Ein Nachwuchsteam ist kein Werkzeug zur Effizienzsteigerung. Es ist eines der kraftvollsten Werkzeuge der Jüngerschaft, die du in deiner Jugendarbeit einsetzen kannst.

Einführung

Im letzten Artikel haben wir darüber gesprochen, dass die grundlegende Rolle junger Leiter darin besteht, eine Willkommenskultur zu etablieren. Eine häufige Frage, die ich als Reaktion auf diesen Gedanken erhalte, lautet: »Wie schulst und rüstest du junge Leiter aus, damit sie eine solche Willkommenskultur schaffen können?«

Ich nutze drei Ansätze, um Jugendliche für ihre Leiterschaft und insbesondere für ihre Rolle beim Schaffen einer Willkommenskultur auszurüsten. Das sind verbindliche Lektüre, das Schreiben von Blogbeiträgen und wöchentliche Auswertungen.

Verbindliche Lektüre

Da es bei junger Leiterschaft im Kern um Jüngerschaft geht, müssen wir feste Zeiten für die Schulung der jungen Leiter einplanen. Zu diesem Zweck trifft sich mein Nachwuchsteam im Laufe der Sommerferien einige Male. Diese Treffen konzentrieren sich fast ausschließlich darauf, die Jugendlichen für ihre Rolle als Leiter auszurüsten. Das gibt uns reichlich Zeit, sie auf ihre Aufgabe beim Aufbau einer Willkommenskultur vorzubereiten, bevor das neue Schuljahr startet. Um dieses Training zu unterstützen, erwarte ich von den jungen Leitern, dass sie gemeinsam ein Buch lesen und darüber diskutieren.

Da ein Jugendlicher in unserer Jugendarbeit höchstens drei Jahre lang als Leiter mitarbeiten kann, nutze ich einen Drei-Jahres-Rhythmus für unsere Bücherauswahl. Im ersten Jahr lesen wir ein Buch, das sich gezielt mit Leiterschaft befasst. Im zweiten Jahr nehmen wir uns ein Buch über Jesus vor, der das wichtigste Vorbild für dienende Leiterschaft ist.

Wir lesen auch deshalb ein Buch über Jesus, weil junge Leiter andere Jugendliche niemals tiefer führen können, als sie selbst in ihrem Glauben stehen.

Folglich möchte ich die jungen Leiter herausfordern, in ihrem Glauben zu wachsen, während sie genau dabei anderen Jugendlichen helfen. Im dritten Jahr lesen wir ein Buch über die Gemeinde. Das tun wir, weil ich mir wünsche, dass die Jugendlichen als junge Leiter die Gemeinde und ihren eigenen Platz darin verstehen und wertschätzen. Sie sollen begreifen, wie sich unsere Jugendarbeit in die Gesamtgemeinde einfügt. Gleichzeitig möchte ich sie herausfordern, sich eine geistliche Heimat zu suchen, die sie noch lange trägt, nachdem sie altersbedingt aus unserer Jugendarbeit herausgewachsen sind.

Obwohl ich auf eine große Bandbreite an Büchern zurückgreife, halte ich generell nach Werken Ausschau, die folgende Kriterien erfüllen.

  • Gedankenanstoßend. Oft bedeutet das, dass ich nicht mit allem übereinstimme, was der Autor schreibt. Ein inhaltlicher oder sogar theologischer Konflikt mit der Meinung eines Autors liefert jedoch großartigen Stoff für Diskussionen. Solche Gespräche bringen die Jugendlichen mit anderen Blickwinkeln in Berührung und geben ihnen die Chance, sich ernsthaft mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen.
  • Zugänglich und lebensnah. Wie du an der folgenden Liste der Bücher sehen wirst, die ich mit meinen Jugendlichen gelesen habe, richten sich die meisten nicht explizit an Jugendliche. Dennoch sind sie alle für diese Altersgruppe zugänglich. Dabei habe ich festgestellt, dass Jugendliche am besten auf biografische Ansätze ansprechen. Sie lieben es, Gott durch die Lebensgeschichte einer anderen Person zu entdecken und ihm dort zu begegnen.
  • Eine machbare Länge. Ich drücke den Jugendlichen keinen fünfhundertseitigen Wälzer über Ekklesiologie in die Hand. Vielmehr wähle ich meistens Bücher, die maximal zweihundert Seiten umfassen. Danach teile ich das Buch auf unsere Sommertreffen auf. So haben die Jugendlichen ihre verbindliche Leiter-Lektüre pünktlich zum Schulstart abgeschlossen.
  • Anwendbar auf Leiterschaft. Ganz klar: Die Bücher, die wir über Jesus und die Gemeinde lesen, haben auf den ersten Blick nicht so offensichtlich mit junger Leiterschaft zu tun wie ein explizites Fachbuch zu diesem Thema. Durch die bewusste Auswahl dieser Bücher kann ich jedoch wertvolle Erkenntnisse herausziehen, die sich auf unser übergeordnetes Thema beziehen. Ich schneide die Diskussion bei jedem Treffen so zu, dass wir nicht nur über das Buch an sich sprechen. Wir unterhalten uns auf eine Weise darüber, die sich ganz konkret auf die Rolle der Jugendlichen als junge Leiter in unserer Jugendarbeit übertragen lässt.

Es gibt eine riesige Auswahl an Büchern, die sich hervorragend für die Jüngerschaft mit jungen Leitern eignen. Hier sind die Werke, die ich in der Vergangenheit genutzt habe.

  • Bücher über Leiterschaft: »Help! I'm a Student Leader!« von Doug Fields. Das ist übrigens das einzige Buch, das ich jemals in mehreren Zyklen verwendet habe.
  • Bücher über Jesus: »Relearning Jesus« von Matthew Paul Turner und »Jesus > Religion« von Jefferson Bethke.
  • Bücher über die Gemeinde: »Reluctant Pilgrim« von Enuma Okoro und »Searching for Sunday« von Rachel Held Evans.
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Deutschsprachige Leseempfehlungen
Die von Jen empfohlenen Bücher sind auf Englisch erschienen. Hier sind passende deutschsprachige Alternativen für jeden Bereich:
Leiterschaft: »Abenteuer Jugendarbeit« von Doug Fields
Jesus: »Warum ich Religion hasse. Und Jesus liebe.« von Jefferson Bethke und »Geistliche Leiterschaft« von Oswald Sanders
Gemeinde: »Das Spalier und der Weinstock« von Colin Marshall und Tony Payne und »Briefe an die Kirche« von Francis Chan

Vertrau mir.

Völlig unabhängig davon, welches Buch du mit deinen jungen Leitern liest, sie werden anfangs darüber stöhnen und jammern. Aber ich kann gar nicht mehr mitzählen, wie viele Jugendliche mir Jahre später erzählt haben, wie stark sie ein bestimmtes Buch geprägt hat, das wir im Nachwuchsteam besprochen haben.

Ich durfte erleben, dass klug ausgewählte Bücher jungen Leitern dabei helfen, sich aktiv in Diskussionen über ihren Glauben und über Leiterschaft einzubringen. In genau diesem Prozess wachsen sie auf unglaubliche Weise in beiden Bereichen ihres Lebens.

Schreiben von Blogbeiträgen

Neben der verbindlichen Lektüre nutze ich noch einen weiteren Ansatz, um Jugendliche für ihre Leiterschaft zu schulen, ganz besonders für das Etablieren einer Willkommenskultur. Ich lasse sie an einem Team-Blog mitschreiben. Das Bloggen zwingt die Jugendlichen, sich unter der Woche ganz bewusst mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Außerdem eröffnet es unserem Team einen weiteren Kommunikationskanal und ein starkes Werkzeug, um im Alltag Themen durchzusprechen und Entscheidungen zu treffen.

Um das klarzustellen. Ich verwende das Wort »Bloggen« hier sehr weit gefasst. Ein internes Diskussionsforum trifft die Sache vermutlich sogar noch besser.

Unabhängig von der genauen Bezeichnung ist unser Blog privat. Nur unser Team hat Zugriff darauf. So schützen wir die Jugendlichen und machen den Blog zu einem sicheren Ort für ihren Austausch. Die jungen Leiter wissen, dass eine Beteiligung am Blog von ihnen erwartet wird. Dieser Punkt ist ein fester Bestandteil unserer Teamvereinbarung. Ich veröffentliche die Impulse zu Beginn der Woche, meistens am Montag oder Dienstag. Die Teammitglieder haben dann bis Samstagmittag Zeit, darauf zu antworten. Diese Frist gibt mir genügend Vorlauf, um ihre Rückmeldungen für unsere persönlichen Treffen am Sonntag zusammenzufassen.

Jede Woche stelle ich einen neuen Impuls ein, der normalerweise aus drei Fragen besteht. Eine Frage dreht sich um geistliches Wachstum, eine um Leiterschaft und die dritte ist extrem praktisch gehalten. Wenn die Jugendlichen im Sommer ihre verbindliche Lektüre durcharbeiten, beziehen sich die Fragen zu Glaubenswachstum und Leiterschaft meistens direkt auf das Buch, das wir gemeinsam lesen. Anschließend nutze ich die Antworten der Jugendlichen als Ausgangspunkt für unsere Diskussionsrunde in dieser Woche.

Während des Schuljahres können die Fragen zum geistlichen Wachstum aus den Rechenschaftsfragen stammen, die sie selbst entworfen haben. Sie können sich aber auch auf die geistlichen Ziele beziehen, die sich die jungen Leiter selbst gesteckt haben. Manchmal dienen sie auch der Nachbereitung eines Gesprächs, das wir entweder im Nachwuchsteam oder in der regulären Jugendarbeit geführt haben. Solche Fragen sollen die jungen Leiter dazu anregen, noch tiefer über ein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Bibeltext nachzudenken.

Die Fragen rund um das Thema Leiterschaft können während des Schuljahres auf einem Leitungs-Zitat basieren. Genau wie die Fragen zum geistlichen Wachstum greifen sie manchmal auch auf unsere festgelegten Rechenschaftsfragen zurück. Gelegentlich haben sie einen stärker reflektierenden Charakter. Dann helfen sie den Jugendlichen dabei, auszuwerten, wie gut sie ihre Rolle als junge Leiter bei einer bestimmten Aktion ausgefüllt haben.

Praktische Fragen sind genau das. Sie sind wahnsinnig praktisch orientiert und sollen den Jugendlichen entweder bei der Vorbereitung einer bevorstehenden Aktion oder bei der Lösung konkreter Probleme helfen. Manchmal stehen diese Fragen für sich allein. Das bedeutet, dass wir sie ausschließlich über unseren Austausch im Blog klären. In anderen Fällen nutze ich sie als Sprungbrett für ein persönliches Gespräch beim nächsten Treffen.

Ähnlich wie bei der verbindlichen Lektüre ist das Bloggen nicht die Lieblingsaufgabe meiner jungen Leiter. Dennoch ist es von unschätzbarem Wert. Es vertieft unsere Gespräche, macht die Jugendlichen verbindlich und vermittelt ihnen eine unglaublich wichtige Lektion.

Bei Leiterschaft geht es viel mehr um Treue als um Ruhm und Ehre.

Manchmal lernt man Treue am besten, indem man Woche für Woche ganz unscheinbare Routineaufgaben im Hintergrund erledigt, von denen sonst niemand etwas mitbekommt. Aufgaben wie das Schreiben in unserem internen Blog.

Wöchentliche Auswertungen

Neben der verbindlichen Lektüre und dem Bloggen nutze ich noch einen weiteren Ansatz, um Jugendliche für ihre Leiterschaft zu schulen. Ganz besonders im Hinblick auf das Etablieren einer Willkommenskultur führe ich regelmäßige Auswertungen unserer wöchentlichen Veranstaltungen in der Jugendarbeit durch.

Regelmäßige Auswertungen geben jungen Leitern die Möglichkeit, das Tempo herauszunehmen und zu reflektieren. Das bringt Jugendlichen bei, Gott ganz bewusst wahrzunehmen. Auswertungen bewahren Jugendliche zudem davor, in ihren Rollen träge zu werden. Sie fordern Jugendliche heraus, darüber nachzudenken, wie sie noch bessere Diener und Leiter sein können. Genau das befeuert wiederum ihr persönliches Wachstum. Darüber hinaus halten regelmäßige Auswertungen Jugendliche demütig. Sie helfen Jugendlichen dabei, an ihre Rollen als junge Leiter mit einer lernbereiten Haltung heranzugehen. Diese Haltung fragt immer wieder: »Wie können wir das noch besser machen?« Ein solches Denken verhindert, dass man sich mit einem »Gut genug« oder dem berühmt-berüchtigten »Das haben wir schon immer so gemacht« zufriedengibt.

Auf diese Weise laden Auswertungen Jugendliche tatsächlich dazu ein, groß zu träumen und neue Wege auszuprobieren. Das gilt auch und gerade dann, wenn sie dabei scheitern.

Trotz der großen Vorteile können regelmäßige Auswertungen durchaus heikel sein. Man wünscht sich, dass die Leute ihre Gefühle authentisch ausdrücken und ehrliches Feedback geben. Gleichzeitig möchte man nicht, dass jemand am Ende das Gefühl hat, niedergemacht worden zu sein. Niemand soll denken, dass all das Herzblut, das er in eine Aufgabe gesteckt hat, völlig bedeutungslos war.

Aus diesem Grund ist es extrem wichtig, vom allerersten Tag an eine gesunde Kultur für Auswertungen zu etablieren. Um das zu erreichen, solltest du ein paar Grundregeln aufstellen und diese bei jeder Auswertung wiederholen. Die Grundregeln meines Teams umfassen die folgenden Punkte.

  • Teile deine Gedanken ehrlich und offen.
  • Respektiere die Anwesenden im Raum genauso wie diejenigen außerhalb des Raumes, die hart für dieses Event oder diese Aktion gearbeitet haben.
  • Erinnere dich daran, dass sich Auswertungen nicht nur darum drehen, was dir gefallen oder nicht gefallen hat. Behalte während unserer Auswertung im Hinterkopf, dass du auch stellvertretend für alle anderen in unserer Jugendarbeit sprichst.
  • Es gibt einen Unterschied zwischen bloßem Meckern und dem Geben von gesundem Feedback. Stelle sicher, dass deine Worte dem Wohl der gesamten Gruppe dienen.

Neben der ständigen Wiederholung und der gegenseitigen Rechenschaft über diese Grundregeln solltest du gute Fragen stellen. Diese geben den Auswertungen eine gesunde Ausrichtung. Als praktisches Beispiel findest du hier die drei Fragen, die ich zur Auswertung jedes einzelnen Treffens nutze. Das schließt sowohl unsere regulären wöchentlichen Jugendtreffen als auch besondere Aktionen ein.

  • Was haben wir als Nachwuchsteam richtig gut gemacht?
  • In welchen konkreten Bereichen müssen wir uns als Nachwuchsteam noch verbessern?
  • Wo hast du Gott während dieser Aktion gesehen und erlebt?

Dir fällt sicher auf, dass ich die jungen Leiter nicht danach frage, was ihnen an einer Aktion gefallen oder missfallen hat. Mein Fokus liegt stattdessen darauf, was sie als gemeinsames Team gut gemacht haben und woran sie noch arbeiten müssen. Dieser Ansatz verhindert, dass das Gespräch im Hinblick auf eine bestimmte Person oder einen einzelnen Ablauf extrem negativ wird. Er bewahrt euch auch davor, dass die Runde zu einer wöchentlichen Bewertung deiner eigenen Predigt verkommt. Vielmehr ermöglichen solche Fragen dem Team, sich gegenseitig in die Pflicht zu nehmen. Das gilt ganz besonders für ihre Rolle beim Etablieren einer Willkommenskultur. Wenn du Jugendliche bittest, konkrete Schritte zu benennen, die sie als Nachwuchsteam zur Verbesserung eurer Treffen umsetzen können, gibst du ihnen ein echtes Gefühl von Mitverantwortung für eure Jugendarbeit. Es erinnert sie daran, dass eure Erfolge und eure Misserfolge maßgeblich von ihnen abhängen.

Ein letzter Weg, um eine gesunde Kultur für Auswertungen zu schaffen, liegt in der absoluten Regelmäßigkeit. Wertet wirklich jedes einzelne Mal aus, wenn ihr zusammenkommt. Dieses Vorgehen ermöglicht Auswertungen zu einem Zeitpunkt, an dem eine Aktion oder ein Treffen noch völlig frisch in Erinnerung ist. Dadurch könnt ihr das ganze Jahr über Abläufe korrigieren und fortlaufend verbessern. Durch das Stellen derselben Auswertungsfragen bei jedem Treffen bringst du den jungen Leitern bei, bei euren Veranstaltungen viel aufmerksamer zu sein. Manchmal befähigt sie das sogar dazu, Schwachstellen sofort zu bemerken und direkt vor Ort zu beheben, bevor sie überhaupt zu einem echten Problem werden. Sie müssen dann nicht erst warten, bis ihr sie nach der Veranstaltung in der Auswertung als solche identifiziert.

Regelmäßige Auswertungen sind absolut keine Belastung für Jugendliche. Ganz im Gegenteil. Sie sind ein unglaublich wichtiger Weg, um Jugendliche auszurüsten, zu inspirieren und herauszufordern, damit sie ihre Rolle als junge Leiter noch wirkungsvoller leben können.

Dieser Artikel wurde von Jen Bradbury verfasst und zuerst von Download Youth Ministry veröffentlicht. Deutsche Version von Esther Penner.