Ein Nachwuchsteam ist kein Werkzeug zur Effizienzsteigerung. Es ist eines der kraftvollsten Werkzeuge der Jüngerschaft, die du in deiner Jugendarbeit einsetzen kannst.
Einführung
Sobald du ein Nachwuchsteam zusammengestellt hast, stellt sich eine entscheidende Frage. Was machst du nun damit? Welche Aufgaben können und sollten junge Leiter übernehmen?
Um ehrlich zu sein, zucke ich bei dem Gedanken an konkrete Jobs für junge Leiter innerlich ein wenig zusammen. Jobs sind Aufgaben, die man ganz einfach wieder abgeben kann. Sie sind stark eingegrenzt. Es ist viel zu leicht, sich zurückzulehnen und zu sagen, man sei fertig, sobald eine bestimmte Aufgabe erledigt ist.
Anstatt einfach nur einen Job abzuarbeiten, wünsche ich mir, dass junge Leiter ihre Rolle als echten Teil ihrer Identität begreifen.
Es soll nicht nur ein Posten sein, den sie ein paar Tage oder Stunden in der Woche ausüben.
Willkommenskultur schaffen
Aus genau diesem Grund besteht die Hauptrolle jeder einzelnen Person in meinem Nachwuchsteam darin, eine Willkommenskultur zu etablieren.
Um das klarzustellen: Eine Willkommenskultur zu schaffen umfasst so viel mehr, als nur der Begrüßer an der Tür zu sein. Jemanden offiziell zu begrüßen, ist ein Job, der fünfzehn Minuten vor einer Veranstaltung beginnt und zehn Minuten nach dem Startschuss wieder endet. Er beinhaltet, dass ein paar Jugendliche an der Tür stehen, den ankommenden Leuten die Hand schütteln, Namensschilder verteilen und vielleicht mit viel Glück noch etwas unbeholfenen Smalltalk führen.
Im starken Gegensatz dazu ist das Schaffen einer Willkommenskultur eine Aufgabe, die niemals endet. Da sie mit dieser wichtigen Verantwortung betraut sind, wissen junge Leiter, was ihr eigentlicher Auftrag ist. Sie sollen dafür sorgen, dass sich absolut jede Person, die unsere Jugendarbeit besucht, willkommen fühlt. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, in welche Klasse die Person geht, welche Schule sie besucht, wie beliebt sie ist oder wie oft sie schon da war.
Eine Willkommenskultur zu etablieren, bedeutet viel praktische Verantwortung für die jungen Leiter bei jedem unserer Treffen oder Events. Sie sind für die folgenden Bereiche zuständig.
- Die Namen der Leute zu kennen.
- Als Erste ein Gespräch mit jemandem zu beginnen. Das gilt auch für Personen, die sie gar nicht kennen.
- Eine Unterhaltung mit ihren engsten Freunden zu verlassen, um sich zu jemandem zu gesellen, der gerade alleine steht.
- Andere Menschen einzuladen, sich einem Gespräch oder einer gemeinsamen Aktion anzuschließen.
- Personen mit anderen Leuten zu vernetzen, mit denen sie möglicherweise Gemeinsamkeiten haben.
Die Verantwortung für eine Willkommenskultur bedeutet außerdem, dass junge Leiter mit ihrer Arbeit nicht fertig sind, sobald die inhaltliche Diskussionsrunde beginnt. Stattdessen tragen sie Verantwortung für weitere wichtige Aspekte.
- Sie setzen sich zu Leuten, die sie nicht kennen, um sicherzustellen, dass sich niemand einsam fühlt.
- Sie stellen offene Fragen. So helfen sie anderen, zu erkennen, dass sie sich in einem sicheren Umfeld befinden, um dasselbe zu tun.
- Sie beteiligen sich aktiv am Gespräch, um andere genau dazu zu ermutigen.
- Sie reflektieren ihren eigenen Gesprächsanteil, um die Runde nicht zu dominieren. So stellen sie sicher, dass genügend Raum für die Gedanken der anderen bleibt.
Junge Leiter wissen ganz genau, dass eine echte Willkommenskultur weit über die Wände des Jugendraums hinausgeht. Aus diesem Grund übernehmen junge Leiter auch außerhalb unserer Treffen Verantwortung.
- Sie halten im Gottesdienst nach anderen Jugendlichen Ausschau, knüpfen Kontakte und laden sie in die Jugendgruppe ein.
- Ihnen fällt auf, wer fehlt. Sie fassen per WhatsApp, Instagram oder anderen Kanälen nach, erkundigen sich nach dem Befinden und lassen die abwesenden Personen wissen, dass sie vermisst wurden.
- Sie wertschätzen und ermutigen diejenigen, die nicht Teil des Nachwuchsteams sind. Das tun sie durch Gebet, im ganz normalen Leben und auf der gemeinsamen Glaubensreise.
In mehr als einem Jahrzehnt in der Jugendarbeit musste ich schmerzhaft lernen, dass ein einladendes Umfeld bei einem Haufen Jugendlicher nicht einfach von selbst entsteht. Weder ich noch meine erwachsenen Mitarbeiter können einen solchen Ort im Alleingang erschaffen. Mit einer engagierten Gruppe junger Leiter, die ihre Rolle beim Aufbau eines solchen Ortes genau kennen und verstehen, ist es jedoch absolut machbar.
Das Ergebnis?
Eine Jugendarbeit, die für die Nerds und die Sportskanonen, für die beliebten Kids und die Außenseiter gleichermaßen einladend ist. Eine Jugendarbeit, in der Jugendliche die Liebe Gottes kontinuierlich und greifbar erleben. Und zwar nicht nur durch die erwachsenen Leiter, sondern ganz direkt durch ihre eigenen Altersgenossen.
Geburtstage feiern
Du kannst eine Willkommenskultur in deiner Jugendarbeit konkret etablieren, wenn dein Team Geburtstage wahrnimmt und feiert. Das kann so aussehen:
Nimm dir zu Beginn eures neuen Schuljahres ein paar Wochen Zeit und bitte alle Anwesenden, ihre Kontaktdaten auf den neuesten Stand zu bringen. In diesem Zuge erfasst ihr auch die Geburtstage von jedem Einzelnen.
Bitte dein Team aus jungen Leitern, sich einen Weg zu überlegen, wie sie den Geburtstag von absolut jedem würdigen können. Diese Wertschätzung kann monatlich, wöchentlich oder auch einfach »nach Bedarf« stattfinden. Abhängig vom Budget eurer Jugendarbeit kann das eine kurze Gratulation auf der Bühne sein, die überhaupt kein Geld kostet, ein Geburtstagskuchen oder ein individuelles Geburtstagsgeschenk. In meiner Jugendarbeit geben wir zum Beispiel jedem Jugendlichen ein Geburtstagsgeschenk, das normalerweise etwa einen Euro kostet. Anschließend personalisieren wir jedes Präsent so, dass es auf irgendeine Weise in die Identität des Jugendlichen hineinspricht. Das Wichtige an dieser Tradition ist nicht, wie viel Geld du ausgibst. Viel entscheidender ist, dass der Geburtstag von jedem bedacht wird. Vielleicht ist es sogar noch wichtiger, dass wirklich jeder Geburtstag auf genau die gleiche Art und Weise gefeiert wird. Indem ihr jedem die gleiche Wertschätzung entgegenbringt, zeigt ihr, dass eure Jugendarbeit jeden Einzelnen schätzt, der ein Teil davon ist.
Sobald dein Team entschieden hat, wie Geburtstage bedacht und gefeiert werden sollen, übergib den jungen Leitern eine aktive Rolle in diesem Prozess. Ein Beispiel aus meiner Jugendarbeit veranschaulicht das gut. In einem Jahr schenkten wir jedem Jugendlichen einen verzierten Bilderrahmen mit einem Foto dieses Jugendlichen von einer unserer Aktionen. Die jungen Leiter dekorierten den Rahmen mit Worten, die diesen Jugendlichen beschrieben. In einem anderen Jahr schenkten wir jedem Jugendlichen ein Freundschaftsband. Das Team wählte die Farben des Bandes so aus, dass sie die Persönlichkeit des jeweiligen Empfängers widerspiegelten. Ein Jugendlicher verfasste einen kurzen Text, der erklärte, warum genau diese Farben ausgewählt wurden. Ein anderer knüpfte das Freundschaftsband. In diesem Jahr haben wir Notizbücher verschenkt. Das Team gestaltet die Buchdeckel und anschließend schreibt jede Person aus dem Team eine persönliche Nachricht an den Empfänger auf die ersten Seiten des Notizbuchs. Jede Woche überreicht ein junger Leiter dann die Geburtstagsgeschenke an die Jugendlichen.
Überlegt euch, wie ihr mit Geburtstagen in den Sommerferien umgeht. Wenn ihr im Sommer eine Pause im regulären Programm einlegt, ist es eine großartige Lösung, stattdessen die Halbjahresgeburtstage der Leute zu feiern.
Entscheidet, wie ihr die Geburtstage derjenigen feiert, die nicht regelmäßig zu den Treffen eurer Jugendgruppe kommen. In meiner Jugendgruppe gilt folgende Regel: Wenn das Geburtstagsgeschenk eines Jugendlichen länger als einen Monat bei uns liegt, nimmt ein junger Leiter das Geschenk mit und bringt es bei dem Jugendlichen zu Hause vorbei. Dieses Vorgehen vermittelt, dass der Wert eines Jugendlichen nicht von seiner Anwesenheit abhängt. Gleichzeitig bietet es den jungen Leitern eine großartige Gelegenheit, Kontakt zu Jugendlichen am Rand der Gruppe aufzubauen.
Indem ihr Geburtstage feiert, übergebt ihr jungen Leitern nicht nur echte Verantwortung. Ihr zeigt auch jedem einzelnen Jugendlichen in eurer Jugendarbeit, dass er geliebt wird und man ihn wirklich kennt.
Regelmäßigen Teamtreffen
Da es bei junger Leiterschaft im Kern um Jüngerschaft geht, ist es absolut wichtig, dich regelmäßig mit deinem Nachwuchsteam zu treffen.
Ich mich vier bis sechsmal über die Sommerferien mit meinem Nachwuchsteam, zuzüglich unseres Teamwochenendes mit Übernachtung. Sobald das neue Programmjahr nach den Sommerferien startet, treffe ich mich wöchentlich für eine Stunde mit diesem Team. Obwohl jedes Team den Tag und die Uhrzeit für seine regelmäßigen Treffen selbst festlegt, hat es sich für uns meistens als hilfreich erwiesen, diese Treffen direkt vor oder nach unserem wöchentlichen Jugendabend abzuhalten. Das erspart den Familien eine zusätzliche Fahrt zur Gemeinde und wieder zurück.
Bei jedem Treffen deines Nachwuchsteams solltest du eine Mischung aus verschiedenen Elementen einbauen.
Beginnt euer Treffen immer mit Gebet. Das erdet das Team, richtet den Fokus auf Gott und hilft dabei, diese Runde von anderen Leitungsgruppen abzugrenzen, in denen die Jugendlichen möglicherweise noch aktiv sind.
Nehmt euch danach die Zeit für eine kurze Auswertung eurer Veranstaltungen in der Jugendarbeit. So nimmst du die Jugendlichen in die Pflicht, dranzubleiben und aktiv eine Willkommenskultur zu etablieren. Gleichzeitig gibst du ihnen weiterhin das Gefühl, dass sie echte Verantwortung für eure Jugendgruppe tragen.
Führe als Nächstes ein kurzes Leitertraining von zehn bis zwanzig Minuten mit deinem Team durch. Passe diesen Impuls speziell an die Jugendlichen in deinem Team an, damit er genau dort ansetzt, wo sie sich aktuell auf ihrer Reise als Leiter befinden. Du darfst in dieser Zeit sehr gerne Bibelstellen einbauen. Einige Themen, die du in diesen Trainingsmomenten ansprechen könntest, umfassen ganz praktische Fragen. Wie fängt man als Leiter gut an und wie hört man gut auf? Wie setzt man sich geistliche Ziele für die eigene Leiterschaft? Wie lebt man sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gemeindemauern als gottgefälliger Leiter?
Geht danach in eine gemeinsame Planungsphase mit eurem Team über. Während dieser Zeit könntest du die Jugendlichen nach ihren Ideen zu kommenden Inhalten fragen. Letzte Woche habe ich die jungen Leiter beispielsweise gefragt, worüber wir ganz konkret sprechen sollten, wenn wir uns mit aktuellen politischen Protesten, mit Fragen von gerechtem Handeln und unserem Glauben auseinandersetzen. Du könntest diese Zeit auch nutzen, um bestimmte Aktionen zu planen. Einen großen Teil unserer letzten Planungszeit haben wir genutzt, um die Jahresabschlussfeier unserer Jugendarbeit zu organisieren. Dabei haben wir entschieden, welche Ehrungen und kleinen Dankeschön-Geschenke wir an verschiedene Jugendliche vergeben, um zu würdigen, wie sich jede Person das ganze Jahr über in unserer Jugendarbeit eingebracht hat. Ein weiterer Ansatz für diese Phase ist ein Blick auf die Teilnehmerliste eurer Jugendarbeit, um herauszufinden, wer in letzter Zeit gefehlt hat. Unabhängig davon, worüber ihr in dieser Zeit diskutiert, solltest du sicherstellen, dass die Jugendlichen mit ganz konkreten Handlungsschritten aus dem Treffen gehen.
Ein Beispiel: Sobald ihr herausgefunden habt, wer in letzter Zeit in eurer Jugendarbeit abwesend war, beauftrage ganz bestimmte junge Leiter damit, bei diesen Personen nachzuhaken. Sie können sich per WhatsApp oder über die sozialen Medien melden, sich nach ihrem Befinden erkundigen und eine Einladung zum nächsten Treffen der Jugendgruppe aussprechen. Auf diese Weise werden zukünftige Aktionen der Jugendarbeit nicht nur zu deiner Verantwortung, sondern auch zur spürbaren Verantwortung der jungen Leiter.
Plane am Ende jedes Treffens noch etwas Zeit ein, um verschiedene praktische Aufgaben zu erledigen, für die dein Nachwuchsteam zuständig ist. Bei jedem Treffen meines Nachwuchsteams nehmen wir uns zum Beispiel die Zeit, unsere Geburtstagsliste durchzugehen und die Geschenke für die anstehenden Geburtstage vorzubereiten.
Ohne Frage, das ist eine Menge Stoff für jedes einzelne eurer Teamtreffen. Wenn ihr euch jedoch bei jedem Treffen die Zeit für all diese Aspekte nehmt, verhindert das, dass die Meetings zäh werden und sich endlos in die Länge ziehen. Es fordert dein Team heraus, kontinuierlich als Leiter zu wachsen, und überträgt ihnen ganz praktische Verantwortung sowie Leitungsrollen für anstehende Aktionen in eurer Jugendarbeit.
Gebete mit Eisstielen
Ein paar meiner guten Freunde sind langfristig als medizinische Missionare in Nepal im Einsatz. Ab und zu bekomme ich eine E-Mail von ihnen, in der steht: »Wir haben heute Morgen mit dem Eisstiel für dich gebetet!«
Jeden Tag beten unsere Freunde gemeinsam mit ihren drei kleinen Kindern für die Menschen, die sie unterstützen. Dafür haben sie die Namen ihrer Unterstützer auf Eisstiele geschrieben. Eines ihrer Kinder zieht dann jeweils einen dieser Stiele aus einem Becher. Sie gehen diese Stiele mehrmals im Jahr komplett durch. So stellen sie sicher, dass sie regelmäßig für die Menschen beten, die ebenfalls für sie beten.
Als sie mir dieses Ritual beschrieben, kam mir sofort ein Gedanke. »Das ist genial! Das kann ich in meiner Jugendarbeit anwenden!« Und genau das tue ich auch, ganz speziell mit meinem Nachwuchsteam.
Wir nutzen diese Eisstiel-Idee als festen Bestandteil unserer wöchentlichen Gebetszeit im Team.
Bei unserem ersten Treffen im neuen Programmjahr nimmt sich mein Team eine Teilnehmerliste unserer Jugendarbeit und schreibt jeden einzelnen Namen auf einen Eisstiel. Da wir das vor dem eigentlichen Startschuss erledigen, wissen wir noch gar nicht, wer überhaupt aktiv in unserer Jugendarbeit mitmischen wird. Das ist volle Absicht. Es bedeutet nämlich, dass wir regelmäßig für alle Jugendlichen beten, die mit der Arbeit unserer Gemeinde verbunden sind. Das tun wir völlig unabhängig davon, wie oft oder wie selten sie tatsächlich in die Jugendgruppe kommen. Das bedeutet ganz praktisch, dass unsere Gebete für die Jugendlichen nicht an ihre Anwesenheit geknüpft sind.
Nachdem wir alle Namen auf einen Eisstiel geschrieben haben, stecken wir sie in eine Tüte oder einen Becher. Jede Woche zieht jeder junge Leiter während unserer Gebetszeit einen Eisstiel und betet laut für die Person, deren Name darauf steht. Auf diese Weise lernen die jungen Leiter, nicht nur für ihre engsten Freunde zu beten. Sie beten auch für Gleichaltrige, die sie vielleicht gar nicht so gut kennen. Außerdem ermutige ich die jungen Leiter dazu, die ganze Woche über weiterhin für die gezogene Person zu beten. Darüber hinaus fordere ich sie heraus, dieser Person mitzuteilen, dass wir für sie gebetet haben, und sie zu fragen, wie wir weiterhin für sie beten können.
Sobald wir für einen Jugendlichen gebetet haben, wandert sein Eisstiel in ein zweites Gefäß, bis wir für absolut jeden gebetet haben. Wenn alle Eisstiele in das zweite Gefäß umgezogen sind, wiederholen wir den gesamten Kreislauf. So beten unsere jungen Leiter ganz routinemäßig für jeden einzelnen Jugendlichen in unserer Jugendarbeit.
Indem wir dieses Gebetsritual zu einem festen Bestandteil unserer Treffen im Nachwuchsteam machen, lernen die jungen Leiter eine wichtige Lektion:
Sie erkennen, dass eine ihrer Rollen als Leiter in unserer Jugendarbeit darin besteht, beständig mit und für andere zu beten.
Darüber hinaus bringt dieses einfache Gebetsritual den Jugendlichen bei, andere bewusst wahrzunehmen. Es hilft ihnen auch massiv dabei, eine echte Willkommenskultur in unserer Jugendarbeit zu etablieren.
Der Effekt ist erstaunlich. Wenn ein Jugendlicher, der sonst nur selten vorbeischaut, plötzlich in unserer Jugendarbeit auftaucht, haben unsere jungen Leiter bereits das Gefühl, eine Beziehung zu ihm zu haben. Schließlich haben sie schon regelmäßig für ihn gebetet. Aber da ist noch mehr. Durch dieses regelmäßige Gebet für jeden Einzelnen in unserer Jugendarbeit durfte ich beobachten, wie Gott die Herzen einiger unserer jungen Leiter verändert hat. Er hat sie weicher gemacht gegenüber Personen, mit denen sie zuvor in Konflikte verwickelt waren.
Zu guter Letzt hilft diese Art von beständigem Gebetsritual den jungen Leitern zu verstehen, dass Gebet für unser Nachwuchsteam kein bloßer nachträglicher Einfall ist. Es ist ein entscheidender und wichtiger Teil dessen, was wir gemeinsam tun. Genau genommen ist es vielleicht sogar das Allerwichtigste, was wir gemeinsam tun.
Geistliche Ziele festlegen
Ein Leiterschaftsprinzip, nach dem ich lebe, bringt es auf den Punkt: Ein Leiter kann andere Menschen niemals weiterführen, als er selbst gekommen ist. Damit Jugendliche beständig in ihrem Glauben wachsen können, müssen junge Leiter das ebenfalls tun.
Um junge Leiter zum Wachstum herauszufordern, bitte sie darum, sich geistliche Ziele zu stecken.
Sprich in diesem Zuge darüber, dass gute Ziele greifbar und messbar sind. Das ermöglicht es den Jugendlichen, selbst zu überprüfen, ob sie diese erfolgreich erreicht haben oder nicht.
Nach der Klärung dieser Grundlagen forderst du die jungen Leiter heraus, sich selbst zwei oder drei geistliche Ziele zu setzen. Das können konkrete Schritte sein, die sie außerhalb eurer Jugendarbeit umsetzen wollen, um in ihrem Glauben zu wachsen. Gib den jungen Leitern einen festen zeitlichen Rahmen vor, in dem sie ihre Ziele erreichen sollen. In meiner Jugendarbeit machen wir das normalerweise zweimal im Jahr. Einmal im Sommer, wenn wir die Ziele für das erste Schulhalbjahr festlegen. Ein zweites Mal zum Jahreswechsel, wenn wir neue Ziele für das zweite Schulhalbjahr stecken.
Diese Aufgabe kann auf Jugendliche manchmal abschreckend wirken. Wenn du merkst, dass sich Jugendliche schwer damit tun, ihre geistlichen Ziele zu finden, gib ihnen zusätzliche Leitplanken an die Hand. Ein praktisches Beispiel: Bitte die jungen Leiter, eines ihrer geistlichen Ziele auf das Bibellesen auszurichten, ein zweites auf das Gebet und ein drittes auf die praktische Mitarbeit.
Nachdem du den Jugendlichen Zeit gegeben hast, über ihre geistlichen Ziele nachzudenken und dafür zu beten, bittest du sie, diese zusammen mit ihrem Namen auf eine Karteikarte zu schreiben. Lade sie anschließend ein, ihre Ziele in der Gruppe auszutauschen. Bitte die jungen Leiter dabei zu erklären, warum sie genau diese Ziele gewählt haben und wie sich ihr Glaube verändern könnte, wenn sie diese erfolgreich erreichen. Dieser Schritt hilft den Leitern in Worte zu fassen, warum ihre Ziele so wichtig sind und wie das Erreichen dieser Vorgaben sie in ihrem Glaubenswachstum voranbringt.
Während die Jugendlichen ihre Ziele miteinander teilen, kannst du an passenden Stellen behutsames Feedback geben. Halte dabei ganz besonders nach unrealistischen Zielen Ausschau. Es ist zwar gut und sogar gesund, wenn Ziele junge Leiter herausfordern. Dennoch möchtest du, dass die Leiter eine realistische Chance haben, sie auch wirklich umzusetzen, um dauerhafte Frustration zu vermeiden. Auch hierzu ein Beispiel: Wenn ein Jugendlicher als geistliches Ziel angibt, die komplette Bibel lesen zu wollen, ermutige ihn, dieses Vorhaben in kleinere Etappen zu unterteilen. Da die wenigsten Jugendlichen tatsächlich in der Lage sein werden, die ganze Bibel in vier bis fünf Monaten durchzulesen, motiviere sie stattdessen, sich als Erstes das Neue Testament vorzunehmen.
Sobald alle Leiter ihre geistlichen Ziele miteinander geteilt haben, kopierst du ihre Karteikarten. Gib ihnen das Original mit nach Hause. Sie sollen die Karte an einem Ort platzieren, an dem sie regelmäßig sichtbar an ihre geistlichen Ziele erinnert werden. Behalte die Kopien für dich selbst. Greife die geistlichen Ziele deines Teams mindestens einmal im Monat wieder auf, in euren Treffen oder über euren Team-Chat. Bitte die Jugendlichen um eine ehrliche Einschätzung, wie gut sie mit der Umsetzung ihrer Ziele vorankommen. Wenn Jugendliche von Rückschlägen berichten, reagiere mit Gnade. Bitte sie, darüber nachzudenken, warum sie ihr Ziel nicht erreichen konnten und was sie in diesem Prozess gelernt haben. Gib ihnen bei Bedarf die Möglichkeit, ihr Ziel anzupassen. Wenn Jugendliche von Erfolgen berichten, feiere das mit ihnen und reflektiere gemeinsam darüber. Bitte sie auch in diesem Fall darüber nachzudenken, was sie gelernt haben, wie ihr Glaube gewachsen ist und warum es für ihr zukünftiges geistliches Wachstum wichtig sein könnte, eine solche Gewohnheit beizubehalten.
Im Laufe der Zeit wirst du eine wichtige Entdeckung machen.
Allein die einfache Tatsache, sich Ziele zu setzen, sie aufzuschreiben und sie regelmäßig wieder in Erinnerung zu rufen, stößt bei deinen Leitern geistliches Wachstum an.
Wenn Leiter selbst wachsen, sind sie in der Lage, andere Jugendliche authentisch herauszufordern und dazu zu ermutigen, genau denselben Weg einzuschlagen. Darüber hinaus beginnen die Leiter durch die Arbeit an ihren geistlichen Zielen damit, geistliche Gewohnheiten zu entwickeln. Diese Gewohnheiten werden ihnen helfen, ihren Glauben noch lange nach dem Erreichen ihrer konkreten Ziele zu bewahren und zu stärken.
Gemeinsame Vision entwickeln
Wenn andere Jugendleiter hören, wie stark meine jungen Leiter in die Entwicklung der Vision für unsere Jugendarbeit eingebunden sind, schauen sie mich oft an, als wäre ich verrückt. Sie fragen sich, warum man Jugendlichen die Entwicklung der eigenen Vision anvertrauen sollte.
Ich sage dazu nur: Warum eigentlich nicht?
Bevor du mich nun für völlig übergeschnappt erklärst, lass mich ein paar Punkte klarstellen.
Als Leiter unserer Jugendarbeit bin ich nicht planlos unterwegs. Ich erwarte nicht von meinen jungen Leitern, dass sie mir erklären, wie ich leiten oder meine Arbeit machen soll. Unsere gemeinsame Visionsentwicklung findet in einem sorgfältig gestalteten Rahmen von einjähriger Jüngerschaft statt. Als Teil dieses Jüngerschaftsprozesses lernen meine jungen Leiter viel über gottgefällige Leiterschaft und die Gemeinde. Weil sie aktiv über diese Themen nachdenken und dazulernen, kann man ihnen große Verantwortung anvertrauen. Dazu gehört auch das Festlegen einer Vision. Da wir uns gemeinsam in einem Jüngerschaftsprozess befinden, kann ich den Ablauf zudem prägen. Ich lehne mich nicht einfach zurück, winke ab und sage, sie sollen mal machen. Vielmehr stelle ich Fragen, die den Jugendlichen helfen, eine Richtung einzuschlagen, die für unsere Jugendarbeit sinnvoll ist.
Da unsere jungen Leiter eine aktive Rolle bei der Entwicklung der Vision spielen, brechen wir normalerweise zwei klassische Regeln der Visionsfindung.
1. Unsere Vision lässt sich meistens nicht auf vier Wörter oder einen griffigen Slogan reduzieren. Wenn du meine jungen Leiter fragen würdest, wie die Vision ihrer Jugendarbeit lautet, würden sie dich wahrscheinlich nur verständnislos ansehen. Wenn wir an unserer Vision arbeiten, nennen wir es nämlich nicht so. Diese Sprache ergibt für Jugendliche keinen Sinn. Wenn du unsere jungen Leiter jedoch fragst, worum es in unserer Jugendarbeit geht, könnten sie dir sofort eine Antwort geben.
2. Unsere Vision verändert sich. Das ist völlig in Ordnung, denn unsere Jugendlichen verändern sich auch und wachsen alle vier Jahre aus unserer Jugendarbeit heraus. Anstatt unsere Leiter zu überdauern, soll unsere Vision sie und ihre Begabungen einzigartig widerspiegeln. Gleichzeitig soll sie ausdrücken, wer wir als Jugendarbeit in einem bestimmten Jahr sind.
In diesem Jahr haben meine jungen Leiter und ich die Vision für unsere Jugendarbeit im Rahmen unserer Gespräche über die weltweite Gemeinde entwickelt. Dabei haben wir das Buch »Searching for Sunday« von Rachel Held Evans als Grundlage genutzt. Eine der großen Stärken dieses Buches ist die Vorstellung verschiedener Gemeinden aus unterschiedlichen Konfessionen. Eine davon ist »The Refuge« von Kathy Escobar. Diese Gemeinde ließ sich sowohl von den Seligpreisungen als auch von den Zwölf Schritten der Anonymen Alkoholiker inspirieren. Rachel beschreibt, wie »The Refuge« anstelle eines starren Glaubensbekenntnisses lieber eine Einladung ausspricht. Diese Einladung besteht im Grunde aus mehreren Sätzen darüber, wer sie sind und was sie lieben.
Mit der Einladung von »The Refuge« als Vorbild bat ich meine jungen Leiter, in Kleingruppen eine eigene Einladung für unsere Jugendarbeit zu entwerfen. Das war im Kern unsere Vision dafür, wer wir als Jugendarbeit sind und was uns ausmacht. Anschließend stellten sie sich ihre Einladungen gegenseitig vor und fügten die besten Ansätze zu einer großen Erklärung zusammen. Hier ist das fertige Ergebnis.
»Wir stehen alle an ganz unterschiedlichen Punkten auf unserer Glaubensreise, aber wir helfen uns gegenseitig, im Glauben zu wachsen. Wir sind quasi unsere gegenseitigen Reiseleiter. Wir haben echt Spaß daran, gemeinsam dazuzulernen und zu wachsen. Wir lieben richtig gute Diskussionen und wollen echte Freundschaften bauen. Wir haben oft eine starke Meinung, sind aber trotzdem offen für neue Ideen. Wir schauen gerne über den Tellerrand. Wir feiern es, wenn jeder sich einbringt und in Diskussionen seine eigenen Gedanken raushaut. Wir bringen uns gegenseitig Dinge bei, genau wie Jesus es gemacht hat. Wir alle stellen auf unsere eigene Art Fragen, haben unsere Zweifel und haben keine Angst davor, auch mal völlig anderer Meinung zu sein. Wir kneifen vor den harten Themen nicht und stellen uns auch schwierigen Diskussionen. Wir können total ernsthaft und deep sein, wissen aber genauso gut, wie man einfach mal abschaltet und feiert! Wir sind ein bisschen verrückt und ziemlich großartig. Wir nehmen Menschen so an, wie sie sind. Wir feiern, wie unterschiedlich wir sind, und sehen die einzigartigen Gaben, die jeder Einzelne mitbringt. Wir sind Achtklässler, Neuntklässler, Zehntklässler und Abiturienten. Wir gehen auf Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen und in die Ausbildung. Wir sind Sportler, Musiker, Theaterspieler, Schülersprecher und ganz normale Vereinsmitglieder. Wir sitzen in Leistungskursen und in Grundkursen. Wir sind Fragende und Zweifler. Wir sind all das und noch viel mehr. Wer auch immer du bist, du gehörst dazu.«
Bei unserer letzten Renovierungsaktion im Jugendraum schrieben junge Leiter genau diese Worte sorgfältig auf zwei Leinwände. Diese hängen nun in unseren Räumlichkeiten und dienen als greifbare Erinnerung an unsere Vision für die Jugendarbeit in diesem Jahr. Diese Leinwände sehen fantastisch aus, aber möchtest du wissen, was das Allerbeste daran ist?
Die Vision gehört ihnen.
Da meine jungen Leiter die Vision entwickelt und die Einladung formuliert haben, identifizieren sie sich voll und ganz damit. Ihre Worte spiegeln ehrlich wider, wer wir als Jugendgruppe sind und wer wir sein wollen.
Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass meine jungen Leiter das ganze Jahr über dafür sorgen werden, dass diese Worte für sie selbst Realität bleiben. Dasselbe gilt für jede andere Person, die durch die Türen unseres Jugendraums kommt. Das wäre vermutlich nicht passiert, wenn ich in meinem Büro gesessen, die Vision im Alleingang entwickelt und sie meinen jungen Leitern einfach vorgesetzt hätte.
Anstelle dieses klassischen Von-oben-herab-Ansatzes habe ich nun etwas viel Besseres. Ich habe Jugendliche, die bevollmächtigt sind, ihre ganz eigene Vision für unsere Jugendarbeit zu leben.
Weiter mit Teil 3: Wie rüstest du dein Team aus?
