Ein Nachwuchsteam ist kein Werkzeug zur Effizienzsteigerung. Es ist eines der kraftvollsten Werkzeuge der Jüngerschaft, die du in deiner Jugendarbeit einsetzen kannst.
Einführung
Als ich vor über einem Jahrzehnt meine erste Stelle in der Jugendarbeit antrat, war das Thema »junge Leiterschaft« allgegenwärtig, in Büchern, Magazinen und auf Konferenzen. Seitdem scheint die Idee, gezielt in Jugendliche als Leiter zu investieren, jedoch etwas aus der Mode gekommen zu sein. Sicher, es gibt noch ein paar Stimmen, die sich dafür starkmachen, aber ich habe nicht mehr das Gefühl, dass es zum Standardrepertoire der meisten Jugendgruppen gehört.
Für mich persönlich ist die Förderung junger Leiter, und ganz speziell der Aufbau eines Nachwuchsteams, jedoch einer der wichtigsten Aspekte der Jugendarbeit überhaupt. Genau deshalb werde ich hier bei MrJugendarbeit in den nächsten Wochen über die Grundlagen von junger Leiterschaft sprechen.
Lass uns zu Beginn direkt folgende Frage klären:
Bei all den Aufgaben, die du als Jugendleiter ohnehin schon hast, warum solltest du ausgerechnet in ein Nachwuchsteam Zeit und Energie investieren?
Bevor ich darauf antworte, lass mich noch ein weitverbreitetes Missverständnis aus dem Weg räumen.
Ein solches Nachwuchsteam wird dir als Jugendleiter keine Zeit sparen. Die Jugendlichen sind nicht dazu da, deine Handlangerdienste zu erledigen. Sie sind dabei, um zu lernen, wie man Gemeinde baut. Sie gehören zu den »Heiligen«, die wir laut Epheser 4,12 für ihren Dienst ausrüsten sollen. Alles, was du gemeinsam mit jungen Leitern anpackst, wird in der Regel doppelt, wenn nicht sogar dreimal so lange dauern, als wenn du es selbst erledigen würdest.
Aber der Aufwand lohnt sich. Denn bei junger Leiterschaft geht es im Kern um Jüngerschaft. Und Jüngerschaft kostet immer Zeit.
Das ist, kurz gesagt, auch der Hauptgrund, warum du in ein solches Nachwuchsteam investieren solltest. Es ist ein enorm wirkungsvolles Werkzeug, um eine Gruppe von Jugendlichen in die Jüngerschaft zu nehmen. Wenn Jugendliche lernen, andere anzuleiten, werden sie auf vielfältige Weise aus ihrer Komfortzone herausgeholt. In diesem Prozess lernen sie (oder werden dazu gezwungen), sich auf eine Art und Weise auf Jesus zu verlassen, wie sie es vorher nie mussten. Wenn das passiert, gewinnt ihre Beziehung zu Jesus an Tiefe, und damit auch ihr Gebetsleben.
Wenn du die Entwicklung junger Leiter als Jüngerschaft verstehst, wird Jesus zu deinem wichtigsten Vorbild für Führung. Deine Aufgabe ist es dann, den Jugendlichen vor Augen zu malen, dass Jesus nicht durch Macht, sondern durch Dienen geführt hat, und sie herauszufordern, denselben Weg einzuschlagen. Deine Jugendarbeit ist vielleicht der einzige Ort, an dem diese Jugendlichen jemals lernen, was echte Leiterschaft wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, Macht über andere auszuüben, sondern den eigenen Einfluss und die eigenen Privilegien für die Menschen einzusetzen, die beides nicht haben. Sobald junge Leiter diesen Kern begreifen, fangen sie auch an, sich mit Fragen von gerechtem Handeln auseinanderzusetzen. Sie beginnen zu entdecken, wie Gott sie beruft, aktiv an seinem Reich mitzubauen.
Wenn du junge Leiterschaft durch die Brille der Jüngerschaft betrachtest, wirst du deinen Jugendlichen echte Verantwortung übertragen. Echte Verantwortung zeigt ihnen, dass sie im Leben eurer Gemeinde zählen und ihre Gaben für den Leib Jesu unverzichtbar sind. Wenn Jugendliche das einmal am eigenen Leib erfahren haben, wird es für sie schwer, wenn nicht sogar unmöglich, Gemeinde einfach nur noch zu konsumieren. Und genau das macht sie zu einem echten Gewinn für jede Gemeinde, der sie sich anschließen.
Kurz gesagt solltest du Zeit und Energie in ein Nachwuchsteam investieren, weil es ein starker Motor für Jüngerschaft ist und weil es zu unserer Berufung als Jugendleiter gehört, andere für den Dienst auszurüsten.
Weil das wahr ist, ist junge Leiterschaft viel mehr als nur ein vorübergehender Trend. Sie ist ein absolut notwendiger Bestandteil der Jugendarbeit, ein Segen für deine Jugendlichen, deinen Dienst und die Zukunft der Gemeinde.
Die sechs Merkmale
In meinem ersten Jahr in der Jugendarbeit hielt ich bei jungen Leitern vor allem nach einer bestimmten Eigenschaft Ausschau. Es ging mir um geistliche Reife.
Bedauerlicherweise fiel es mir unglaublich schwer, Jugendliche zu finden, die man ernsthaft als geistlich reif bezeichnen konnte.
Das leuchtet völlig ein, wenn man bedenkt, dass Jugendliche sich noch in jeder Hinsicht in der Entwicklung befinden. Das schließt auch das Wachstum in ihrem Glauben ein.
Seit mir das klar geworden ist, halte ich geistliche Reife nicht mehr für das wichtigste Kriterium bei jungen Leitern. Stattdessen achte ich mittlerweile auf die folgenden sechs Merkmale.
- Eine wachsende Beziehung zu Jesus. Anstatt nach Jugendlichen zu suchen, die geistlich bereits reif sind, wünsche ich mir junge Leiter, die aktiv in ihrer Beziehung zu Jesus wachsen. Das liegt zum einen an dem Entwicklungsstadium, in dem sich Jugendliche befinden. Zum anderen erzählen mir Jugendliche immer wieder, dass die Mitarbeit in unserem Nachwuchsteam den absolut größten Einfluss auf ihren Glauben in dieser Lebensphase hatte. Aus diesem Grund ist mir der Wunsch eines Jugendlichen, im Glauben zu wachsen, inzwischen weitaus wichtiger als die Frage, wie »geistlich reif« er zum Zeitpunkt seiner Anmeldung ist.
- Lernbereitschaft. Wenn es um junge Leiterschaft geht, war mein größter Fehler, einen Jugendlichen ins Team aufzunehmen, der nur seine eigene Agenda verfolgte. Dieser Jugendliche wusste ganz genau, wie eine Jugendgruppe auszusehen hatte. Dummerweise unterschied sich seine Definition drastisch von meiner. So verbrachten wir das ganze Jahr damit, gegeneinander zu kämpfen. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass junge Leiter lernbereit sein müssen. Sie müssen offen an die Aufgabe herangehen und bereit sein, alles über ihren Glauben, über Leiterschaft und über Jugendarbeit zu lernen, was sie nur können. Dabei habe ich oft festgestellt, dass die besten jungen Leiter diejenigen sind, die anfangs noch etwas unsicher auftreten. Sie vertrauen mehr auf ihre eigene Lernbereitschaft als auf ihre tatsächlichen Führungsqualitäten. Solche Jugendliche sind formbar, wissbegierig und bereit, Feedback anzunehmen, das ihnen hilft, bessere Leiter zu werden.
- Verbindlichkeit. Da man keine Menschen prägen kann, die man nicht kennt, müssen junge Leiter deiner Jugendarbeit verbindlich gegenüberstehen. Deshalb suche ich bei der Auswahl nach Jugendlichen, die aktiv in unserer Arbeit mitmischen. Darüber hinaus achte ich auf Jugendliche, die sich voll einbringen, wann immer sie anwesend sind. Da die Jugendarbeit außerdem nur ein Teil einer größeren Gemeinde ist, halte ich zusätzlich Ausschau nach Jugendlichen, die sich nicht nur in der Jugendgruppe, sondern in der Gemeinde als Ganzes engagieren.
- Eine dienende Haltung. Da Jesus uns dienende Leiterschaft vorgelebt hat, suche ich bei potenziellen jungen Leitern nach genau diesem Herzen. Jugendliche mit einer solchen Haltung meiden oft das Rampenlicht. Stattdessen findet man sie nach einer Veranstaltung dabei, wie sie Stühle aufräumen oder Müll aufsammeln. Diese Jugendlichen lassen sich auch oft für soziale Einsätze und praktische Hilfsprojekte begeistern. Sie haben in jeder Situation ein Auge für die Außenseiter und suchen ganz bewusst das Gespräch mit denen, die von anderen oft ignoriert werden.
- Die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Scheitern erzeugt Wachstum. Deshalb achte ich bei der Auswahl junger Leiter auf Jugendliche, die bereit sind, etwas zu riskieren. Um das klarzustellen: Ich möchte keine waghalsigen oder leichtsinnigen jungen Leiter. Ich wünsche mir jedoch junge Leiter, die regelmäßig ihre Komfortzone verlassen. Wenn sie das tun, werden sie gezwungen sein, sich auf völlig neue Art und Weise auf Gott zu verlassen. Außerdem brauche ich junge Leiter, die sich nicht damit zufriedengeben, alles einfach immer so zu machen, wie wir es schon immer gemacht haben. Das erfordert die Bereitschaft zum Experimentieren, selbst wenn wir, oder sie, dabei scheitern.
- Eine positive Einstellung. Junge Leiter prägen die Atmosphäre in deiner Jugendarbeit maßgeblich. Deshalb halte ich Ausschau nach positiv eingestellten Jugendlichen für die Mitarbeit. Ich möchte die Gewissheit haben, dass meine jungen Leiter flexibel bleiben, auch wenn Pläne mal ins Wasser fallen. Sie sollen bereit sein, sich den Umständen anzupassen und auf diesem Weg Gott an unerwarteten Orten und auf überraschende Weise zu begegnen.
Die richtige Teamgröße
Eine häufige Frage, die ich zum Thema Nachwuchsteams bekomme, lautet: »Wie viele Jugendliche sollten in deinem Team aus jungen Leitern sein?«
Meine Antwort darauf frustriert die Leute oft.
Es kommt darauf an.
Bei meinem eigenen Team aus jungen Leitern gibt es nämlich keine feste Anzahl an Plätzen.
Das ist eine ganz bewusste Entscheidung meinerseits. Wenn du eine feste Anzahl von Plätzen hast, gehst du ein Risiko ein. Du könntest gezwungen sein, diese Plätze mit jemandem besetzen zu müssen, auch wenn diese Person noch gar nicht unbedingt bereit für die Mitarbeit als junger Leiter ist.
Anstatt eine bestimmte Anzahl von Plätzen füllen zu müssen, möchte ich lieber die Freiheit haben, das bestmögliche Team zusammenzustellen. In manchen Jahren bestand mein Nachwuchsteam dadurch aus fünf Jugendlichen und in anderen Jahren aus zehn.
Dennoch gibt es ein paar allgemeine Prinzipien, an denen ich mich bei der Entscheidung über die Teamgröße orientiere.
Du musst in der Lage sein, die Mitglieder deines Teams in die Jüngerschaft zu nehmen. Wenn junge Leiterschaft wirklich ein Motor für Jüngerschaft ist, dann muss die Größe des Teams genau das auch zulassen. Seien wir ehrlich. So sehr wir uns auch wünschen, eine unbegrenzte Anzahl von Jugendlichen richtig gut in die Jüngerschaft zu nehmen, wir können es einfach nicht. Halte dich also an den Maßstab von Jesus. Auf jeden erwachsenen Leiter, der im Team mitarbeitet, sollten nicht mehr als zwölf Jugendliche kommen.
Klein bedeutet nicht gleich schlecht. Mein Nachwuchsteam wird am Ende dieses Schuljahres kleiner werden. Obwohl wir oft dazu neigen, unseren Erfolg an nackten Zahlen zu messen, schäme ich mich überhaupt nicht für diese Aussage. Wir haben in diesem Jahr einen großen Jahrgang an Jugendlichen, die ihren Schulabschluss machen. Das bedeutet ganz praktisch, dass die Gruppe der ausscheidenden jungen Leiter deutlich größer ist als die Zahl der neuen Interessenten. Das ist völlig in Ordnung. Vielleicht ist es sogar gut so. Jüngerschaft kann in kleineren Teams oft viel tiefer gehen. Zudem ist es meistens wesentlich einfacher, den Fokus in einer kleinen Gruppe von Jugendlichen zu halten als in einer großen. Aus genau diesem Grund haben einige meiner kleinsten Nachwuchsteams in der Vergangenheit tatsächlich das meiste bewegt.
Dein Nachwuchsteam sollte im richtigen Verhältnis zur Größe deiner gesamten Jugendarbeit stehen. Wenn deine Jugendgruppe aus zehn Jugendlichen besteht, ist ein Team aus acht jungen Leitern vermutlich keine gute Idee. Du solltest absolut vermeiden, dass dein Team so groß wird, dass sich die anderen auf euren Veranstaltungen wie das fünfte Rad am Wagen fühlen, nur weil sie nicht dazugehören.
Mach dir also Gedanken über die Größe deiner Jugendarbeit. Triff dann für dich selbst die Entscheidung, wie groß dein Nachwuchsteam sein sollte. Ob du nun ein Team aus drei oder aus zwanzig Leuten hast, am Ende zählt vor allem eins: Investiere dich in die Jugendlichen deines Teams und vertraue darauf, dass durch diesen Einsatz sowohl ihr Glaube als auch ihre Mitarbeit wachsen werden.
Die Teamvereinbarung
Klare Kommunikation trägt massiv zu einer wirkungsvollen Jugendarbeit bei. Das gilt besonders dann, wenn du mit den Leitern deiner Jugendgruppe zu tun hast. Wenn es um Nachwuchsteams geht, hilft bei diesem Prozess vor allem ein Werkzeug enorm weiter. Die Einführung einer Teamvereinbarung.
Eine solche Vereinbarung ist im Grunde ein Vertrag. Ich verwende ganz bewusst den Begriff »Vereinbarung«, weil er auch in der Bibel eine zentrale Rolle spielt. Gott schließt eine Vereinbarung – einen Bund – mit Abraham und mit Noah. Er stiftet einen neuen Bund mit uns, der in Jesus seine Erfüllung findet.
Diese Vereinbarungen für das Nachwuchsteam legen die Erwartungen an die Teilnehmer fest. Sie klären, wie sie miteinander und mit der gesamten Gemeinde umgehen. Sie sollten die Werte deines Teams widerspiegeln und aufzeigen, was du dir von einem jungen Leiter wünschst. Auch wenn nicht jeder Punkt auf eurer Vereinbarung in Stein gemeißelt sein muss, solltest du, wo immer möglich, konkrete Zahlen und Beispiele nennen.
Lege diese Teamvereinbarung direkt dem Interessensbogen für dein Nachwuchsteam bei. Bitte sowohl die Jugendlichen als auch ihre Eltern, das Dokument als Teil des Einstiegsprozesses zu unterschreiben. Das stellt sicher, dass die potenziellen jungen Leiter und ihre Eltern ganz genau wissen, was von ihnen in dieser Rolle erwartet wird. Mit ihrer Unterschrift versprechen sie, sich an diese Vorgaben zu halten, falls sie für das Nachwuchsteam ausgewählt werden.
Ein weiterer Vorteil liegt in der klaren Kommunikation deiner Erwartungen. Die Vereinbarung wird so zu einem natürlichen Filter. Sie hilft den Jugendlichen dabei, für sich selbst abzuwägen, ob sie sich wirklich für dein Nachwuchsteam eintragen wollen. Ein kurzes Beispiel. Die Rückgabefrist für die Interessensbögen meiner Jugendarbeit war am vergangenen Sonntag. Ein Mädchen, das einen Bogen mitgenommen hatte, kam auf mich zu und erklärte mir ihre Entscheidung. Sie hatte sich die Teamvereinbarung genau durchgelesen und gemerkt, wie viel tatsächlich von ihr gefordert wird. Daraufhin entschied sie sich ganz bewusst gegen eine Mitarbeit. Sie hatte das Gefühl, dass sie weder diesem Team noch ihren vielen schulischen Nachmittagsaktivitäten wirklich treu gerecht werden konnte. Das ist eine Entscheidung, die ich aus vollem Herzen respektiere und begrüße.
Um dir ein Beispiel für ein solches Dokument zu geben, zeige ich dir hier die Variante, die ich in meiner Jugendarbeit verwende.
Wenn ich in das Nachwuchsteam unserer Jugendarbeit aufgenommen werde, verpflichte ich mich zu den folgenden Punkten.
- Ich mache das Nachwuchsteam zu einer Priorität in meinem Leben.
- Ich nehme an vier bis sechs Treffen des Nachwuchsteams während der Sommerferien teil, plus an einem Teamwochenende mit Übernachtung.
- Ich bin bei achtzig Prozent der wöchentlichen Teamtreffen zwischen dem 1. September und dem 31. Mai anwesend.
- Ich besuche jeden Monat fünfundsiebzig Prozent der regulären Veranstaltungen unserer Jugendarbeit, die beispielsweise am Freitagabend oder Sonntagmorgen stattfinden.
- Ich nehme an gemeinsamen Aktionen und sozialen Einsätzen unserer Jugendarbeit teil, um dort als junger Leiter Verantwortung zu übernehmen.
- Ich besuche treu die Gottesdienste unserer Gemeinde.
- Ich nehme an der jährlichen Gemeindeversammlung im Januar teil.
- Ich arbeite mit dem Jugendleiter zusammen, um meine spezifische Rolle im Nachwuchsteam auszufüllen.
- Ich gehe Risiken ein. Auch dann, wenn ich dabei scheitere.
- Ich halte Ausschau nach Möglichkeiten, mich praktisch einzubringen. Das gilt sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Jugendarbeit.
- Ich habe ein offenes Auge für Einzelgänger und neue Besucher. Ich tue das auch dann, wenn es bedeutet, dass ich weniger Zeit mit meinen eigenen Freunden verbringe.
- Ich bin flexibel und ermutige andere.
- Ich lege durchgehend eine positive Einstellung an den Tag.
- Ich wage mich an neue Herausforderungen heran.
- Ich stelle die Bedürfnisse der gesamten Gruppe über meine eigenen.
- Ich spreche positiv über unsere Jugendarbeit, den hauptamtlichen Jugendleiter, die erwachsenen Mitarbeiter und die anderen Jugendlichen.
- Ich kläre Konflikte direkt mit den betroffenen Personen.
- Ich unternehme konkrete Schritte, um aktiv als Leiter zu wachsen. Dazu gehört, dass ich ein Buch über Leiterschaft lese und dieses während des Sommerhalbjahres mit dem Team diskutiere. Außerdem teile ich meine Gedanken zu bestimmten Themen wöchentlich über unseren Team-Blog.
- Ich gehe aktive Schritte, um geistlich zu wachsen, sowohl ganz persönlich für mich als auch in der Gemeinschaft mit den anderen.
Das Kennenlerngespräch
Im Rahmen des Einstiegsprozesses für unser Nachwuchsteam führe ich mit jedem Jugendlichen, der sich für die Mitarbeit interessiert, ein persönliches Kennenlerngespräch. Dieser Schritt auf dem Weg ins Team ist nicht nur wertvoll, sondern absolut notwendig. Aus diesem Grund findest du hier acht Argumente, warum ein persönliches Gespräch zwingend in deinen Einstiegsprozess für das Nachwuchsteam gehört.
- Persönliche Gespräche helfen dabei, eine tiefere Beziehung zwischen dir und deinen jungen Leitern aufzubauen. Obwohl du die Jugendlichen, die Interesse an deinem Team haben, wahrscheinlich schon kennst, vermittelt ein Treffen unter vier Augen enorme Wertschätzung. Es zeigt, dass du die Person und ihre Ideen schätzt und eine echte Beziehung aufbauen möchtest. Das gibt dir die Möglichkeit, wertvolles Beziehungskapital zu deinen jungen Leitern aufzubauen. Zudem kannst du klärende Fragen zu Abschnitten ihres Fragebogens stellen, die noch keinen Sinn ergeben. Das wiederum befähigt dich, die einzigartige Glaubensreise jedes Einzelnen besser kennenzulernen und zu verstehen.
- Persönliche Gespräche geben Jugendlichen die Chance, ihren Glauben in Worte zu fassen. Sehr oft sind Jugendliche genau das nicht gewohnt. Ein solches Gespräch zwingt sie, nicht nur über ihren Glauben nachzudenken, sondern auch auszudrücken, was sie glauben und warum sie das tun. Genau dieser Aspekt ist für ihre geistliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung.
- Persönliche Gespräche ermöglichen es dir, die Erwartungen an potenzielle Teammitglieder noch einmal zu unterstreichen. Es ist zwar wichtig, dem Interessensbogen sowohl eine Teamvereinbarung als auch ein Erklärungsschreiben über die Art des Nachwuchsteams beizulegen, aber ein Treffen von Angesicht zu Angesicht bietet dir einen weiteren Raum, um Erwartungen glasklar zu kommunizieren. Dieses Vorgehen verhindert oft spätere Konflikte.
- Persönliche Gespräche erlauben es dir, den Einstiegsprozess auf jeden einzelnen Jugendlichen zuzuschneiden. Da die Jugendlichen, die ins Team wollen, bereits eine Weile in deiner Jugendarbeit aktiv sind, hattest du die Gelegenheit, sie in verschiedensten Situationen zu beobachten. Mit diesem Vorwissen kannst du das Gespräch nutzen, um Themen direkt anzusprechen, die später problematisch werden könnten. Ein Beispiel. Wenn ein Jugendlicher in letzter Zeit selten anwesend war, kannst du beim Treffen ausführlich über die Bedeutung von Verbindlichkeit und Präsenz sowie über die Erwartungen an die Anwesenheit sprechen. So stellst du sicher, dass dieses Verhalten in Zukunft nicht zum Stolperstein wird. Wenn du dich anschließend entscheidest, diesen Jugendlichen ins Team aufzunehmen, und später tatsächlich ein Problem auftritt, lässt sich dieses viel leichter aus der Welt schaffen. Du kannst nämlich auf das geführte Gespräch zurückgreifen und sagen: »Erinnerst du dich daran, wie wir bei deinem Einstiegsgespräch über dieses Thema gesprochen haben?« Im Kern geht es um Folgendes. Schriftliche Fragebögen helfen dir zwar dabei, Warnsignale zu erkennen, aber erst persönliche Gespräche ermöglichen es dir, diese auch konkret anzusprechen.
- Nicht alle Jugendlichen sind begnadete Schreiber. Auch wenn es gut ist, dem schriftlichen Fragebogen Gewicht zu verleihen, musst du dir bewusst machen, dass nicht jeder auf dem Papier glänzen kann. Wenn du dir die Zeit nimmst, dich mit jedem Interessenten zu unterhalten, bekommt jeder eine faire Chance auf einen Platz im Team. Vielleicht führst du ein herausragendes Gespräch mit jemandem, dessen schriftliche Antworten eher glanzlos ausfielen.
- Ein Gespräch mit Jugendlichen verwandelt den Einstiegsprozess in einen Dialog. Wie wir bereits besprochen haben, geht es bei Leiterschaft im Kern um Jüngerschaft. Gute Jüngerschaft geschieht im Rahmen von Beziehungen und Gesprächen. Das Treffen verwandelt einen ansonsten einseitigen Ablauf in genau solch einen Dialog. Es ermöglicht potenziellen Teammitgliedern, mehr über dich zu erfahren, während du gleichzeitig mehr über sie lernst. Sie können dir Fragen zum Team stellen, genauso wie du ihnen Fragen stellst.
- Persönliche Einstiegsgespräche vermitteln Jugendlichen Fähigkeiten für das echte Leben. Jeder Jugendliche wird irgendwann im Leben ein echtes Vorstellungsgespräch führen müssen. Wenn du persönliche Gespräche in die Findungsphase für dein Nachwuchsteam integrierst, sammeln die Jugendlichen echte Praxiserfahrung für spätere Bewerbungen. Indem du von ihnen einforderst, deine Fragen zu beantworten, Blickkontakt mit dir zu halten und konkrete Beispiele aus ihrem Leben zu nennen, bereitest du sie hervorragend auf ihr erstes echtes Vorstellungsgespräch vor.
- Persönliche Gespräche machen Veränderung und Wachstum sichtbar. Wenn du jedes Jahr mit den Jugendlichen ein Gespräch führst, die sich für dein Team eintragen, erkennst du, wie sie sich von einem Jahr zum nächsten entwickeln. Es ist unglaublich erfüllend, dabei zuzusehen, wie aus unbeholfenen, schüchternen Jugendlichen bis zu ihrem Schulabschluss begabte, gottgefällige Leiter heranreifen.
Falsche Erwartungen vermeiden
Sobald du weißt, warum du ein Nachwuchsteam aufbaust, wonach du bei den Jugendlichen für dieses Team suchst und wie du deine jungen Leiter auswählst, bleibt immer noch eine Frage offen. Wie präsentierst du deinen Jugendlichen diese Idee zum allerersten Mal?
Der beste Weg dafür ist ehrliche Kommunikation darüber, was genau dieses Team ausmacht.
Wie du weißt, bin ich ein großer Verfechter von Nachwuchsteams, die den Fokus auf Jüngerschaft legen. Aus diesem Grund spreche ich immer von persönlichem Wachstum, wenn ich von unserem Team aus jungen Leitern erzähle. Ich betone, dass eine Anmeldung für das Nachwuchsteam interessierten Jugendlichen die Chance bietet, in ihrem Glauben, in ihren Beziehungen zu anderen und in ihrer eigenen Leiterschaft zu wachsen. Außerdem mache ich deutlich, dass wir nicht nach einem bestimmten Typ von Teilnehmer suchen. Vielmehr halten wir Ausschau nach Leuten, die gerne in der ersten Reihe stehen, genauso wie nach jenen, die lieber im Hintergrund mitarbeiten. Wir suchen Introvertierte ebenso wie Extrovertierte.
Neben der Erklärung, was dein Nachwuchsteam ausmacht, ist es bei der allerersten Vorstellung vor den Jugendlichen und ihren Eltern ebenso wichtig, klarzustellen, was das Team nicht ist. Vermeide aus diesem Grund die folgenden beliebten Phrasen, wenn du dein Nachwuchsteam beschreibst.
- »Unser Team aus jungen Leitern ist wie unser Gemeindevorstand oder Ältestenkreis.« Dieser Vergleich ist verlockend. Er scheitert jedoch meist auf mehreren Ebenen. Zunächst einmal wissen viele deiner Jugendlichen vermutlich gar nicht, was der Vorstand oder Ältestenkreis deiner Gemeinde überhaupt ist, geschweige denn, was diese Gremien tun. Für diejenigen, die es wissen, ist das Leitungsgremium der Gemeinde wahrscheinlich eng mit dem Thema Macht verknüpft. Auch wenn es wichtig ist, Jugendlichen Verantwortung zu übertragen, wäre ich bei jedem Nachwuchsteam extrem vorsichtig, dem die Macht verliehen wird, über das Budget der Jugendarbeit zu entscheiden sowie Mitarbeiter einzustellen oder zu entlassen. Diese beiden Aufgabenbereiche fallen nämlich oft in den Verantwortungsbereich von Gemeindevorständen oder Ältestenkreisen.
- »Als junge Leiter dürft ihr wichtige Entscheidungen über unsere Jugendarbeit treffen.« Das mag bei deinem Nachwuchsteam sogar zutreffen. Bei meinem ist das definitiv der Fall. Da ich mir aber wünsche, dass unsere jungen Leiter als dienende Leiter vorangehen und nicht nur ihre eigenen Interessen durchdrücken, werbe ich niemals mit der Entscheidungsmacht, die sie als Teil des Teams haben werden. Wenn man das tut, kann die Situation sehr schnell eskalieren. Ich hörte zum Beispiel einmal eine Jugendleiterin sagen: »Es ist ihre Jugendgruppe, nicht meine. Unsere jungen Leiter wissen das und nehmen das voll an.« Ist es da ein Wunder, dass genau diese Jugendleiterin in einen bitteren Konflikt mit ihren jungen Leitern verwickelt wurde? Diese dachten nämlich, sie hätten das Recht und die Vollmacht, die Ausrichtung der Jugendarbeit festzulegen und der Jugendleiterin vorzuschreiben, wie sie ihre Arbeit zu machen hat. Ein weitaus besserer Ansatz besteht darin, zu betonen, dass es bei junger Leiterschaft um Wachstum geht. Während die jungen Leiter in die Jüngerschaft genommen werden und ihr Glaube wächst, kannst du ihre Verantwortung schrittweise erhöhen. Erlaube ihnen, sich bei immer mehr wichtigen Entscheidungen einzubringen und diese zu beeinflussen. Aber auch dann solltest du deine Leitungsverantwortung nicht komplett an Jugendliche abtreten. Schließlich bist letztendlich du für die Arbeit verantwortlich, die Gott dir anvertraut hat. Es ist deine Aufgabe, die Randgruppen in deiner Jugendarbeit zu schützen. Außerdem musst du sicherstellen, dass bestimmte Kernthemen, wie Jesus, jedes Jahr gelehrt werden, unabhängig davon, ob deine Jugendlichen darüber diskutieren wollen oder nicht.
- »Junger Leiter zu sein, macht sich gut in deinem Lebenslauf.« Das stimmt tatsächlich. Es macht definitiv einen guten Eindruck. Dennoch möchte ich keine Jugendlichen in meinem Nachwuchsteam haben, die nur deshalb dabei sind, weil es sich bei zukünftigen Bewerbungen gut liest. Diese Jugendlichen sind in der Regel nicht diejenigen, die ernsthaft daran interessiert sind, in ihrem Glauben, in der Beziehung zu anderen oder auch in ihrer Leitungsfähigkeit zu wachsen. Infolgedessen schaden sie deinem Team oft mehr, als sie nützen. Bettelt Jugendliche daher nicht an, in eurem Team mitzumachen, und preist die Vorteile nicht übertrieben an. Lasst die Jugendlichen stattdessen selbst entscheiden, ob die Mitarbeit in eurem Nachwuchsteam wirklich das ist, was sie wollen.
Wenn du deinen Jugendlichen die Idee eines Teams aus jungen Leitern zum ersten Mal vorstellst, wirst du höchstwahrscheinlich eine kleine, aber dafür umso engagiertere Gruppe vorfinden, die mit Begeisterung dabei sein wollen.
Das ist völlig in Ordnung.
Vielleicht ist es sogar gut so.
Je etablierter dein Nachwuchsteam wird, desto mehr werden genau diese Jugendlichen zu deinem besten Aushängeschild für die Mitarbeit im Team. Aus diesem Grund wirst du von Jahr zu Jahr wahrscheinlich immer mehr Interessenten haben, die unbedingt Teil deines Teams werden wollen, und zwar aus den richtigen Beweggründen.
Kein automatisches Bleiberecht
Eine Frage, die mir im Hinblick auf Nachwuchsteams häufig gestellt wird, lautet: »Gibt es bei euch ein automatisches Bleiberecht?« Mit anderen Worten. Wenn jemand einmal in deinem Team aus jungen Leitern ist, sollte er dann auf unbestimmte Zeit dort bleiben?
Meine Antwort darauf ist ein klares und deutliches Nein!
Niemand hat in meinem Nachwuchsteam ein automatisches Bleiberecht. Ebenso wenig erwarte ich, dass jemand bis zu seinem Schulabschluss im Team bleibt. Stattdessen engagieren sich meine jungen Leiter für klar begrenzte Zeiträume. In meiner Jugendarbeit erstreckt sich eine solche »Mitarbeitsphase« im Nachwuchsteam von Juni bis Juni des darauffolgenden Jahres. Das ermöglicht es den Jugendlichen, an den Schulungen teilzunehmen, die wir über die Sommermonate anbieten, und sich anschließend für ein komplettes Schuljahr als junge Leiter einzubringen.
Wenn sie am Ende dieses Schuljahres für ein weiteres Jahr im Nachwuchsteam bleiben möchten, müssen die Jugendlichen erneut ihr Interesse anmelden. Dafür durchlaufen sie exakt denselben Einstiegsprozess, den wir auch für Neueinsteiger nutzen. Sie müssen einen Interessensbogen ausfüllen, der für sie tatsächlich umfangreicher ist als für Neueinsteiger, da ich möchte, dass erfahrene Leiter über ihre bisherige Zeit im Team reflektieren, und erneut unser Kennenlerngespräch führen.
Dieses Vorgehen zwingt zurückkehrende Teammitglieder dazu, ihren Terminkalender und ihre Prioritäten neu zu bewerten. Es stellt sicher, dass der Verbleib in unserem Nachwuchsteam etwas ist, das sie wirklich von Herzen wollen, und nicht nur etwas, zu dem sie sich verpflichtet fühlen. Außerdem bietet es den Jugendlichen einen einfachen und unkomplizierten Ausstieg. Sollten sie aus welchem Grund auch immer entscheiden, dass sie nicht in unserem Nachwuchsteam bleiben möchten, füllen sie einfach keinen weiteren Interessensbogen aus. Das macht es anspruchsvoll, in unser Nachwuchsteam hineinzukommen, aber extrem leicht, es wieder zu verlassen.
Um jungen Leitern eine weitere Gelegenheit zu geben, ihren Platz im Team zu reflektieren, könntest du auch über persönliche Gespräche zur Jahresmitte nachdenken. Tausche dich in diesen Unterhaltungen ganz bewusst mit jedem einzelnen Teammitglied aus. Bitte sie, das bisherige Jahr Revue passieren zu lassen und gemeinsam auf eure Teamvereinbarung zu schauen. Auf diese Weise hast du die Möglichkeit, Herausforderungen anzusprechen, bevor sie zu ernsthaften Problemen heranwachsen. Frage jeden Jugendlichen im Rahmen dieses Gesprächs ganz direkt, ob er im Team bleiben möchte oder nicht und warum das so ist.
Wenn sich junge Leiter dazu entschließen, nicht in deinem Team zu bleiben, versuche nicht, sie zum Bleiben zu überreden. Wertschätze stattdessen, was sie in das Team eingebracht haben, und lass sie in guter Atmosphäre weiterziehen. Das fällt zwar nie leicht, ist aber immer der richtige Weg. Es wahrt das Gesicht der Jugendlichen und ermöglicht ihnen einen eleganten Ausstieg. Sie können das Team verlassen, ohne ihm zu schaden oder das Gefühl zu haben, sich vor ihrer Verantwortung zu drücken. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass die Jugendlichen sich weiterhin zu ihren eigenen Bedingungen in eurer Jugendarbeit einbringen. Sie tun das dann eben ohne die Verantwortung, die die Rolle als junger Leiter mit sich bringt. Das gilt besonders dann, wenn du ihnen im Rahmen dieses Gesprächs zusprichst, dass sie nach wie vor einen festen Platz in eurer Jugendarbeit haben.
Am Ende bestehen die besten Nachwuchsteams aus Jugendlichen, die sich mit ganzer Leidenschaft in eure Jugendarbeit investieren. Damit das gelingt, darf sich ein Jugendlicher niemals in deinem Team gefangen fühlen. Ein regelmäßiger, bewusster Austausch mit den Teammitgliedern und die jährliche Erneuerung des Interessensbogens für das Nachwuchsteam sind ein einfaches Mittel, um genau das zu verhindern. So fühlen sich Jugendliche nicht in die Enge getrieben, sondern entscheiden sich ganz bewusst dafür, sich weiterhin in eure Jugendarbeit zu investieren.
Das Team bekanntgeben
In der Mittelstufe spielte ich im Volleyballteam meiner Schule.
Ich liebte es, Teil des Teams zu sein. Mir machte das Volleyballspielen sogar richtig Spaß. Es gab da nur einen Haken. Ich war nicht besonders gut darin. Ich besuchte zufällig eine Schule, die so klein war, dass fast jedes Mädchen mitspielen musste, um überhaupt eine Mannschaft aufstellen zu können. Das Problem war jedoch folgendes. Da ich zwei Jahre lang aktiv gespielt hatte, fiel mir gar nicht auf, dass mir das nötige Talent fehlte. Das lernte ich auf die harte Tour, als ich zu Beginn der Oberstufe aus der Mädchenmannschaft meiner neuen Schule aussortiert wurde.
Ich weiß noch genau, wie ich nach dem letzten Tag des Auswahltrainings auf die Teamliste zusteuerte und verzweifelt nach meinem Namen suchte, nur um festzustellen, dass er fehlte.
Ich war am Boden zerstört. Genau wie meine neuen Freundinnen, die es ebenfalls nicht in die Mannschaft geschafft hatten.
Diese tiefe Enttäuschung hat sich mir eingeprägt. Heute, zwanzig Jahre später, ist mir völlig klar, dass ich Jugendliche in meiner Jugendarbeit niemals einer solchen Enttäuschung im Hinblick auf unser Nachwuchsteam aussetzen möchte. Einer der Hauptgründe, warum ich einen derart ausführlichen Einstiegsprozess nutze, liegt genau hier. Dieser Ablauf ermöglicht es den Jugendlichen, für sich selbst abzuwägen und sich für oder gegen eine Mitarbeit zu entscheiden. Das reduziert die Anzahl der Jugendlichen, denen ich für unser Team absagen muss, drastisch.
Leider sind Absagen manchmal trotzdem unvermeidlich.
Wenn dieser Fall eintritt, möchte ich auf keinen Fall, dass Jugendliche panisch eine Liste nach ihrem Namen absuchen müssen, um herauszufinden, ob sie es ins Team geschafft haben. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, mein Team bekanntzugeben, befolge ich aus diesem Grund drei einfache Grundregeln.
- Führe schwierige Gespräche unter vier Augen. Jugendliche investieren viel Zeit und Energie in die Findungsphase für ein Nachwuchsteam. Um diesen Einsatz zu würdigen, solltest du mit einem Jugendlichen, der es nicht ins Team schafft, einen Kaffee trinken gehen. Nimm dir die Zeit, ihm deine Entscheidung in einem persönlichen Gespräch zu erklären. Erläutere die Beweggründe für deinen Entschluss. Zeige Verständnis für den Schmerz, die Enttäuschung und vielleicht sogar die Wut darüber, nicht Teil des Teams zu sein. Sprich dem Jugendlichen seinen Wert und seine Bedeutung zu. Erinnere ihn ausdrücklich daran, dass er nach wie vor einen festen Platz in eurer Jugendarbeit hat.
- Gib dein Nachwuchsteam im kleinen Kreis bekannt. Anstatt eine Namensliste des Nachwuchsteams öffentlich auszuhängen, an der Tür des Jugendraums oder sogar in den sozialen Medien, solltest du die Bekanntgabe im kleinen Kreis vornehmen. Kontaktiere einfach diejenigen, die aufgenommen wurden. Lass sie wissen, wie sehr du dich darüber freust, dass sie Teil des Teams sind. Teile ihnen bei dieser Gelegenheit auch direkt mit, wer sonst noch mit ihnen zusammen mitarbeiten wird.
- Sei sensibel im Umgang mit denen, die nicht in deinem Team sind. Um kein Salz in offene Wunden zu streuen, solltest du zumindest in der Anfangsphase vor den restlichen Jugendlichen eurer Jugendarbeit kein großes Aufheben darum machen, wer in deinem Team ist. Stelle dein Team stattdessen einzeln vor, wann immer sich eine natürliche Gelegenheit dazu bietet. Ein praktisches Beispiel. Anstatt alle Mitglieder deines neuen Nachwuchsteams aufstehen und applaudieren zu lassen, wähle einen anderen Weg. Wenn einer deiner jungen Leiter das nächste Mal eine Aktion organisiert, eine Diskussionsrunde leitet, Stühle aufstellt oder die Ansagen macht, bedanke dich öffentlich bei ihm und nenne ihn dabei ganz bewusst »junger Leiter«.
Wenn du diese drei einfachen Regeln befolgst, trägst du dazu bei, dass deine Jugendarbeit ein sicherer Ort bleibt. Das gilt auch für diejenigen, die noch nicht bereit für die Aufgabe als junger Leiter sind. Das ist enorm wichtig. Denn obwohl nicht jeder zur Leiterschaft berufen ist, ist absolut jeder in unserer Jugendarbeit willkommen.
