autonomie und Unabhängigkeit: das Smartphone.

Gen Z kann online gehen, wohin sie will, sich treffen mit wem sie will und wann sie will. Und wenn praktisch alle ihre Freunde über das Smartphone und den Computer online für sie erreichbar sind, kann es sich weniger lohnen, das Autofahren zu lernen und die Straßen zu bezwingen als früher.

Die Sorgen der Generation Z über den Klimawandel und allgemeine Ängste werden zu Recht als Gründe dafür hervorgehoben, warum weniger Menschen daran interessiert sind, Autofahren zu lernen. Der Verzicht auf das Auto kann für Jugendliche in einer Stadt auch viel einfacher und attraktiver sein. Ein Teenager, der auf dem Land aufwächst, ist vielleicht stärker motiviert, das Autofahren zu lernen, als ein Teenager, der einfachen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder E-Bikes hat. Doch selbst Jugendliche im urbanen Umfeld können durch soziale Medien und Online-Spiele einen Großteil dieses Wunsches befriedigen.

»The times, they are a-changing«, wie Bob Dylan einst sang.

Hier sind drei Fragen, die dir helfen, mit deinem Teenager ins Gespräch darüber zu kommen:

  • Findest du auch, dass deine Generation nicht mehr so begeistert vom Führerschein ist wie frühere Generationen? Warum oder warum nicht?
  • Was denkst du, sind die Hauptgründe dafür?
  • Was wäre ein Vorteil des Führerscheins? Was wäre ein Nachteil?
Dieser Artikel wurde vom Axis Creator Team verfasst und im englischsprachigen »Culture Translator« veröffentlicht. Deutsche Version von Esther Penner.

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