Im Rahmen unserer Forschung für Faith Beyond Youth Group haben wir Slick kennengelernt. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Jugendgruppe seiner Gemeinde und weiß, dass Vertrauen durch alltägliche Gesten des Daseins und des bedingungslosen Liebens entsteht.

Wie zum Beispiel die alltägliche Geste, einfach da zu sein. Wie Slick (so nennen ihn alle) uns erzählte: »Ich stelle mir gerne vor: Wenn Jesus heute auf der Erde wäre, würde er viel Zeit bei Vereinsspielen von Siebtklässlern verbringen.«

Mit einundsiebzig Jahren leitet Slick keine Kleingruppe mehr in seiner Gemeinde. Er hat gemerkt, dass er lieber »alle Kinder« kennenlernen möchte. Gemeinsam mit dem Jugendpastor und anderen Mitarbeitern hat er deshalb dazu beigetragen, eine Kultur des Vertrauens zu schaffen, in der sich jeder Jugendliche gesehen und willkommen fühlt.

Vor der Pandemie war der örtliche McDonald’s der Treffpunkt der Jugendgruppe. Als das Restaurant seinen Gastraum schließen musste, kaufte Slick eine gebrauchte Limousine, um Gruppen von Jugendlichen durch den Drive-through zu chauffieren, natürlich auf Milchshakes.

Fast jeder, den wir in dieser Gemeinde trafen, sagte uns: Slick ist unverzichtbar für ihre Jugendarbeit. Nicht zuletzt deshalb, weil er Ehemalige auf der Jugendgruppe besucht, die mittlerweile an Hochschulen in der Nähe studieren. Slick sagt: »Wenn ich zu Besuch bin und die Jugendlichen halb so viel Spaß haben wie ich, dann war es ein Erfolg. Aber man muss eine Beziehung zu Jugendlichen aufbauen, bevor sie ans Studium denken. Wenn ich einfach so anrufen und ankündigen würde, dass ich vorbeikomme, würden die denken, ich bin ein Stalker oder so.«

Dank Slicks großzügiger Liebe bezeichnete ihn ein junger Erwachsener in der Gemeinde als die »Hände und Füße Jesu«. Ein anderer Jugendlicher beschrieb ihn so: Slick setze »den Maßstab dafür, wer wir als Gemeinde sind … wie wir füreinander da sind, einander unterstützen und in allen Lebensbereichen ermutigen.«

Manchmal wird Slick von Jugendlichen geghostet. Auch wenn sich das für jeden Erwachsenen wie Ablehnung anfühlen kann, bemerkt Slick genau, welche Jugendlichen ihn ghosten. Er tut es ihnen nie gleich. Er ist überzeugt:

»Auch wenn du von Jugendlichen geghostet wirst, darfst du sie niemals zurückghosten.«

Er erklärt warum: »Wenn mich ein Jugendlicher ghostet, steckt meistens ein Grund dahinter. Dieser Jugendliche leidet gerade und muss wissen, dass mir das immer noch nicht egal ist.« Was ihn antreibt, Beziehungen zu ganz unterschiedlichen Jugendlichen aufzubauen, beschreibt er so: »Mit manchen ist es leicht, Zeit zu verbringen, mit anderen nicht. Aber genau die, mit denen es nicht so leicht ist, brauchen am dringendsten einen Freund.«

Durch seine Nähe und Beständigkeit baut Slick Vertrauen auf und inspiriert die gesamte Gemeinde, mehr dem Charakter Jesu widerzuspiegeln. Genauso kannst auch du die Empathie und Echtheit verkörpern, die wir in Jesus sehen. Du und deine Gemeinschaft.

Wie die neue Generation Vertrauen in die Kirche aufbaut

Vielleicht hast du schon gemerkt, dass Gen Z und Gen Alpha Institutionen grundsätzlich nicht vertrauen. Das gilt auch für die Kirche. In einer US-amerikanischen Springtide-Umfrage unter 13- bis 25-Jährigen gaben nur 14 Prozent an, der organisierten Religion vollständig zu vertrauen. 39 Prozent sagten, durch Religion Schaden erlitten zu haben.¹

Warum ist das Vertrauen dieser Generation in die Kirche so gering? Mitten in ihrer Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Sinn glaubt die Hälfte der Jugendlichen, dass religiöse Institutionen sich nicht darum kümmern, was ihnen wichtig ist, und wen. Wie eine 13-Jährige ihrem Vater, der selbst Jugendleiter ist, kürzlich erklärte: »Warum sollte ich wollen, dass andere wissen, dass ich Christin bin? Christen sind doch Vollidioten.«

Wenn Christen als Vollidioten wahrgenommen werden, liegt das daran, dass wir Christus nicht verstehen.

Für zu viele Nachfolger Jesu jeden Alters ist Glaube etwas, das wir 90 Minuten pro Woche praktizieren. Wenn es gut läuft. Glaube ist für zu viele das, was wir in der Gemeinde tun, aber nicht das, wer wir die ganze Woche über sind.

Was junge Menschen und wir alle brauchen, ist eine Beziehung zu Jesus, die nicht nur 90 Minuten unserer Woche verändert, sondern 100 Prozent unseres Lebens. Von dieser Vision angetrieben, freuen wir uns beim Fuller Youth Institute, ein neues Buch vorzustellen: Faith Beyond Youth Group!

Vertrauen bei Jugendlichen aufbauen. Ein kleiner Schritt nach dem anderen.

Die meisten von uns lernen, Jesus zu vertrauen, indem sie zuerst jemandem vertrauen, der Jesus vertraut.

Ein Glaube, der über die Jugendgruppe hinausträgt, wird nie aufblühen, wenn junge Menschen niemandem vertrauen, der Jesus vertraut. Für diese Generation ist dieses »Jemand« wahrscheinlich ein Erwachsener aus ihrer Nähe, jemand, den sie persönlich kennen. Es sind Jugendliche in deiner Gemeinschaft, die Leitern wie dir vertrauen.

Vertrauen aufzubauen ist heute eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Jugendarbeit. Unsere Forschung zeigt:

Vertrauen entsteht Schritt für Schritt, durch kleine Gesten.

Könnten wir in die Gedanken dieser Generation lesen, wenn sie über Erwachsene in der Gemeinde nachdenken, würden wir wohl so etwas hören:

»Du baust Vertrauen auf, wenn du zu meinem Konzert kommst. Du zerstörst es, wenn du sagst, du kommst, und dann nicht da bist …«

»Du baust Vertrauen auf, wenn du dich in der Gemeinde engagierst. Du zerstörst es, wenn du deinen Dienst absagst oder einfach bei unserer Kleingruppe nicht mehr auftauchst …«

»Du baust Vertrauen auf, wenn ich erfahre, wovor du Angst hast, was dich beunruhigt oder unsicher macht. Denn dann merke ich, dass du gar nicht so anders bist als ich …«

»Du baust Vertrauen auf, wenn du mir vertraust, genug, um mich etwas leiten zu lassen oder mir zu helfen, meine Bestimmung zu entdecken. Dann zeigst du mir, dass ich jemand bin, der zählt.«

Genau dieses Vertrauen haben Jugendliche Slick entgegengebracht. Er selbst fasst seine Rolle als Mitarbeiter ganz schlicht zusammen: »Ich habe nicht alle Antworten. Ich hänge einfach mit Jugendlichen herum

Aber Slick tut mehr als das. Er vertraut Jesus. Und weil Jugendliche Slick vertrauen, vertrauen sie auch Jesus.


¹ Springtide Research Institute, State of Religion & Young People 2021, S. 33.

Auszug aus: Kara Powell, Jen Bradbury und Brad M. Griffin, Faith Beyond Youth Group, Baker Books, November 2023. Mit Genehmigung des Verlags.

Dieser Artikel wurde von Dr. Kara Powell verfasst und zuerst von Fuller Youth Institute veröffentlicht. Deutsche Version von Esther Penner.